Wegen Trump Cornelia Funke zweifelt am amerikanischen Traum

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Cornelia Funke, deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin, lebt in den USA. Wie lange noch?. Foto: Christophe Gateau/dpa Foto: dpa

Die Autorin («Tintenherz») und Wahl-Kalifornierin leidet unter Stimmung in den USA. Schuld daran sei der derzeitige Präsident des Landes, der «alles Hässliche» herauslocke.

Los Angeles - Die seit 15 Jahren in Kalifornien lebende Bestsellerautorin Cornelia Funke (61) ist nach eigenen Worten von den USA "desillusioniert". Sie habe "das traurige Gefühl, dass mir der amerikanische Traum abhandenkommt", sagte die Autorin dem "Spiegel".

"Die Frage ist: Wann ist es Zeit zu gehen? Ich bin bereit zu kämpfen, ich bin auch bereit, die Schwierigkeiten auszuhalten, aber kann ich diesen amerikanischen Traum noch unterschreiben?"

Für die zunehmende Polarisierung ihrer Wahlheimat sei Präsident Donald Trump verantwortlich, sagte Funke ("Tintenherz", "Drachenreiter"). "Trump lockt nun all das Hässliche heraus, was wir für besiegt und vergessen hielten." Er habe die "sozialen Werte" der USA "dramatisch umgekehrt", allen voran Diversität, Toleranz und Fortschrittsglauben. Sie kritisierte, dass etwa eine Krankenversicherung "meist nur als unnützes Hindernis für einen vollkommen von der Leine gelassenen Kapitalismus betrachtet" werde.

Als weiteren Grund für ihre Zweifel an Amerika nannte Funke die schweren Waldbrände in Kalifornien. Ihr Haus in Malibu bei Los Angeles brannte 2018 fast ab. "Als das jetzt wieder losging mit der Brandsaison, habe ich auch gesagt, Himmel, ich glaube, ich muss doch weg." Trotzdem bleibe ihr Grundstück in Malibu für sie "ein heiliger Ort", das sie nicht "einfach irgendwelchen Spekulanten überlassen" wolle. Sie wolle aber einen Hof in Deutschland kaufen, auf dem ihr Artist-in-Residence-Programm ein europäisches Zuhause finde.

© dpa-infocom, dpa:201015-99-958499/2

 
 
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