Zustand des Waldes in Bönnigheim Hoffnungsschimmer für den geschwächten Wald

Von Gabriele Szczegulski
Am Südhang des Bönnigheimer Waldes in Richtung Tripsdrill zeigen sich wie auf einer Galerie kranke, absterbende Eichen und darunter undurchdringliches Dickicht: Ansichten eines Waldes mitten im Klimawandel. Foto: /Martin Kalb

 Revierförster Burkhard Böer sagt, dass ein Teil des Waldes sterbe. Versuche, das zu stoppen ist der Verjüngungswald

Am Südhang des Bönnigheimer Waldes im Gewann Weißdornschlagbei Freudental, tut sich ein Horrorszenario auf, so nennt es Revierförster Burkhard Böer: Oben auf der Kuppe stehen armselige Eichen, deren blattlose Kronen diesen Namen nicht verdienen. Die obersten Äste sind abgestorben, bald, so Böer, werden die ganzen Bäume absterben. „Es stirbt eine Eiche nach der anderen.“ Eigentlich sei gerade die Eiche „die Hoffnungsträgerin“ des Waldes gewesen, so Böer, da sie auch Hitze und Trockenheit gut verträgt.

Am Hang selbst stehen inzwischen gar keine Eichen mehr, das Unterholz bildet eine undurchdringliche Bodendeckung. „Ein Dschungel, der nichts durchlässt, schon gar keine jungen Eichen“, sagt Böer. Rasend schnell, so Böer, sterben die Eichen ab, bedingt durch das Klima, das im Schnitt zu heiß und zu trocken ist und zu wenig Regen bringt. Das lässt die Vitalität der Bäume sinken. Sie sind dadurch flächig anfällig für die Angriffe des Eichenprachtkäfers. „Wenn Sie diese Bäume dort oben auf der Galerie des Südhangs mit einem Kraftwerk vergleichen, dann laufen diese Eichen nur noch mit 30 Prozent ihrer Leistung, und diese nimmt Tag für Tag weiter ab, sie können ihre Triebe nicht mehr versorgen“, so Böer bei einem Spaziergang durch den Bönnigheimer Wald im Gespräch mit der BZ.

Eichen sterben rasend schnell

Er zeigt eine Eiche, die Anfang April noch austrieb, doch alle Triebe sind bis Anfang Mai abgestorben. „Der Baum ist tot“, sagt er, das gehe rasend schnell. Ist eine Eiche vom Eichenprachtkäfer befallen, muss dieser wie beim Borkenkäfer an Fichten sehr schnell gefällt und aus dem Wald gebracht werden. „Sonst geht der Käfer auf die nächste Eiche, denn die sind derzeit alle sehr geschwächt. Noch seien zwei der von ihm betreuten Waldgebiete, die in Sachsenheim und Bönnigheim, auf Platz 1 und 2 der größten Eichenwälder in Baden-Württemberg. Etwa 40 Prozent des Waldes in seinem Revier seien mit Eichen bewachsen – Tendenz sinkend – „ein Teil unseres Waldes stirbt“. Schuld seien die langen Trockenphasen und zu wenig Regen. „Das gab es früher schon auch, aber da folgten auf ein oder zwei Hitzejahre ein oder zwei Jahre mit starkem Niederschlag. Jetzt sind die Trockenperioden länger und einen Ausgleich gibt es gar nicht mehr.“ Um 1,5 Grad sei die Durchschnittstemperatur auch im Kreis Ludwigsburg gestiegen – die Tendenz sei steigend und irreversibel. „Die Dramatik, dass unser Wald stirbt, muss endlich begriffen werden“, so Böer. Vom Horrorszenario im Süden des Bönnigheimer Waldes führt der Förster in einen Teil im Westen in Richtung Spielberg, der, so sagt er, ein Hoffnungsschimmer für die kommenden Generationen sei. „Hier könnte die Eiche zum Sparbuch des Waldes werden“, sagt Böer. Hier ist der Wald durchlichtet, viele kranke Eichen seien gefällt worden und ein Verjüngungswald angelegt worden. „Das kostet viel Zeit, Personal und Geld, aber es könnte ein Generationenwaldwechsel zu einem klimastabileren, vitaleren Eichenwald gelingen“, sagt der Förster.

Das Sparbuch des Waldes

Seit 2004 betreiben Böer und sein Team in einigen Waldstücken aktiv natürliche Verjüngung. Der Wald wird vom Unterholz befreit, nur gesunde Eichen bleiben stehen. Aus im Herbst fallenden Eicheln treiben auf der blanken Erde junge Bäume aus. Im Verjüngungswald ist der Boden dicht an dicht mit „Abermillionen“ junger Eichen besetzt, so Böer. Einmal pro Jahr werden die jüngsten Bereiche durchgepflegt. Die Eichen werden, so Böer, dazu erzogen, eine sich stärkende Gemeinschaft zu bilden. Die Naturverjüngung sei eine alte, forstwirtschaftliche Methode, die aber lange Jahre nicht ausgeübt wurde. Seit mehreren Jahren setzt Böer dieses Verjüngungsverfahren in den Wäldern von Bönnigheim, Groß- und Kleinsachsenheim und Hohenhaslach bei den Eichen um. Am Südhang bei Freudental kommt aber jede Hilfe zu spät.

 
 
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