Als Martin Fischer, Vorstandschef der Felsengartenkellerei, und Önologe Sebastian Häußer Anfang der Woche die Weinberge rund um Hessigheim begutachteten, hatten sie allen Grund zur Freude: Die Trauben sind in einem hervorragenden Zustand. „Wir erwarten einen Spitzenjahrgang“, sagte Häußer im Anschluss im Gespräch mit der BZ. Frost im späten Frühjahr wie im vergangenen Jahr, Pilzkrankheiten, Hagelschlag, alles, was die Entwicklung der Reben behindern konnte, das ist in diesem Jahr ausgeblieben oder konnte bekämpft werden.
Weinernte Bönnigheim/Besigheim Beste Aussichten auf einen Spitzenjahrgang
Die Trauben haben sich hervorragend entwickelt. Doch noch ist der Jahrgang nicht im Keller, die nächsten Wochen bergen Risiken.
Weingärtner sind zuversichtlich
In den Weinbergen rund um Bönnigheim und Brackenheim ist das Bild ganz ähnlich. Önologe Thomas Eberbach von den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu ist in gleichem Maße zuversichtlich wie sein Berufskollege in Hessigheim: „Der Gesundheitszustand der Trauben ist aktuell sehr gut“, sagte er.
Die anhaltenden Regenfälle im Juli und die folgende Hitze konnten den Trauben nicht schaden. Ganz im Gegenteil. Die heftigen Niederschläge fielen zu einem Zeitpunkt, als sich die Trauben bereits zu entwickeln begannen, erläuterte Eberbach. In der Hitzephase profitierten die Reben dann von einer guten Wasserversorgung.
In der Regenphase waren die Reben zwar empfindlich für Pilzkrankheiten. Doch die Wengerter konnten den Pflanzenschutz gezielt einsetzen und rechtzeitig spritzen, sagte Eberbach. Nur vereinzelt sorgte der Hagel für angeschlagene Trauben.
Jetzt beginnt die Reifephase
Beiden Önologen ist jedoch klar, dass sich die Aussichten auf eine gute Ernte noch grundlegend ändern können. „Die nächsten sechs Wochen bestimmen Menge und Qualität“, sagte Häußer. Jetzt beginnt die eigentliche Reifephase. Wünschenswert wären warme Tage und kühle Nächte, „das regt den Rebstock an, Aromen einzulagern.“ Ein wenig Regen schadet dabei nichts. Doch sollten jetzt anhaltende Niederschläge einsetzen, droht Fäulnis. Häußer gibt vorerst Entwarnung. Für die kommenden beiden Wochen ist das laut Wettervorhersage nicht der Fall. Und wenn doch, würde das die Lese komplizieren: „Wir wären gezwungen, früher zu ernten.“
Erste Lese hat begonnen
Die ersten Trauben haben Wengerter im Neckartal an diesem Dienstag gelesen. Sie werden für die Sekte der Felsengartenkellerei verwendet. Mit dem Beginn der eigentlichen Lese rechnet Häußer in etwa drei Wochen. Bei der WG Stromberg-Zabergäu plant man ebenfalls für die zweite Septemberwoche mit dem Lesebeginn. Doch so genau lässt sich das nicht bestimmen, macht Eberbach deutlich. Es hängt von den Unwägbarkeiten der Witterung ab.
