Welche Sparanlage ist die beste? Das Risiko möglichst breit streuen

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Sofern Gelder kurzfristig benötigt werden, macht ein „Parken“ auf dem Geldmarktkonto oder einem Sparkonto noch Sinn. Foto: Daniel Karmann

Sparen hat im Landkreis einen hohen Stellenwert, doch was ist die richtige Strategie? Sparen bleibt wichtig, doch einen Pauschaltipp gibt es nicht.

Die Region Stuttgart mit seinen fünf Landkreisen und dem Stadtkreis Stuttgart liegt laut einer Studie der Böckler Stiftung von 2019 beim verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen pro Jahr mit 24 713 Euro deutlich über dem Schnitt des Landes mit 23 947 Euro sowie des Bundes, hier sind es 21 952 Euro. Den Spitzenplatz in der Region hat dabei der Kreis Ludwigsburg mit 25 231 Euro.

Unter einem verfügbaren Einkommen versteht man alle Einkünfte abzüglich Steuern und Sozialabgaben. Erfasst sind nicht nur Löhne und Gehälter, sondern auch Renten und staatliche Transfers wie etwa Hartz IV und Wohngeld sowie Zinseinkünfte oder Erlöse aus Vermietung und Verpachtung.

Weitere Eckdaten kommen vom Statistischen Landesamt. Demnach wurde in Baden-Württemberg zum 31. Dezember 2018 Geldvermögensbestände in Höhe von 63 240 Euro je Einwohner ermittelt, das sind rund 22 Prozent mehr als in Deutschland insgesamt (51 830 Euro je Einwohner). Zum Geldvermögen zählen unter anderem Bargeld, Spareinlagen, Bauspareinlagen, Termingelder und Aktien.

Die vier zur Region Stuttgart gehörenden Landkreise Ludwigsburg (69 400 Euro), Böblingen (69 100 Euro), Esslingen (68 300 Euro) und Rems-Murr (67 200 Euro) sowie der Enzkreis (68 800 Euro) verfügen dabei über besonders hohe Vermögen.

Sparen und die Anlage von Geldvermögen hat einen hohen Stellenwert im Landkreis, doch was ist die richtige Strategie? Das Sparbuch ohne Zinsen, der Kauf von Goldbarren, soll man sich in das Abenteuer Aktien stürzen oder in eine Immobilie investieren? Die BZ hat bei der VR-Bank Neckar-Enz eG und der Kreissparkasse Ludwigsburg (KSK) unter anderem nachgefragt, wie sich der Geldmarkt für Sparer im neuen Jahr entwickelt.

Demnach wird das Niedrigzinsniveau anhalten und erfordere auch 2021 ein Umdenken bei den Geldanlagen, so die Kreissparkasse Ludwigsburg. Es seien zu den in der Vergangenheit bekannten Geldanlagen in Spar- und Geldmarktkonten Anlagealternativen gefragt, mit denen Kunden entsprechende Erträge erzielen könnten. Auch bei der VR-Bank Neckar-Enz eG sieht man keine Veränderungen beim Zinsumfeld. Unisono wird deshalb für die Entwicklung einer Anlagestrategie auf die Möglichkeiten zur persönlichen Beratung hingewiesen.

Ein Blick auf einzelne Spar- und Anlageformen.

Noch Geld auf das Sparbuch? Auch in Zeiten von Null- und Niedrigzins bleibe das Sparen wichtig, so Theresa Duro von der VR-Bank. Regelmäßig einen Geldbetrag auf die Seite zu legen sei im Hinblick auf persönliche gesetzte Ziele, etwa für die eigenen vier Wände und größere Anschaffungen ein unverzichtbarer Bestandteil. Gerade der jungen Generation, die Zinsen in der früheren Form nicht mehr kennt, sei es wichtig, diesen Wert zu vermitteln.

Sofern Gelder kurzfristig benötigt werden, mache ein „Parken“ auf dem Geldmarktkonto oder einem Sparkonto noch Sinn, so Martin Lober von der Kreissparkasse Ludwigsburg. Unter Renditegesichtspunkten seien aufgrund des vorherrschenden Niedrigzinsniveaus jedoch Anlagealternativen zu prüfen.

Sind Aktien eine Alternative?

