Weihnachten bei Sami Aittokallio und Markus Kojo von den Bietigheim Steelers Finnen-Stars feiern mit Baum, Sauna, Schinken und „Glögi“

Von Andreas Eberle
Die beiden Finnen Sami Aittokallio (links) und Markus Kojo haben es sich vor dem geschmückten Weihnachtsbaum des Torhüters bequem gemacht.⇥ Foto: Privat

Steelers-Torhüter Sami Aittokallio pflegt zu Hause in Sersheim die nordischen Weihnachtsbräuche. Markus Kojo reist spontan in die Heimat. Von Andreas Eberle

In der finnischen Stadt Pori schneit bei den Kojos an Heiligabend ein Überraschungsgast herein, über den sich die ganze Familie noch mehr freuen wird als über den Weihnachtsmann: Markus Kojo, der Sohn des Hauses, wird im Laufe des Nachmittags unerwartet an die Tür klopfen und dann die Feiertage in der Heimat verbringen. „Für meine Eltern und meine beiden Schwestern ist das eine riesige Überraschung“, frohlockt der 27-jährige Verteidiger der Bietigheim Steelers. Am Freitagmorgen steigt er mit seiner Freundin Julia in Frankfurt in den Flieger und düst nach Helsinki, wo ein Freund das Paar abholt. Von dort geht’s dann mit dem Auto in knapp drei Stunden ins 240 Kilometer entfernte Pori an die Westküste.

Eine glückliche Fügung hat den dreitägigen Überraschungsbesuch erst möglich gemacht. Denn eigentlich hätte Kojo mit den Steelers am zweiten Weihnachtsfeiertag beim ERC Ingolstadt um Punkte für den Klassenerhalt gekämpft und wäre darum über die Festtage im Schwabenland geblieben. Doch auf Wunsch der Oberbayern wurde die Partie kurzfristig auf den 30. Januar verlegt. So können die SCB-Profis das komplette Fest im Kreis ihrer Lieben verbringen, statt, wie sonst üblich, unmittelbar nach der Völlerei bei einem Weihnachtsspiel antreten zu müssen. Das nächste Training hat Coach Daniel Naud erst für den Montagabend angesetzt, am Dienstag folgt das Duell in Düsseldorf. Dann ist auch Kojo wieder dabei – sein Rückflug nach Deutschland ist auf Sonntagabend terminiert.

Kein Eishockey mit den Kumpels

Auf eine liebgewordene Tradition muss Kojo in diesem Jahr daheim allerdings verzichten. Als er noch praktisch ums Eck für den Erstligisten Porin Ässät spielte, traf er sich am Morgen des 24. Dezember stets mit seinen Kumpels zum Schlittschuhlaufen und Eishockey unter freiem Himmel. Nicht nur beim Sport wird’s den nordischen Männern bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad warm. Vor Ort wird meist schon ein erstes Glas des finnischen Glühweins, „Glögi“ genannt, getrunken. Und anschließend geht’s zum Schwitzen in die Sauna. „Bei uns in Finnland ist Saunieren auch an Weihnachten ein fester Brauch“, sagt Kojo. „Die Mitternachtssauna werde ich also nicht verpassen.“

"Joulukinkku“ als abendliches Festmahl

Zunächst steht am Abend aber das Festmahl an – und da speziell der über die Landesgrenzen hinaus bekannte Weihnachtsschinken „Joulukinkku“. Das gepökelte Schweinehinterteil – manche Exemplare wiegen mit Knochen und Schwarte mehr als zehn Kilo – wird stundenlang im Ofen gegart und dann über die Feiertage verzehrt, oft mit einer leckeren Honig-Senfsoße. Zu typischen Beilagen gehören die Rüben- und Karottenaufläufe „Lanttulaatikko“ und „Porkkanalaatikko“ sowie Kartoffeln. Als Vorspeise gibt‘s Salate und Fisch in allen Variationen. „Zu viel essen und ,Glögi’ trinken kann ich mir aber nicht erlauben. Schließlich spielen wir am Dienstag wieder – und da will ich in Form sein“, sagt Kojo und schmunzelt. Die vergangenen beiden Partien gegen München und Nürnberg hat er verpasst, nachdem er im Heimspiel gegen Bremerhaven vor einer Woche wegen eines Schlags ans Kinn ausgeschieden war.

Durch den Überraschungsbesuch seines Teamkollegen in der Heimat hat nun aber Sami Aittokallio ein Problem. Ursprünglich war geplant, dass Kojo Heiligabend mit der Familie des Torhüters verbringt. Der Verteidiger sollte dabei verkleidet in die Rolle des Weihnachtsmanns „Joulupukki“ schlüpfen und so vor allem Aittokallios fast zweijährige Tochter Minea erfreuen. „Das wird jetzt wohl mein Vater machen müssen“, sagt der 29-jährige Steelers-Star.

Eltern und Schwester kommen aus Tampere

Über Weihnachten beherbergt er in Sersheim nun ausschließlich die Familie: Vor einer Woche sind die Eltern und seine Schwester aus Skandinavien angereist – sie bleiben bis kurz vor dem Jahreswechsel. „Zeit mit der Familie zu verbringen, ist für mich das Schönste an Weihnachten. Während der Saison sehe ich sie ja leider nicht so oft“, sagt Aittokallio. „Seit mindestens zehn Jahren habe ich das Fest nicht mehr zu Hause in Tampere verbracht.“

Saunagang in der EgeTrans-Arena

Schon seit ein paar Tagen steht der mit Lichterkette, Kugeln und einem roten Herz dekorierte Christbaum im Wohnzimmer. Heiligabend beginnt für die Familie mit einem Weihnachts-Frühstück, bei dem der Haferbrei „Puuro“ mit Obst serviert wird. Bei einem Spaziergang geht’s vormittags raus an die frische Luft, ehe auch bei den Aittokallios finnische Weihnachten eingeläutet werden: Sauniert wird in der Bietigheimer EgeTrans-Arena, wo den Sportlern in den Katakomben eine Sauna zur Verfügung steht. Und wie bei den Kojos – und angeblich 90 Prozent aller Finnen – gibt’s auch in Sersheim die traditionelle Schinken-Delikatesse. Sami Aittokallio und seine Frau Laura bereiten den Braten gemeinsam zu – und der Goalie weiß auch ganz genau, worauf es dabei ankommt: „Ganz wichtig ist es, den Schinken sehr langsam zu garen, damit er schön saftig bleibt und nicht trocken wird.“

Zweites Kind kommt im Januar

Der finnischer „Glögi“ aus schwarzem Johannisbeersaft, Rotwein, finnischem Wodka, Zimt, Nelken, Kardamom, Mandeln, Rosinen und Zucker wird in Sersheim allerdings durch eine alkoholfreie Variante ersetzt. Denn zum einen trinkt der Torhüter ohnehin nur selten Hochprozentiges. Und zum anderen ist Ehefrau Laura schwanger und darum ebenfalls abstinent – Ende Januar kommt das zweite Kind, quasi als nachweihnachtliches Familiengeschenk. „Es wird ein Junge“, verrät Sami Aittokallio.

Auf wechselseitige Geschenke will die Familie verzichten. Nur Töchterlein Minea ist die Ausnahme und wird fleißig beschert werden – nur eben nicht von Mitspieler Markus Kojo, der da im entfernten Pori schon längst als weihnachtlicher Überraschungsgast die Familie mit seiner Anwesenheit beglückt.

 
 
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