Weihnachtsspektakel Schüler kritisieren Konsumverhalten

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Die Schüler und Lehrer des Bönnigheimer Alfred-Amann-Gymnasiums verbreiteten am Freitagabend Weihnachtsstimmung und schafften gleichzeitig den Spagat das Konsumverhalten zu hinterfragen. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Das Alfred-Amann-Gymnasium zählte weit mehr als 800 Besucher bei ihrem Weihnachtsspektakel. Dabei betrachteten die AAGler den Konsum zur Weihnachtszeit durchaus kritisch.

In der Schülersprache formuliert, war es einfach ein „geiles Event“, was am Freitagabend als Weihnachtsspektakel im zehnten Jahr am Alfred-Amann-Gymnasium (AAG) veranstaltet wurde. 24 Klassen richteten den Fokus nicht auf Kommerz, sondern auf Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein. Richtlinien, die nach Informationen des stellvertretenden Rektors Sven Schmitt, schon im Leitbild der Schule formuliert sind.

Von Stand zu Stand

Begrüßungsengel und Schülersprecher Silas Friedrich Rommler, als Nikolaus verkleidet, wiesen Besuchern den Weg zu allerlei Köstlichkeiten, Aktionen und Darbietungen im AAG. Beim Weihnachtsspektakel mutete das AAG eher wie ein großes, bewohntes Haus als eine Schule an. Geschwister, Eltern, Großeltern, Verwandte und Freunde schlenderten neugierig von Stand zu Stand und von Klassenzimmer zu Klassenzimmer. Das Weihnachtsspektakel ist nicht der einzige Freitagabend im Jahr, an dem sich die AAGler öffentlichkeitswirksam für ihre Schule engagieren.

Süßkartoffel-Pommes, Seife, Weihnachtskarten, Pulled-Pork-
Burger der Neuntklässler, regionale Brötchen mit Putenwürstchen zur Aufbesserung des Schullandheim-Budgets der Sechsklässler, Schokofrüchte, Winterblüten, asiatische Winterrollen, Chili con oder si Carne und Früchtepunsch – in Sachen Nahrungsmittelangebot hatten die Pennäler einiges zu bieten. In den Räumen liefen Mal- und Bastelaktionen sowie Naturkosmetik- und Textilherstellungen, während sich im Foyer das Glücksrad drehte. Die schuleigene Big-Band unter der Leitung des Musiklehrers Robert Giegling spielte nicht nur Weihnachtsklassikern, sondern auch eine gehörige Portion Jazz à la Leroy Andersons „Sleigh Ride“. So schafften die AAGler den Spagat zwischen Weihnachtsstimmung und Kritik an der konsumstärksten Zeit des Jahres.

Bei der Klasse 6a suchte das Rentier Ralf-Rüdiger in einem konsumkritischen Theaterstück Weihnachten, das „Fest des Friedens, der Freunde und der Liebe“. „Nass wie Torfmoos“ von der Suche in der vor Weihnachtsangeboten nur so glitzernden Wolkenkratzerstadt bekam er warme Suppe von dem bezaubernden Rentiermädchen Regina. „Weihnachten ist teuer, das muss man sich erst einmal leisten können“, erzählte Ralf-Rudolf vom Schokoladenladen, wo der Verkäufer Trüffel für 1200 Euro wieder zurück in die Regale stellen musste. Rudolf konnte die Trüffel vom Geschmack her nicht unterscheiden und wollte deshalb alle kaufen, hatte aber kein Geld. Seine Suche nach Weihnachten verlief also „gar nicht friedlich, gar nicht freundlich und gar nicht liebevoll“. Am Ende fand er Weihnachten unter selbst gestrickten Pullis in Reginas Hütte.

„Zahl‘, was es dir wert ist“, lautete das Motto des Nachhaltigkeitsprojekts im AAG unter der Federführung von Christina Donati und Anne-Kathrin Späth. Feilgeboten wurde beispielsweise Schmuck aus Eicheln und Murmeln und es ratterte die Nähmaschine bei der Herstellung von Haarbändern aus Stoffresten. Für die Times-School, ihre Partnerschule in Kathmandu/Nepal verkauften die AAGler Massala-Tee. Mädchen stellten Hautpeelings, Deos und Abschminkwasser aus Naturprodukten her. Aufgebaut hat sich der Kontakt zu den Nepalesen mit Spenden nach dem Erdbeben und seitdem schreiben sich die Schüler regelmäßig.

Spenden für Technik-AG

„Man staunt, wie viele Kräfte mobilisiert wurden“, freute sich Christian Efler, Pressereferent des AAG, über die Beteiligung aller Klassen. Erstaunlich war die von der Schülerschaft in einem demokratischen Prozess mit der Schülermitverantwortung (SMV) ausgeklügelte Verteilung der Erlöse aus dem Weihnachtsspektakel. Bei Gewinnen zwischen 50 und 100 Euro aus den Ständen und Aktionen gehen zehn Prozent an die SMV und ab 100 Euro 20 Prozent. Von diesem SMV-Geld wiederum bekommen die humanitäre Hilfsorganisation Kinderberg International und die bei Veranstaltungen so zuverlässige Technik-AG um Felix Weiß, Silas Böhler und Simon Eckert jeweils 20 Prozent. 20 Euro Kaution pro Klasse wurde erst zurückerstattet, als der Wirkungsort beim Weihnachtsspektakel wieder so sauber war wie vorher.

 
 
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