Je nach Bedarf des Kunden, so die VR-Bank, brauche es unterschiedliche Alternativen. Deshalb gibt es hierfür keine Pauschalantwort. Im Grundsatz gelte, die Vermögenswerte auf unterschiedliche Anlagen aufzuteilen, um so das Risiko möglichst breit zu streuen. Zu einem gut aufgestellten Portfolio zählen demnach nicht nur Aktien, sondern immer auch weitere Anlagen wie Fonds, Immobilienwerte, Edelmetalle sowie klassische Anlageformen.

Wer eine renditestarke Anlage sucht, kommt an Aktien nicht mehr vorbei, heißt es bei der Kreissparkasse. Dass dabei jedoch keine risikolosen Gewinne erzielt werden können, verdeutlicht die Kursentwicklung im Frühjahr 2020 zu Beginn der Pandemie. Da am Aktienmarkt stets die Zukunft gehandelt wird, erholten sich im zweiten Halbjahr viele Werte und eroberten neue Höchstkurse. Aber auch mit Blick nach vorne könne man für Aktien sehr optimistisch bleiben, wenn man sich für die richtigen Anlage-Ideen und Branchen entscheidet. Im Moment dominieren Aktien aus den Bereichen Industrie 4.0, Mobilität der Zukunft, Gesundheit und Nachhaltigkeit. Wer sich daran orientiere, sei im Moment gut beraten. In vielen Titeln stecke noch sehr viel Aufholpotenzial. Die erfolgversprechendste Strategie bestehe immer darin, eine ausgewogene Mischung unterschiedlicher Anlagestrategien zu finden, denn die breite Streuung sei der beste Nährboden für den langfristigen Anlageerfolg.

Was ist bei einer Goldanlage zu beachten?

Aufgrund seiner Wertbeständigkeit in Krisenzeiten ist Gold eine sinnvolle Beimischung eines gut ausbalancierten Portfolios. Der Anlagehorizont sollte bei Gold immer langfristig ausgelegt sein, so Theresa Duro.

Gold ist und bleibe eine gute Anlagealternative, so Martin Lober. Insbesondere als Beimischung in einem ausgewogenen Vermögensportfolio empfehlen Experten Gold. Gold unterliege jedoch Wertschwankungen und sollte daher mit einem langfristigen Anlagehorizont betrachtet werden. Neben der Möglichkeit, physisch Gold erwerben zu können, biete die Kreissparkasse mit einem Sparkassen-Anlagegoldkonto die Möglichkeit, mit kleineren monatlichen Sparraten oder durch Einmalkäufe in Gold investieren zu können, weist Lober auf eine Sparform hin. Der Vorteil hierbei sei, dass das Gold nicht selbst durch den Kunden aufbewahrt werden müsse.

Ist die langfristige Geldanlage in Immobilien der richtige Schritt?

Im Grundsatz gelte laut VR-Bank für Immobilien dasselbe wie für die Anlage in Edelmetalle. Als Beimischung können Immobilien einen sinnvollen Anlagebestandteil darstellen. Um das Risiko auch hier möglichst breit zu streuen, könne auf professionell gemanagte Immobilienfonds zurückgegriffen werden.

Wohnen sei natürlich immer ein Thema – generell seien Prognosen derzeit jedoch mit vielen Unsicherheiten behaftet, schränkt die Kreissparkasse das Anlagethema etwas ein. Dennoch würden die aktuellen Rahmenbedingungen erwarten lassen, dass die Preise von Wohnimmobilien nicht substanziell nachgeben werden. Wohneigentum bleibe aufgrund der niedrigen Zinsen weiter erschwinglich und sei auch als Kapitalanlage weiter gefragt. Die Nachfrage in der Region ist weiter hoch und das Angebot knapp. Welche ökonomischen Folgen die zweite Corona-Welle und die daraus resultierenden Lockdown-Maßnahmen mit sich bringen, bleibe jedoch abzuwarten. Wer sein Wunschobjekt allerdings solide finanzieren könne, für den gibt es keinen Grund, mit dem Immobilienkauf zu warten, so die Kreissparkasse Ludwigsburg.

Sparen lohnt sich weiter, so das Fazit von Theresa Duro. Auch im Niedrigzinsumfeld würde es sinnvolle und attraktive Anlagemöglichkeiten geben. „Einen Pauschaltipp gibt es in diesem schwierigen Umfeld allerdings nicht“.

 
 
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