Ziegelei-Areal in Besigheim Lehmgrube wird zur Tabuzone

Von Michael Soltys
Die Lehmgrube der früheren Ziegelei in Besigheim wird auf 4,2 Hektar zum Naturdenkmal. So will es die Naturschutzbehörde im Landratsamt. Die braune Fläche entspricht in etwa dem Gelände der früheren Produktionsgebäude. Nur sie darf bebaut werden.. Foto: /Martin Kalb

Grenzziehung für Wohnbebauung: Die Naturschutzbehörde will das frühere Ziegelei-Gelände als Naturdenkmal ausweisen.

Seit klar ist, dass auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei in Besigheim  ein Wohngebiet entstehen soll, machen Naturschützer Druck. Denn jenseits der früheren Produktionsgebäude, die mittlerweile abgerissen sind, auf dem Gelände der früheren Lehmgrube, leben mehr als 100 verschiedene Arten von Wildbienen. Sie gelte es dringend zu schützen. Für jede Art von menschlicher Nutzung ist dieses Gelände aus Sicht der Naturschützer tabu.

Ganz ähnlich denkt man auch in der Naturschutzbehörde des Landratsamtes. Sie bereitet eine Verordnung vor, um die Lehmgrube auf einer Fläche von 4,2 Hektar als Naturdenkmal auszuweisen. Erklärter Zweck ist es, die Lehmgrube wegen des landesweit bedeutsamen Vorkommens gefährdeter Arten von Wildbienen als „wissenschaftlich und naturgeschichtlich bedeutsames Geotop langfristig zu erhalten“, wie es im Entwurf heißt.

Betreten verboten

Mit der Ausweisung als Naturdenkmal greift die Naturschutzbehörde quasi ganz oben in das Regal der Regulierungen: Alle Handlungen sind künftig verboten, die das Gelände oder die Pflanzen oder Tiere dort zerstören, verändern oder auch nur beeinträchtigen können. Nicht einmal betreten darf man das Naturdenkmal später. Erlaubt bleiben lediglich Beweidung und Mahd, sofern beides dem Erhalt und der Pflege des Geländes dient.

Für den Besitzer des Geländes, die Besigheimer Wohnbaufirma Layher, sind damit die Grenzen für die Bebauung klar gezogen. In Gesprächen mit der Firmenspitze habe das Landratsamt versucht, „eine sinnvolle Abgrenzung zu finden“, legte Christian Sußner am Dienstag im Besigheimer Gemeinderat dar. Sußner ist im Landratsamt Ludwigsburg Dezernent für Umwelttechnik. Für die Wohnbaufirma bleibe ein deutlich verkleinertes Areal zur Bebauung übrig, sagte er. Die Wildbienen in der Lehmgrube seien dringend zu schützen. Es sei ein Kompromiss mit der Wohnbaufirma gefunden worden, „mit dem wir gut leben können“.

Basierend auf wissenschaftlichen Grundlagen, entscheidet die Untere Naturschutzbehörde nach eigenem Ermessen über Art und Umfang der Ausweisung der Lehmgrube, legte Sußner im Gemeinderat dar. Der Stadt Besigheim bleibt damit nur die bescheidene Rolle, ihre Einwände und Bedenken zu äußern. Und vielen Gemeinderäten geht die Ausweisung der gesamten 4,2 Hektar als Naturschutzdenkmal zu weit. Am deutlichsten wurde dies im Gemeinderat bei einem Antrag der Freien Wähler. Sie hätten es lieber gesehen, das Gelände als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen, womit die strengen Vorschriften deutlich gemildert worden wären. Auch anderen Stadträten verursachte die Grenzziehung des Gebietes Bauchschmerzen: Edgar Braune von der Fraktion CDU/WIR regte eine Art Pufferzone zum Naturdenkmal an. Sein Fraktionskollege Achim Schober merkte an, dass einige Häuser ohne Übergang direkt an das geschützte Gelände reichen. Aus Sicht von Helmut Fischer vom Bündnis Mensch und Umwelt (BMU) sind die Grenzen jedoch richtig gezogen, „nach zähen Verhandlungen“, wie er sagte.

Patt bei Abstimmung

Mit acht zu acht Stimmen wurde der Antrag der Freien Wähler abgelehnt. Mit demselben Stimmenverhältnis wurde allerdings auch der Beschlussantrag der Stadt, keine Einwände gegen den Entwurf der Naturschutzbehörde zu erheben, abgelehnt – ein Patt, das ohne Folgen bleibt, da die Behörde im Landratsamt wie gesagt eigenständig entscheidet.

Behörden-Vertreter Christian Sußner musste sich im Gremium allerdings auch grundsätzliche Kritik anhören. Nach eigenem Eingeständnis seien die Wildbienen-Populationen den Naturschützern im Landratsamt seit Jahrzehnten bekannt, sagt Ulrich Gerstetter von CDU/WIR. Jetzt werde das Gremium sehr kurzfristig informiert. Für ihn stelle sich die Frage, warum in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nichts unternommen wurde. Immerhin hätten die jetzigen Besitzer dem Gelände weniger entnommen als die vorigen. „Geht man so mit dem Bürger um“, fragte Gerstetter?

 
 
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