Wohnbebauung in Besigheim bis zum Jahr 2035 Die Zukunft liegt im Schimmelfeld

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Aussiedlerhöfe verhindern die Überbauung eines Teils des Schimmelfelds (links). Weiter Richtung Osten (rechts im Bild) soll allerdings ein Wohnungsbauschwerpunkt ausgewiesen werden. ⇥ Foto: Martin Kalb

Erneut hat der Besigheimer Gemeinderat über den Flächennutzungsplan diskutiert. Die Lehmgrube als Wohnbauschwerpunkt der Zukunft wird aufgegeben. Fraktionen dringen auf einen Rahmenplan.

Wo liegt die Zukunft der Wohnbebauung in Besigheim? Jedenfalls nicht in der Lehmgrube hinter den Gebäuden der früheren Ziegelei. Dieses 4,4 Hektar große Gelände wurde als künftiger Wohnbauschwerpunkt jetzt aufgegeben. Das hat der Besigheimer Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag mit großer Mehrheit beschlossen, entsprechend wird der Entwurf des Flächennutzungsplans, der in der Stadt seit mehreren Jahren diskutiert wird, geändert.

Stattdessen wird das Schimmelfeld als Wohnbauschwerpunkt ausgewiesen. Das betrifft allerdings nicht den vorderen Teil des Schimmelfelds hin zur Friedrich-Schelling-Straße, der 8,2 Hektar groß ist. Dort werden drei Aussiedlerhöfe betrieben, die in ihrem Bestand nicht angetastet werden können. Eine Wohnbausiedlung könnte vielmehr in dem dahinter liegenden Gelände (sechs Hektar) Richtung Osten entstehen. Der Gemeinderat entschloss sich zu diesem Schritt, weil das Vorkommen einer geschützten Wildbienenart in der Lehmgrube eine Bebauung unmöglich macht. Das Gelände der Ziegelei selbst, das bekanntlich der Wohnbaufirma Layher gehört, ist davon nicht betroffen.

Arge Bauchschmerzen

In der Diskussion wurde allerdings deutlich, dass ein großer Teil des Gemeinderats quer durch die Fraktionen Bauchschmerzen wegen dieser Entscheidung hat, weil durch eine Besiedelung weiteres wertvolles Ackerland verloren geht. Darauf beriefen sich die Freien Wähler in einem Antrag. Auch in der Verlängerung des bestehenden Baugebiets Bülzen könnte laut Flächennutzungsplan ein 6,3 Hektar großes Baugelände entstehen. Die Freien Wähler sprachen sich dafür aus, dieses Gelände, genannt „Seiten“, aus dem Flächennutzungsplan zu streichen und dafür das Baugebiet Spindelberg im Schäuber zu erweitern. Ihr Antrag scheiterte knapp, vor allem, weil im Spindelberg ebenfalls Wildbienen nachgewiesen wurden. Stattdessen wird die Erweiterung des Spindelbergs aus dem Flächennutzungsplan gestrichen.

Für mindestens drei Fraktionen (CDU, WIR und SPD) ist es angesichts der bevorstehenden Verabschiedung des Flächennutzungsplans, der für die Jahre bis 2035 gilt, an der Zeit, sich konzeptionelle Gedanken über die Besiedelung des Geländes Bülzen-Schimmelfeld zu machen. Sie verlangten in einem Antrag ein „konzeptionelles, strukturiertes, verzahntes Vorgehen mit aktuellen Planungswerkzeugen sowie einen ganzheitlichen Ansatz“.

Knackpunkt dürfte die verkehrliche Erschließung sein, denn bisher läuft der gesamte Verkehr in beide Richtungen durch das Baugebiet Bülzen über den Kreisverkehr in der Oststraße. Aber auch die weitere Erschließung mit Infrastruktur soll in den Blick genommen werden, ebenso wie der Bedarf an kirchlichen, kulturellen, sozialen, gesundheitlichen und sportlichen Zwecken. Das führte Achim Schober (CDU) aus, der für alle drei Fraktionen sprach. Der Antrag sei auch Ausdruck einer allgemeinen Unzufriedenheit im Gremium, das in die Entscheidungen der Stadt stärker eingebunden sein möchte, sagte Schober danach im Gespräch mit der BZ. Dieser Wunsch, mitzureden und mitzuwirken „wurde bisher nicht erfüllt“, ergänzt Schober und sei deshalb schriftlich fixiert worden.

„Selektive Gruppenbildung“

Sichtlich gereizt reagierte Bürgermeister Steffen Bühler in der Sitzung auf den Antrag, in dem er eine „selektive Gruppenbildung“ innerhalb des Gemeinderats erkenne, wie er sagte. Inhaltlich warf er dem Antrag Schwächen vor. Eine Finanzierung von Planungen sei erst 2022 möglich, der aktuelle Haushalt gebe das nicht her. Grundsatzüberlegungen seien erst sinnvoll, wenn die Region ihr Einverständnis zum Flächennutzungsplan gegeben habe und die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange vorlägen. Zudem brauche die Verwaltung Klarheit über die baulandpolitischen Grundsätze, über die der Gemeinderat sich noch einigen müsse. Erst im Februar könne deshalb ein Beschluss fallen, ein solches Rahmenkonzept zu erstellen.

Unter diesen Prämissen wurde der Antrag verabschiedet. Sogar das Bündnis Mensch und Umwelt (BMU) stimmte bis auf ein Fraktionsmitglied zu. Und das, obwohl BMU-Sprecher Helmut Fischer zuvor kaum ein gutes Haar an dem Antrag gelassen hatte. Damit werden „Erwartungen fixiert, aber keine Lösungsansätze gezeigt“, sagte er. Zeitverlust sei die Folge. Bis jetzt sei noch nicht einmal sicher, ob jemals einzelne Baugebiete verwirklicht werden. Es fehle dem Antrag in seiner ursprünglichen Form an „Substantiellem“.

 
 
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