Es ist erst Mitte August, und schon sieht man in den Weinbergen die ersten Lesetrupps. Über dem Neckartal bei Hessigheim schneiden Tanja Heinrich-Müller und ihre Lese-Mannschaft Trauben von der Sorte Sauvignon Blanc, um sie bei der genossenschaftlichen Felsengartenkellerei abzuliefern. Vier bis fünf Tage früher als im vergangenen Jahr erreichen die Trauben die notwendige Reife, um geerntet zu werden, erläutert Sebastian Häusser, Betriebsleiter und Önologe der Kellerei. Schuld ist die anhaltende Hitze in diesem Sommer.
Wein im Landkreis Ludwigsburg Die Erwartungen an den Jahrgang 2026 sind hoch
In den Weinbergen des Landkreises Ludwigsburg hat die Weinlese begonnen. Es wird ein sehr guter Jahrgang 2026 erwartet.
Trauben reifen „phänomenal“
Die Erwartungen bei Häusser und seinen Kollegen und Kolleginnen in der Region an den neuen Jahrgang sind hoch. Die Trauben reifen „phänomenal“, sagt Dietrich Rembold, Präsident des Württemberger Weinbauverbandes und zugleich Vorstandschef der Lauffener Weingärtner. „In den Weinbergen hängen vernünftige Qualitäten.“ Weder Frost im Frühjahr noch Hagel in der Gewitter-Saison haben die Trauben bisher schädigen können. Von Fäulnis keine Spur.
Dennoch gibt es Einschränkungen, die ebenfalls der Hitze geschuldet sind. Die Weingärtner Stromberg-Zabergäu in Brackenheim erwarten einen Jahrgang „mit großer Spreizung“, macht Vorstandschef Jürgen Conz deutlich. Ältere Rebanlagen mit tiefgründigen Wurzeln haben den Wassermangel relativ gut überstanden. In trockenen Lagen dagegen müssen die Wengerter mit geringeren Erträgen rechnen. Insbesondere junge Rebanlagen, deren Wurzeln noch nicht sehr tief reichen, mussten bewässert werden.
Hauptlese: Beginn in zwei Wochen
Der Rückgang an Erntemenge ist dann auch für Sebastian Häusser der einzige Wermutstropfen in diesem Weinjahr. Aktuell werden noch die Trauben für die Sekt-Grundweine gelesen, dazu zählt der Schwarzriesling. Schon in zwei Wochen beginnt bei der Felsengartenkellerei die Hauptlese, auch das ist außergewöhnlich früh. Denselben Termin hat sich die Genossenschaft in Brackenheim für den Lesebeginn gesetzt. Der Klimawandel macht sich deutlich bemerkbar: Immer weiter hat sich der Lesebeginn in den vergangenen Jahren von etwa Mitte September nach vorne geschoben.
Vielen Wengertern ist noch das Jahr 2003 im Gedächtnis, als es über lange Wochen ähnlich heiß und trocken war wie in diesem Jahr. Damals wurden jedoch längst nicht alle Hoffnungen auf einen herausragenden Jahrgang erfüllt. Doch die Branche habe hinzugelernt, betonen die Wengerter, nicht zuletzt, weil es seitdem mehrere heiße und trockene Jahre gegeben hat. Pro Hektar werde deutlich weniger Wein als früher erzeugt, erläutert Häusser, das stärkt die einzelne Rebe. Jürgen Conz ist sich sicher: „Wir werden gute Qualitäten in die Flasche bekommen.“
Michael Soltys
