100 Jahre Firma Baum in Bietigheim „Wir haben vieles, aber nicht alles“

Von Martin Hein
Sie schätzen die persönliche Begegnung mit den Kunden (von links): Sabine und Martin Baum sowie Mutter Irma Baum. Ein Blick in die Geschichte zeigt Irma und Horst Baum in ihrem Geschäft im Jahr 1964.  Foto: /Martin Kalb, (rechts) privat

Seit 100 Jahren gibt es den Familienbetrieb „Garten- und Tierbedarf Martin Baum“ in Bietigheim. Damit dürfte dieses Ladengeschäft zu den ältesten in der Stadt gehören.

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ogelfutter ist nach Auskunft von Geschäftsführer Martin Baum derzeit der Renner. Die Rede ist von Baums Spezialfuttermischung für die gefiederten Freunde. Martin Baum betreibt zusammen mit seiner Frau Sabine und Mutter Irma Baum in der vierten Generation den Garten- und Tierbedarf Martin Baum in der Ziegelstraße in Bietigheim-Bissingen. Das Geschäft kann inzwischen auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken und ist seither eine feste Größe im Bietigheim-Bissinger Einzelhandel.

Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg

1922 kaufte Urgroßvater Martin Baum das Anwesen und eröffnete damals das Geschäft, das überwiegend landwirtschaftlich ausgerichtet war. Ursprünglich gehörte dazu auch eine Brennerei. Dann kam der zweite Weltkrieg. Martin Baum musste Kriegsdienst leisten und geriet in britische Gefangenschaft. Erst nach dem Krieg konnte das Geschäft wieder öffnen. Baum übergab zum 1. Februar 1952 das Geschäft an seinen Sohn Fritz.

Futter für Hühner und Hasen

Im Angebot waren zu dieser Zeit vor allem Produkte für Kleinbauern. Dazu gehörten Feld- und Wiesensaaten sowie Futter für Hühner und Hasen sowie Spirituosen aus der eigenen Brennerei. 1959 wurde das Ladengeschäft umgebaut und erhielt seine heutige Größe. Horst und Irma Baum übernahmen das Geschäft 1969. Damals war auch ein Lebensmittelsortiment im Angebot. Die beiden betrieben den Laden bis 2000. Dann erfolgte die Übergabe an Sohn Martin Baum.

Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann führt seither das Ladengeschäft. Ein schier unüberschaubares Sortiment wird dort feilgeboten: Teppichklopfer, Vogelhäuschen, Beerendünger, Rebscheren, Besen, Gießkannen, Tierspielzeug, Nudeln, Eier, Milch, Blumentöpfe, Hundeleinen, verschieden Saaten, Taschen, Pflanzenschutzmittel, Gartenerde, Meisenknödel, Futter für Hund, Katze, Hamster und Mäuse, aber auch Salz, Zucker, Kleintierstreu und noch vieles mehr – und das ist nur eine kleine Auswahl. Angesprochen auf die riesige Auswahl an Produkten, lacht Irma Baum: „Wir haben vieles, aber nicht alles.“

Beratung wird geschätzt

„Die Leute schätzen, dass sie bei uns beraten werden“, erklärt Martin Baum. Irma Baum ergänzt: „Zu uns kommen Kunden und zeigen uns ein Blatt ihrer kranken Pflanze und fragen, was man dagegen machen kann.“ Die Produkte, die verkauft werden, ändern sich laufend. „Ich verkaufe andere Sachen, als meine Eltern“ erklärt Martin Baum. Ein umfangreiches Pflanzenschutzmittel-Sortiment führt das Fachgeschäft. Beim Spritzmittel sei der Trend, weg von der Chemie hin zu biologischen Pflanzenschutzmitteln, zu verzeichnen, sagt Martin Baum, der sich regelmäßig bei Fortbildungen auf den neuesten Stand bei seinen Produkten bringt.

Keine Kartenzahlung

Das persönliche Gespräch sei wichtig, so Irma Baum weiter. „Wir haben auch noch eine richtige Ladenkasse. Bei uns kann man nicht mit Karte bezahlen“, erzählt sie nicht ohne Stolz. Angesprochen auf die inzwischen teils schwierige Situation des Einzelhandels mit Blick auf die Online-Konkurrenz gibt sich Martin Baum gelassen: „Unsere Stärke ist der Garten und die individuelle Beratung unserer Kunden.“ Anders als bei vielen anderen Geschäften hat die Corona-Pandemie keine negativen Auswirkungen auf das Fachgeschäft gehabt. Eher das Gegenteil sei der Fall gewesen.

Weil Tierfutter und Lebensmittel zum umfangreichen Sortiment gehören, durfte das Geschäft auch während Corona weiterbetrieben werden. Nach Auskunft von Martin Baum haben während der Pandemie zudem viele Menschen in ihr Haus und ihren Garten investiert. „Wir sind zufrieden“, sagt der Geschäftsführer und blickt durchaus zuversichtlich in die Zukunft.

 
 
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