„Für mich ist das der schönste Job“, sagt Christoph Herre, der seit Januar 2025 Bürgermeister in Walheim ist. Die Erwartungen hätten sich erfüllt, betont der inzwischen 25-Jährige nach einem Jahr im Amt. Das erste Jahr sei natürlich immer auch bisschen ankommen, „wobei man recht schnell ins Machen kommt.“ Und das Machen ist ihm wichtig, gerade nach einem Dreivierteljahr in Walheim, als „kein demokratisch gewählter Bürgermeister in der Gemeinde war“ und der stellvertretende Bürgermeister die Verwaltung sicherstellte. „Das ist jetzt schon ein Umschwung, also vom normalen Betrieb in die Vakanz hinein und wieder ins normale Gestalten“, so Herre, da müsse man schauen, dass man die Leute mitnehme.
Walheim Schnell ins Machen gekommen
Christoph Herre blickt im Gespräch mit der BZ auf sein erstes Amtsjahr zurück.
Bei seiner Amtsübernahme habe es bereits einen Haushaltsplan für das Jahr 2025 gegeben, und damit sei das gute Verhältnis zwischen Gemeinderat und ihm „gleich einmal auf die Probe gestellt“ worden. Sein erstes und wichtigstes Projekt war eine Organisationsuntersuchung der Verwaltung – eine außerplanmäßige Ausgabe. „Da bin ich wahnsinnig dankbar, dass das so ermöglicht wurde. Da spüre ich schon Vertrauen vom Gemeinderat“, betont der Rathauschef. Sein Ziel ist es die Verwaltung als Herzstück der Gemeinde zu stärken und zu modernisieren.
Ämterstruktur verändern
„Wir werden die Ämterstruktur von drei auf zwei reduzieren“, erklärt Herre, am Ende mit einem Hauptamt und einer Kämmerei. Es ist für ihn ein wichtiges Signal „in der jetzigen Zeit nach außen zu sagen, wir halten unseren Stellenplan, den wir im Haushaltsplan haben auch in Zukunft“, durch die Verschlankung würden aber die Ämter breiter aufgestellt und trotzdem alle Aufgaben erfüllt. „Ich möchte einfach bewusst einen Gegentrend setzen, weil ich schon weiß, wo die Arbeit gemacht wird“, so Herre – nämlich in der Verwaltung und auf der Arbeitsebene.
Als Verwaltungschef hat er die Transparenz für die Bürger erhöht. „Wir arbeiten offen, nachvollziehbar und im Dialog“, sagt Herre. So gibt es regelmäßige Bürgergespräche und er stellt eine direkte Ansprechbarkeit sicher. Es wurde jetzt in Walheim das digitale Ratsinformationssystem eingeführt, eine neue Bekanntmachungssatzung und Geschäftsordnung für den Gemeinderat eingeführt und die Vorlagenqualität verbessert. Wichtig ist ihm „eine offene Atmosphäre und ein konstruktiver Austausch“.
Standhaft bleibt die Gemeinde Walheim mit einer klaren Position gegen die geplante Klärschlammverbrennungsanlage der EnBW, betont Herre. Deshalb habe man auch gegen die erste Teilgenehmigung für die Errichtung und den Betrieb einer Klärschlammverbrennungsanlage auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Walheim beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) geklagt. Er geht von einem Erfolg aus, sonst hätte man die Klage nicht eingereicht, da man verantwortungsbewusst als Gemeinde mit den Gerichtskosten umgehen müsse. Er habe sich mit der Genehmigung intensiv beschäftigt und Herre kommt zu der Einschätzung: „Da geht ein großer Kritikruf hoch an die Genehmigungsbehörden, wie man genehmigt hat.“
Gegen die Resignation
„Ich habe im Gemeinderat gesagt, wenn die Baugenehmigung da ist, würden im Herbst die Rohbauteile schon stehen“, so Herre. Durch die baulichen Aktivitäten auf dem EnBW-Gelände erkennt der Bürgermeister durchaus eine Resignation in der Bevölkerung. Trotzdem bleibe die Gemeinde weiter aktiv, wie auch die Bürgerinitiativen. „Aber es macht es natürlich schwieriger mit diesem sichtbaren Fortschritt“, betont er. Dennoch die Klage liege beim VGH, aber der Klageweg sei eben ein papierlastiger Weg – und ein langer.
Gefreut hat sich der Walheimer Bürgermeister, trotz des präsenten Themas in unmittelbarer Nähe, dass „wir das Neckarfest gefeiert haben, ein wunderschönes Fest“. Herre: „Es tut dem Ort einfach auch gut das Thema auszublenden.“ Deshalb sei er für das Neckarfest dankbar gewesen, bei dem man drei Tage ein Fest hatte, in der Nachbarschaft zu EnBW, und das Thema einfach weg gewesen sei. „Das ist wichtig für die Leute , für Stimmung und das ist ja auch unsere Aufgabe“, sagt er.
