Wildkatzenkorridor in Freudental Erster Trittstein für Wildkatzen

Von Uwe Deecke
Beim Spatenstich für den neuen Wildkatzen-Korridor (von links): Sabine Weiler vim BUND, Bürgermeister Alexander Fleig, die BUND-Landesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch und  Christian Sußner vom Landratsamt Foto: Oliver Bürkle

An der Pforzheimer Straße wurde der erste Trittstein für Wildkatzen in Nordwürttemberg gepflanzt, der den Tieren eine Verbreitung nach Osten hin erleichtern soll.

Ein neuer Schutzstreifen bei Freudental bietet Wildkatzen und anderen Tierarten wie Vögeln, Rehen oder Laufkäfern eine Verbindung zwischen möglichen Lebensräumen. Er liegt am westlichen Rand des neuen Korridors am Rand des Strombergs, der schon seit vielen Jahren als Wildkatzen-Standort bekannt ist. Am Samstag wurde dort an der Pforzheimer Straße mit Büschen und Sträuchern ein fünf Meter breiter und 125 Meter langer Gehölzstreifen naturnah bepflanzt.

Freudentals Bürgermeister Alexander Fleig begrüßte dazu auch Christian Sußner als Stellvertreter des Landrats und Schirmherrns Dietmar Allgaier sowie die Landesvorsitzende des BUND, Sylvia Pilarsky-Grosch. „Flächenversiegelung, Zerschneidung der Wälder durch Straßen, sich ausdehnende Wohn- und Gewerbegebiete und Äcker sind ernste Gefahren für die Wildkatzen“, so die Vorsitzende. „Die Gehölze, die wir heute gemeinsam gepflanzt haben, bieten scheuen Wildkatzen Verstecke und Schutz.“

Ein erster Schritt zur Vernetzung

Es ist für den BUND ein erster Schritt, der am Samstag in Freudental zur Vernetzung zwischen dem Naturraum Stromberg-Heuchelberg und dem Schwäbisch-Fränkischen Wald geschaffen wurde. „Wir haben den Korridor 2014 aus der Taufe gehoben“, erklärte Andrea Lehning, Marbacher Wildkatzenexpertin beim BUND Baden-Württemberg. Und es sei kein einfacher Übergang vom Stromberg zum Schwäbisch-Fränkischen Wald. Die Tiere waren hier ausgerottet und hatten in Frankreich überlebt. Von dort aus kehren sie nun nach Baden-Württemberg zurück. Das gehe über die Rheinauen in den Schwarzwald und auch in den Stromberg, wo Wildkatzen bereits bekannt sind, aber noch das Ergebnis des Monitorings ausstehe, so Lehning.

Man sei sehr zuversichtlich, dass es hier Tiere gebe, die nun den Weg Richtung Bietigheim, dann in Richtung Großbottwar und Oberstenfeld finden sollen. „Seit 2011 gibt es Sichtungen“, erklärte die Expertin, die bereits mit vielen Bürgermeistern an der Strecke Gespräche geführt hat, wie man für die Tiere an der verkehrsreichen und waldarmen Strecke sichere Übergänge schaffen könnte. Erst in Bayern und Thüringen gebe es wieder Populationen, im Osten Baden-Württembergs seien noch keine Tiere nachgewiesen.

Genau diesen Übergang möchte der BUND schaffen. Und im kleinen Freudental ergab sich die Chance zum ersten Schritt. Hier setzen sich seit Jahren Ehrenamtliche des Arbeitskreises Energie und Nachhaltigkeit für den Artenschutz ein. Das richtige Grundstück ergab sich eher zufällig: Ein Winzer wollte einen Weinberg an der Landesstraße stilllegen und auffüllen. Die Kommune forderte eine Ausgleichsmaßnahme, die am Samstag begonnen wurde.

Hier sollen die Tiere Schutz an der Landesstraße finden, bevor sie sie kreuzen und in Richtung Kammgarnspinnerei weiter wandern. Dort könnten sie auch schwimmend die Enz überqueren, so Lehning, bevor es an der Felsengartenkellerei und übers Hessigheimer Wehr über den Neckar gehen könne. Wege über die Autobahn zum Schwäbisch-Fränkischen Wald hätten die Tiere im Pfahlhofwald  und am Kälbling, dem ersten Waldgebiet im Osten der A 81. Der Korridor ist nach Herrenberg die zweite Strecke des BUND, die dieses Mal zusammen mit Forstverwaltung und Landschaftserhaltungsverband geplant wurde.

Die Gemeinde habe dem Vorhaben des Winzers unter der Bedingung zugestimmt, dass die Heckenbepflanzung wieder komme, so Fleig. Sie besteht nun aus regionalen Pflanzen, die am Samstag in den Boden kamen, wo sie den Tieren zukünftig Unterschlupf und Schutz bieten sollen.

 
 
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