Im Foyer der Gemeindehalle schart sich eine Traube von Kindern um einen Glaskasten mit der Aufschrift: „Bitte nicht an die Scheibe klopfen“. In dieser sogenannten Schlupfbox liegen zahlreiche Eier – weiße, cremefarbene, hell- und dunkelbraune. Wer einen Blick erhascht, vorbei an den Kindernasen, die sich gegen die Glasscheibe drücken, dem wird warm ums Herz: Fünf winzige Küken liegen und sitzen zwischen den noch geschlossenen Eiern, noch ganz erschöpft von der Anstrengung des Schlüpfens. Eines von ihnen kämpft sich über die Eier zu den anderen, bleibt immer wieder liegen. Und dann plötzlich: Aus einem Ei, dessen Schale bereits aufgeplatzt ist, ragt ein winziges Schnäbelchen. Ganz langsam arbeitet sich das Tier nach draußen, die Schale bewegt sich immer wieder. Zuschauen erfordert hier vor allem eines: Geduld.
Walheim Wenn das Küken die Schale knackt
Der Kükenschlupf des Kleintierzuchtvereins lockt am Ostermontag zahlreiche Familien an. Damit das Federvieh pünktlich schlüpft, sind einige Vorbereitungen nötig.
Attraktion an Ostermontag
Es ist die Attraktion am Ostermontag: Seit 38 Jahren lädt der Kleintierzuchtverein Walheim zum Kükenschlupf ein und viele Familien kommen immer wieder. Gleich am Eingang sitzen ein weißes und ein schwarz-weißes Kaninchen auf einer Bierbankgarnitur. Zaghaft streichen Kinderhände über das weiche Fell, immer wieder füttern sie die Tiere auch mit Löwenzahn. Mitgebracht hat die Holländerkaninchen der erste Vorsitzende Karl-Heinz Imhof. Die Tiere werden regelmäßig ausgetauscht und dürfen sich zwischendurch in ihrem Gehege ausruhen.
Für viele Kinder ist das ein besonderes Erlebnis, das im Alltag selten geworden ist. „Die Veranstaltung ist wirklich sehr beliebt bei den Kindern, wir kommen jedes Jahr. Sie können hier beobachten und lernen einen verantwortungsvollen Umgang mit Tieren“, sagt Lucie Rust. Töchterchen Luna durfte bereits ein Küken auf die Hand nehmen und ein Kaninchen streicheln.
Für die Kinder ist es natürlich das Größte, dass sie nicht nur beim Schlüpfen zugucken können, sondern die kleinen flauschigen Küken sogar in den Händen halten dürfen. In einer Holzkiste tummeln sich unter einer Wärmelampe einige der Küken, die bereits einen Tag alt sind. Die engagierten Kinder und Jugendlichen des Kleintierzuchtvereins achten aufmerksam darauf, dass keines herunterfällt oder zu fest gedrückt wird.
Auch die 16-jährige Amelie Schneider, seit Jahren im Verein aktiv, hat immer ein Auge auf ihre Schützlinge. „Du darfst dich hier auf den Stuhl setzen und hältst eine Handfläche nach oben und die andere Hand schützend über das Küken,“ erklärt sie einem kleinen Mädchen und setzt ihm auch schon ein hellgelbes Küken in die Kinderhand. „Dieses Jahr durfte ich zum ersten Mal bei uns zuhause ausbrüten lassen,“ erzählt sie stolz. „21 Tage lang sind die Eier im Brutautomat, bis die Küken schlüpfen. Etwa einen Tag später, wenn sie trocken sind, kommen sie dann unter die Wärmelampe – so lange, bis sie ihr erstes Federkleid bekommen.“
In der Gemeindehalle gibt es auch wieder viele verschieden Rassen zu bestaunen. „Diesmal haben wir Brahmas, Bielefelder, Amrock, Sperber und New Hampshire in gold-braun dabei“, zählt Imhof auf. Die geschlüpften Küken gehen wieder an ihre Züchter zurück und damit in die Hühnerzucht.
Eier werden durchleuchtet
Doch wie gelingt es, dass die Tiere pünktlich zu Ostern schlüpfen? Küken benötigen rund 21 Tage, bis sie schlüpfen. Zunächst werden die Eier etwa 19 Tage lang in einem Brutapparat bei konstant rund 37,8 Grad und angepasster Luftfeuchtigkeit bebrütet. Dabei werden sie regelmäßig gedreht, damit sich der Embryo gleichmäßig entwickeln kann und nicht an der Schalenmembran anhaftet. „Die Eier werden außerdem immer wieder durchleuchtet. Auf diese Weise wird festgestellt, ob sie auch tatsächlich befruchtet sind – nur dann kann sich überhaupt ein Küken entwickeln“, erzählt Jürgen Reichert, zweiter Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins.
In den letzten Tagen kommen die Eier in eine Schlupfbox mit höherer Luftfeuchtigkeit. Dort befreien sich die Küken schließlich selbst aus ihrer Schale – ein anstrengender Prozess, der mehrere Stunden bis hin zu ein bis zwei Tagen dauern kann. Und schon bald können sie ihre ersten Schritte in die Welt unternehmen und zu kräftigen Hühnern heranwachsen.
