Seit August bietet die ausgebildete Pharmazeutische Assistentin und Heilkräuterpraktikerin Sandra Schnell im Kleinsachsenheimer Wald eine besondere Führung an: Das „Waldbaden“ bietet eine Auszeit vom stressigen Alltag und mobilisiert alle Sinne.
Waldbaden in Sachsenheim Eine Auszeit vom Alltag zur Mobilisierung der Sinne
„Waldbaden“ ist ein bewusster Umgang mit der Natur und stammt aus Japan – Sandra Schnell zeigt in ihren Kursen, auf was es dabei ankommt.
Die Schranke am Waldesrand markiert den Wechsel vom alltäglichen Stress hin zur Harmonie des Waldes. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde heißt es, den ganzen Körper vorsichtig abzuklopfen. Diese Übung aus dem Qigong dient dazu, verbrauchte Energie loszuwerden, den Kopf und Körper freizubekommen für die meditativen Übungen des „Waldbadens“. Gleichmäßig knirschen anschließend die Schritte der Teilnehmerinnen auf dem mit Schotter bedeckten Waldweg, und Sandra Schnell erzählt bei einem ersten Stopp, dass das „Waldbaden“ seinen Ursprung in Japan hat.
Dort ist es inzwischen fest im Gesundheitswesen integriert und es gilt als erwiesen, dass es den Blutdruck senken, das Immunsystem stärken sowie Stress reduzieren kann – die natürliche Kraftquelle Wald soll sogar zur Freisetzung von Antikrebsproteinen beitragen. Wissenswertes vermittelt Sandra Schnell zu Beginn der zweieinhalb bis dreistündigen Tour, bevor es heißt, alle Sinne zu mobilisieren. Vor einem Weißdorn bleibt die kleine Gruppe stehen, pflückt ein paar aromatisch-fruchtige Beeren. Die Samen der Brennnessel sind ebenfalls essbar und schmecken im aktuellen grünen Zustand eher würzig. Sandra Schnell hat eine einjährige Ausbildung zur „Waldbaden-Wegbegleiterin“ gemacht, ist ebenso in Heilkräutern kundig und weiß genau, wovon sie spricht.
Botenstoffe der Bäume
Nun stehen alle vor einer hochgewachsenen Kiefer und erfahren, dass Nadelbäume sogenannte Terpene aussenden, die für unsere Gesundheit sehr zuträglich sind. Daher ist auch das oft noch belächelte „einen Baum umarmen“ eigentlich äußerst gesund, da es über die Haut zur Aufnahme der entzündungshemmenden, beruhigenden, schmerzlindernden und stimmungsaufhellenden Botenstoffe kommt.
Und bei Regen sind die Terpene noch intensiver vorhanden, weiß Sandra Schnell auch noch zu berichten. Danach geht es beim „Waldbaden“ um das Fühlen sowie Riechen, und hier rollen die Damen kleine Harzkügelchen zwischen den Fingern, erfahren, dass sich hieraus eine gute Wundheilsalbe herstellen lässt. An der nächsten Wegkreuzung wird eine Geh-Meditation praktiziert. Beim Einatmen wird ein Schritt gemacht, beim Ausatmen dagegen zwei. Das führt zu einem Mehr an innerer Ruhe und bereitet vor auf die folgende geführte Meditationsübung.
Diese kann sowohl im Stehen als auch im Sitzen ausgeführt werden. Sandra Schnell beginnt mit warmer, sanfter Stimme zu sprechen: „Spüre in dich hinein, schließe deine Augen, lenke dein Bewusstsein auf dein Gehör, was hörst du?“, fragt sie und just in diesem Moment beginnt ein Vogel in den Baumwipfeln laut zu rufen, fast als hätte auch er den meditativen Worten gelauscht und wolle nun seinen Teil zum Gelingen beitragen.
Die Natur als Lehrmeisterin
Nachdem Sandra Schnell ihre Ausbildung zur „Waldbaden-Wegbegleiterin“ abgeschlossen hatte, sammelte sie zunächst eigene Erfahrungen im Wald und musste sich ihr Kursangebot außerdem erst einmal auf dem Landratsamt genehmigen lassen. Das „Go“ gab es Ende Juli, so dass sie ab August starten konnte.
Noch ist sie am Experimentieren, welche Tage und Uhrzeiten gut funktionieren und möchte gern im Oktober auch ein „After-Work-Waldbaden“ anbieten. Sie selbst liebt das mit allen Sinnen ankommen beim langsamen Laufen durch den Wald: „Der Wind rauscht, schon das ist sehr beruhigend und wir merken diese Entschleunigung, wenn wir einfach auch mal an einem Ort stillstehen und nur beobachten“, fügt sie hinzu.
Gutes Schuhwerk ist wichtig
Wichtig ist beim „Waldbaden“ gutes Schuhwerk zu tragen sowie eine Sitzunterlage mitzubringen, denn zum Abschluss heißt es entspannt unter einem Baum Platz zu nehmen, sich bewusst mit ihm zu verbinden und dabei völlig bei sich selbst anzukommen: „Ich nenne das tiefe Naturverbundenheit, ein Verschmelzen mit der Natur“, erklärt Sandra Schnell und ergänzt, dass sich das „Waldbaden“ an alle richtet: „Die Entspannung steht im Vordergrund und es ist keine große Strecke, die zurückgelegt wird“.
