Zwei neue Ausstellungen im Kunstverein Ludwigsburg Geradliniges und Verspieltes im Dialog

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Die Bietigheimer Künstlerin Patrizia Kränzlein stellt im Salon aus. Die Werke hat sie für den Raum angefertigt. Besonders das Spiel von Formen und Räumlichkeit sei ihr wichtig gewesen. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Ich finde es schön, wenn die beiden Ausstellungen so unterschiedlich sind“, sagt Harald Jahnke, Vorsitzender des Kunstvereins Ludwigsburg. Im MIK sind seit der Eröffnung am Donnerstagabend noch bis zum 24. September die Werke zweier durchaus sehr verschiedenen Künstler zu sehen.

Im Kellergewölbe des Salons stellt die Bietigheimer Künstlerin Patrizia Kränzlein ihre geografischen Werke aus, die sie allesamt mit Linolfarbe und Grafit auf Papier hat entstehen lassen. Titel haben die elf Einzelwerke der Ausstellung „Raumgefüge“, nicht. Sie wolle dem Betrachter nicht zu viel vorgeben, das schränke den offenen Zugang nur ein, sagt die 1987 in Stuttgart geborene Künstlerin. „Ich möchte eine Illusion von Räumlichkeit erzeugen sowie das Gefühl, man stünde in den Bildern“, so Kränzlein. Sie habe auch das Gewölbe und dessen Rundungen in ihren Werken aufgegriffen. „Ich fühle mich beim Schaffen meiner Grafiken wie ein Bildhauer, der die Räumlichkeit aus der Fläche herausarbeitet“, sagt die Preisträgerin des Young Art Awards 2016.

Die zweite Ausstellung im Cube zeigt Werke des Berliner Künstlers Sebastian Neeb. Der Künstler, Jahrgang 1980, arbeitet genreübergreifend und so präsentiert er sich auch in Ludwigsburg. Plastiken, sowohl große als auch kleine, dominieren den Ausstellungsraum und werden durch Gemälde ergänzt. Das Hauptwerk ist ein kleinteiliges Kunstwerk, bestehend aus 140 kleinen Köpfen – 106 davon brachte Neeb selbst an die Wand an, mit Schrauben und Kleber. „Dilettante Kartoffeln wetteifern um die Gunst des Vaters“ ist eine Fleißarbeit, entstanden während der Corona-Pandemie. Den Anfang nahm das Werk jedoch in der Barockstadt, wo es nun erstmals ausgestellt wird. „Ich trug ein kleines Keramikköpfchen in der Hosentasche, als ich im März in Ludwigsburg war“, erzählt Neeb. Das tue er öfters, um die Wirkung verschiedener Glasuren an der Wand zu testen.

Idee entsteht in Ludwigsburg

So entstand die Idee, einen Grund-Kopf aus Ton zu haben, den „Vater“, und „dieser modellierfähige Kopf will dann etwas werden“, sagt Neeb. Material komme weg oder dazu, so entstünden individuelle Köpfe. Männer mit Bärten, spitzen Nasen, Schweinegesichtern, die am Ende noch vergoldet werden.

Auch zeigt der Berliner Kunstschaffende im Kunstverein eine Auswahl seiner Trophäen-Skulpturen: Preise für Leistungen, die eigentlich keine sind, etwa das Zurückwinken. Neebs Arbeiten sind allesamt mit einem Augenzwinkern zu sehen. Er möchte die Wettbewerbskultur der Gesellschaft ad absurdum führen. Gemälde, die in ihrer Erscheinung an Porträts aus Renaissance und Barock erinnern, bricht der Berliner durch wenig erhabene Augenblicke der Dargestellten – etwa einer Fliege auf der Nase. Die sich auf dem Rahmen des Gemäldes stapelnden Würste sollen an Likes erinnern, die in den Sozialen Medien für Fotos vergeben werden. Warum Würste? „Es ist absoluter Klamauk, aber jeder hat etwas dazu zu sagen“, sagt er.

Info Der Kunstverein Ludwigsburg hat Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3,50, ermäßigt zwei Euro.

www.mik.ludwigsburg.de

 
 
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