Zusammenschluss von Besigheim und Ottmarsheim vor 50 Jahren Eine Fusion ohne Reibungsverluste

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Der Besigheimer Bürgermeister Werner Grau (links) und sein Amtskollege Walter Müller aus Ottmarsheim bei der Übergabe von Brot und Salz anlässlich der Eingemeindung von Ottmarsheim im September 1971. ⇥ Foto: Stadtarchiv Besigheim

Vor 50 Jahren wurde Ottmarsheim nach Besigheim eingemeindet. Die Zustimmung in dem kleinen Ort mit gerade 785 Einwohnern war groß.

Die entscheidenden Gespräche sollen im Gasthaus auf dem Pfahlhof, im Nebenzimmer, stattgefunden haben, an der Gemarkungsgrenze von Ottmarsheim. Hier entschlossen sich Walter Müller, Bürgermeister des kleinen Dorfes mit gerade einmal 785 Einwohnern, und Eberhard Frohnmayer, Bürgermeister von Besigheim, ihre beiden Gemeinwesen unter einen Hut zu bringen. Es war dann Frohnmayers Nachfolger Werner Grau, gerade einmal einen Monate im Amt, der den Fusionsvertag am 2. August 1971  unterzeichnete, Müller zog einen Tag später nach.

Diese Daten hat Sandy Richter recherchiert, die Stadtarchivarin in Besigheim. 50 Jahre ist es bald her, dass die Fusion am 1. September 1971 in Kraft trat – ein Jubiläum, dass die Stadt im Oktober in Ottmarsheim feiern möchte (siehe Infokasten). Richter sichtet deshalb die Akten und Dokumente im Stadtarchiv, stellt eine Chronologie der vergangenen 50 Jahren zusammen und sucht nach Bildern, um die Historie veranschaulichen zu können.

Die Ereignisse auf den Bildern einzuordnen und die Personen darauf zu identifizieren, das ist nach dieser langen Zeit nicht immer einfach. Hilfe bekomme sie aus der Ottmarsheimer Bevölkerung, erzählt Richter, und von Werner Grau, der bis Januar 1992 Bürgermeister in Besigheim war und nach wie vor in der Stadt wohnt. Gezeigt werden die Fotos auf dem Jubiläumsabend am Freitag, 22. Oktober.

Von öffentlichen Streitereien oder gar Demonstrationen wie in Bissingen anlässlich des Zusammenschlusses mit Bietigheim oder von einer breiten Ablehnung, wie sie zunächst die Kleinsachsenheimer gegen den Zusammenschluss mit Großsachsenheim hegten, darüber findet sich in den Archiven nichts. Das Gegenteil war der Fall, wie sich bei einer Befragung der Ottmarsheimer zeigte. Von den 785 Ottmarsheimern nahmen 400 daran teil, nur 36 Einwohner waren gegen die Fusion, berichtet Richter. Bei der entscheidenden Abstimmung votierten 90 Prozent der Ottmarsheimer für die Fusion.

Erster Versuch scheiterte

Vorangegangen, aber gescheitert, war der Versuch, gemeinsam mit Mundelsheim und Hessigheim eine Verwaltungsgemeinschaft zu bilden. Immerhin betrieben die drei kleinen Kommunen seit Ende der 60er-Jahre eine gemeinsame Hauptschule. Doch vor allem in Hessigheim sollen die Vorbehalte nicht zu überwinden gewesen sein. Und nach einem Zusammengehen mit Mundelsheim wäre die neue Einheit im Sinne der damaligen Verwaltungsreform noch immer zu klein gewesen. Da schien das wesentlich größere Besigheim deutlich attraktiver. „Gehe zum Schmied und nicht zum Schmiedle“, soll Walter Müller gesagt haben.

Nach dem Treffen im Pfahlhof ging es schnell. Das Ergebnis der Verhandlungen ist im Eingemeindungsvertrag dokumentiert, der sich im Archiv befindet. Von Besigheimer Wünschen finde sich darin nichts, so Richter. Umso klarer formulierten die Ottmarsheimer ihre Vorstellungen: Eine Mehrzweckhalle solle im Ort gebaut werden, entstanden ist die heutige Bürgerhalle. Einige Straßen im alten Ortskern müssten saniert werden, forderten die Ottmarsheimer. Der Friedhof müsse erhalten werden, eine neue Leichenhalle sei notwendig. Die Kanalisation müsse verbessert, eine Lösung für eine Kläranlage gefunden werden.

Zuschuss vom Land

Insgesamt, so hieß es in dem Vertrag, müsse der Ortscharakter und das örtliche Brauchtum erhalten bleiben. Walter Müller, der später für das Besigheimer Heimatbuch einen Beitrag über die Fusion verfasste, versuchte seine Ottmarsheimer 1971 noch mit einem anderen Argument zu überzeugen: Immerhin 2,3 Millionen D-Mark stellte das Land als Förderung in Aussicht.

 
 
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