Die Sicherstellung einer wohnortnahen Grundversorgung mit Waren des täglichen Bedarfs ist seit vielen Jahren ein zentrales Ziel der Gemeinde Walheim. Das Projekt zur Entwicklung einer Nahversorgungslösung begleitet den Gemeinderat bereits seit mehreren Jahren. In einer nicht öffentlichen Sitzung haben unter anderem das beauftragte Planungsbüro für den Bebauungsplan, der Projektentwickler, die zuständige Umlegungsstelle des Landratsamts Ludwigsburg sowie ein potenzieller Betreiber eines Lebensmittel-Discounters ihre Einschätzungen eingebracht. Dargestellt wurden insbesondere die planungsrechtliche Situation, die Grundstücks- und Eigentümerstruktur, das Umlegungsverfahren, die zeitlichen Perspektiven sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Walheim Kleiner Laden statt großer Discounter
Der Gemeinderat ist davon abgerückt, einen Lebensmittel-Markt zwischen Kraftwerksgelände und ASB anzusiedeln. Der Fokus liegt auf einem kleinflächigen Nahversorger.
Geeignete Standortewerden geprüft
Als Ergebnis beschloss der Gemeinderat, die Nahversorgung über ein kleinflächiges Nahversorgungsmodell im Ort weiterzuentwickeln und die Verwaltung zu beauftragen, geeignete Standorte zu prüfen, Gespräche mit potenziellen Betreibern zu führen und dem Gemeinderat nach Abschluss dieser Prüfungen eine konkrete Umsetzungsvariante zur Entscheidung vorzulegen.
Der Hintergrund: Seit bald 15 Jahren wurden verschiedene Standorte und Modelle zur Ansiedlung eines Nahversorgers in Walheim geprüft. Mehrere Ansätze konnten aufgrund verkehrlicher, infrastruktureller oder planungsrechtlicher Rahmenbedingungen nicht umgesetzt werden. Verworfen werden mussten die vorgeschlagenen Standorte am Mozartweg und gegenüber dem Umspannwerk.
Seit 2021 konzentriert sich die Planung auf den Bereich „Mühlwiesen“, also die Fläche zwischen Kraftwerk und ASB-Wache, verbunden mit der Perspektive der Ansiedlung eines Lebensmittel-Discounters. Hierfür wurden planerische Vorarbeiten geleistet und externe Fachstellen eingebunden. Doch die Realisierung eines großflächigen Nahversorgers im Bereich „Mühlwiesen“ ist maßgeblich von der Verfügbarkeit geeigneter Grundstücksflächen abhängig. Aber dabei bestehen wesentliche Hemmnisse, da sich zentrale Grundstücke nicht im Eigentum der Gemeinde befinden und derzeit nicht zum Verkauf stehen.
Zur Lösung der komplexen Eigentumsverhältnisse wurde im Juni 2023 ein Umlegungsverfahren angeordnet. Doch dieses ist langwierig und kann mehrfach im Verfahren angefochten und damit noch mehr verzögert werden. „Aus Sicht der Verwaltung ist bei konservativer Betrachtung von einem Zeithorizont von etwa fünf Jahren bis zur möglichen Realisierung eines Marktstandorts auszugehen“, meint Bürgermeister Christoph Herre.
Daher entschied sich der Gemeinderat nun für eine „kleine“ Lösung, die schnell umgesetzt werden kann, den kleinflächigen Nahversorger wie beispielsweise Tante M.
Spatz in der Hand besser als Taube auf dem Dach
Dabei wird eine Grund- und Ergänzungsversorgung des täglichen Bedarfs bei deutlich geringeren Flächenanforderungen angeboten. Vorteile bestehen insbesondere in der guten fußläufigen Erreichbarkeit und der Stärkung des Ortskerns.
Im Nahversorgungskonzept kam die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH zu dem Ergebnis, dass in Walheim dauerhaft nur ein Nahversorgungsmodell wirtschaftlich tragfähig betrieben werden kann. Ein paralleles Verfolgen beider Optionen sei daher nicht zielführend. Man wolle das „Discounterszenario“ nicht endgültig ausschließen, aber im Moment nicht weiterverfolgen, so der Gemeinderat. Der Spatz in der Hand, sei besser als die Taube auf dem Dach. Ein kleinflächiger Nahversorger im Ort könne insbesondere durch kurze Wege, flexible Öffnungszeiten und die Nutzung durch Gelegenheitskäufe einen wichtigen Beitrag zur Grundversorgung leisten. Diese Option sei mit deutlich geringeren Umsetzungsrisiken verbunden.
