Wie sieht eigentlich die Pfote einer Wildkatze aus? Wo versteckt sich die scheue Jägerin tagsüber? Diesen Fragen gingen an zwei Sommertagen im Juli und August zahlreiche Familien auf den Grund – beim großen Wildkatzenprojekttag, zu dem das Naturparkzentrum Stromberg in das Wildparadies Tripsdrill geladen hatte. Die BZ war am gestrigen Sonntag dabei.
Wildparadies Tripsdrill Wilden Samtpfoten auf der Spur
Der Projekttag im Wildparadies Tripsdrill lockte am Sonntag zahlreiche Familien an und schärfte den Blick für die heimische Tierwelt.
Gipsabdrücke selbst anfertigen
Das Interesse war überwältigend. Vor allem die jüngsten Naturforscher kamen voll auf ihre Kosten, als sie Gipsabdrücke von Wildkatzentatzen anfertigten. Mit Eifer und Geduld schufen sie ein greifbares Andenken an ein Tier, das man nur selten zu Gesicht bekommt. Ein spannendes Quiz rundete den Tag ab und vermittelte spielerisch Wissen.
Doch warum ist das Engagement für die Wildkatze gerade im Stromberg so wichtig? Der Wald zwischen Pforzheim und Heilbronn ist eines der Kerngebiete für die Wildkatze in Baden-Württemberg. Nachdem sie hier lange als ausgerottet galt, ist sie in den letzten Jahrzehnten leise zurückgekehrt. Die ausgedehnten, strukturreichen Laub- und Mischwälder des Strombergs bieten ihr ideale Bedingungen: Totholzhaufen, alte Baumhöhlen und dichte Hecken dienen als Verstecke und zur Aufzucht der Jungen.
Die größte Gefahr für die scheuen Tiere ist heute die Zerschneidung ihres Lebensraums. Straßen werden für die Tiere zu unüberwindbaren Barrieren und oft zur Todesfalle. Um die Populationen genetisch gesund zu erhalten, müssen Wildkatzen jedoch wandern können, so die Naturparkführer im Gespräch.
Genau hier setzen Naturschützer an: Mit sogenannten „Grünen Korridoren“ wird versucht, die Waldgebiete des Strombergs mit anderen Lebensräumen wie dem Heuchelberg oder dem Schwarzwald zu vernetzen. Der Stromberg fungiert dabei als überlebenswichtiger Trittstein in einem landesweiten Biotopverbund.
Viele Besucher stellten die Frage, wie man die scheue Waldbewohnerin von einer getigerten Hauskatze unterscheiden kann. Die Experten des Naturparkzentrums erklärten die Merkmale: Das sicherste Unterscheidungsmerkmal ist der buschige und dicke Schwanz, der eine stumpfe, schwarze Spitze sowie zwei bis drei klar abgegrenzte, schwarze Ringe aufweist. Zudem ist das Fell der Wildkatze in einem verwaschenen Graubraun-Ton gehalten, dessen Zeichnung weniger kontrastreich ist als bei den meisten Hauskatzen. Ein weiteres wichtiges Detail ist der durchgehende, dunkle Strich auf dem Rücken, der sogenannte Aalstrich, welcher stets vor dem Schwanz endet und nicht in diesen übergeht.
Eine zusätzliche, unsichtbare Gefahr für die Art ist jedoch die Hybridisierung: Wenn sich Wildkatzen mit verwilderten oder freilaufenden, unkastrierten Hauskatzen paaren, entstehen Nachkommen, sogenannte „Blendlinge“. Diese Vermischung bedroht auf lange Sicht die genetische Eigenständigkeit der Wildkatze und macht den reinen Wildtyp seltener.
Kinder und Eltern angesprochen
Der Projekttag hat eindrucksvoll gezeigt: Wer Kinder für die Natur begeistert, gewinnt oft auch die Eltern dafür. Und das Wissen um die „kleinen Tiger“ vor der eigenen Haustür ist der erste und wichtigste Schritt, um ihren Schutz aktiv zu unterstützen.
Hannah Reutter
