Wirtschaft im Kreis Ludwigsburg „Kostenschub“ erreicht Verbraucher

Von Andreas Hennings
Bei den weltweiten Lieferschwierigkeiten ist noch kein Ende in Sicht. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

Beim IHK-Neujahresempfang sind die Lieferengpässe, die Inflation und der Fachkräftemangel mit in den Fokus gerückt. Firmen denken um.

Kreis Ludwigsburg - Der Neujahrsempfang der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg ist für gewöhnlich eine gesellige Veranstaltung in feierlichem Rahmen, bei der die Vertreter von StartUps und Betrieben bis hin zu Unternehmen zusammenkommen, sich austauschen, Kontakte knüpfen und durch Redebeiträge und Talkrunden Neues erfahren.

Während Corona läuft das anders: Die IHK setzte auf ein vorgedrehtes Video, das zum Termin am Dienstagabend online abgespielt wurde. Keine Live-Veranstaltung also, kein direkter Austausch. Immerhin: Bis zum Mittag des Folgetags klickten knapp 350 Personen rein. Zu sehen und hören bekamen sie drei viertelstündige Talkrunden mit hochrangigen Personen aus Wirtschaft und Politik zu aktuellen Themen.

Zu Lieferkettenproblemen kommt Inflation

Deutlich wurde, dass die Situation – zusätzlich zur Pandemie – herausfordernd ist. Neben den Lieferkettenproblemen grassiert der Fachkräftemangel, und auch wegen der Inflation drohen Folgen. „Die höheren Kosten schränken die Möglichkeit, zu investieren, ganz stark ein“, sagte der geladene Albrecht Kruse, IHK-Ehrenpräsident und Geschäftsführer von Lackpistolenhersteller Sata in Kornwestheim. Der Kostenschub durch Inflation, Lieferkettenprobleme und Deglobalisierung werde zu Preissteigerungen führen, über die der Verbraucher „sich wundern wird“. Und es werde schwer, mit grünen Produkten aus Deutschland mit nicht-grünen Produkten aus aller Welt zu konkurrieren.

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Die Deglobalisierung beschreibt das Umdenken von Firmen in der Frage, woher sie ihre Komponenten beziehen, um weniger mit den weltweiten Lieferengpässen konfrontiert zu sein. Hier gibt es erste kurzfristige Maßnahmen. „Es werden Lager aufgebaut und auch die Zweit- und Drittlieferanten entsprechend qualifiziert“, so Kruse. Auch für Jochen Weyrauch, Vorstandsvorsitzender vom Maschinen- und Anlagenbauer Dürr in Bietigheim-Bissingen, ist der Lieferengpass weiterhin „ein Riesenthema“. Er befürchtet, dass die Situation in den kommenden zwei, drei Monaten sogar schwieriger wird. „Dann dürfte es zwar besser werden, aber das Thema wird uns das ganze Jahr begleiten.“

Firmen denken wieder regionaler

Auch er sieht ein Umdenken von Firmen, wieder regionaler zu agieren. Beim dringend benötigten Halbleiter – aufgrund seiner geringen Verfügbarkeit in aller Munde – jedoch sei man auf Fernost und Nordamerika angewiesen. Hier rechnet er erst Ende des Jahres mit einer „leichten Entspannung“.

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Doch nicht nur Waren sind kaum verfügbar, auch qualifizierte Arbeiter. „Dieses Jahr scheiden bundesweit 300 000 Menschen mehr aus dem Erwerbsleben aus, als dass welche eintreten“, verdeutlichte Albrecht Kruse. Es brauche Konzepte. Tariferhöhungen sieht er er aber kritisch. Bei den anstehenden Tarifverhandlungen brauche es „Augenmaß, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht zu zerschießen“.

 
 
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