Wettbewerb Drei Architekturpreise für Bietigheim-Bissingen

Von Julius Schietinger
Die Außenansicht der Firmenzentrale Reko – eines der drei Projekte aus Bietigheim-Bissingen, das mit einer Auszeichnung für beispielhaftes Bauen im Landkreis Ludwigsburg 2019 bis 2025 von der Jury gewürdigt wurde. Foto: Landratsamt Ludwigsburg/Markus Guhl

Drei Bauprojekte aus Bietigheim-Bissingen sind beim Wettbewerb „Beispielhaftes Bauen 2019–2025“ ausgezeichnet worden.

Drei Bauprojekte aus Bietigheim-Bissingen sind im Verfahren „Beispielhaftes Bauen 2019–2025“ ausgezeichnet worden. Damit zählt die Stadt zu den großen Gewinnern des Architekturpreises, den die Architektenkammer Baden-Württemberg und das Landratsamt Ludwigsburg vergeben. Aus insgesamt 93 eingereichten Arbeiten wählte eine siebenköpfige Jury 21 Projekte aus, die beispielhaft für die Baukultur im Landkreis stehen. Es ist bereits das sechste Verfahren dieser Art seit 1989. Zwei Tage lang besuchte die Jury die engere Auswahl vor Ort, bevor sie sich für die 21 Gewinnerprojekte entschied.

„Es zeigt, dass gute Architektur nicht unbedingt von mehr Platz oder mehr Geld lebt, sondern von guten Ideen, vom Austausch… und manchmal auch von Mut“, sagte Bettina Beck, Dezernentin im Landratsamt, bei einem Pressegespräch. Weiter erklärte sie, dass gute Architektur so wertvoll sei, weil sie Antworten gebe, wo einfache Lösungen fehlen würden. Genau diese Kreativität wolle man mit den Auszeichnungen würdigen, so Beck.

Umbau eines Industriedenkmals

Besonders beeindruckt zeigte sich die Jury von einer Sanierung im ehemaligen Fabrikareal Elbe an der Austraße 129. Die Reko Holding GmbH ließ das Industriedenkmal zum modernen Firmensitz umbauen. Ein eingeschossiger Glasbau ergänzt das historische Ensemble. Herzstück ist die frühere Brennhalle, die als großzügiger Arbeitsraum mit Galerie und Besprechungszonen erhalten blieb.

Transparenz, Materialehrlichkeit und eine nachhaltige Ausstattung mit Photovoltaik würden das Denkmal in die Gegenwart führen. „Hier zeigt sich beispielhaft, wie industrielle Baukultur über 130 Jahre hinweg neu belebt werden kann“, erläuterte die Jury in ihrem Urteil.

Gleich nebenan, an der Austraße 131, überzeugte die Umnutzung weiterer Fabrikgebäude. Dort entstanden Büros, Wohnungen und eine Zahnarztpraxis. Das „Raum-im-Raum“-Konzept sorgt für Ruhe und Transparenz. Die Jury lobte die Detailarbeit. Das alte Zuggebäude hat eine neue Nutzung bekommen, „da gehe man sogar gern zum Zahnarzt“, sagte Axel Mayer, Sprecher der Jury, mit einem Augenzwinkern.

Kita und Wohnen kombiniert

Als drittes Projekt in Bietigheim-Bissingen wurde die Kindertagesstätte „Memory“ in der Gerokstraße ausgezeichnet. Sie verbindet eine Kita mit gefördertem Wohnraum auf dem Dach. Im Inneren sorgt eine offene Mitte für flexible Pädagogik. Kindgerechte Materialien und Spielterrassen ergänzen das Konzept. „So entsteht ein Ort, der Kindern, Eltern und dem Quartier gleichermaßen zugutekommt“, betonte die Jury.

Baukultur im Alltag

Es sei außerdem besonders herausfordernd gewesen, die unterschiedlichen Nutzungen auf dem engen Grundstück unterzubringen – ein Umstand, den die Jury ausdrücklich würdigte. Architektin Nora Schöffel betonte, dass gerade Projekte wie diese zeigten, wie Baukultur allen zugutekomme: „Baukultur geht uns alle an und wir alle profitieren von der auf uns wirkenden gebauten Umwelt.“

Die Auszeichnungen spiegeln einen klaren Trend: weniger Einfamilienhäuser, mehr Umbauten im Bestand und mehr öffentliche Bauten wie Kitas, Schulen und Freizeiteinrichtungen. „Super finde ich, dass wir viele Gebäude für die junge Generation dabei haben“, sagte Architektin Nora Schöffel. Insgesamt zeigten die Preisträger, dass Baukultur nicht in spektakulären Großprojekten liege, sondern im Alltag der Menschen.

„Unser Ziel ist es, die beispielhafte Architektur in konkretem Lebenszusammenhang aufzuspüren“, sagte Petra Knobloch von der Architektenkammer. Die ausgezeichneten Projekte werden am 10. Februar 2026 offiziell gewürdigt und anschließend in einer Ausstellung, Broschüre und der App „Architekturführer Baden-Württemberg“ präsentiert.

 
 
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