30:20-Sieg gegen Besançon SG BBM bejubelt Einzug ins Final Four

Von bzh
Ein Bietigheimer Freudenfest: SG-Torhüterin Gabriela Moreschi und Jenny Behrend umarmen sich nach dem Einzug ins Final Four der European League. Im Hintergrund strahlt Antje Lauenroth. ⇥ Foto: Marco Wolf

Die Gaugisch-Sieben gewinnt das Viertelfinal-Rückspiel in der European League gegen ES Besançon Feminin mit 30:20 (12:10). Torhüterin Melinda Szikora wehrt 44 Prozent aller Würfe ab.

Die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim stehen am 14./15. Mai im Final Four-Turnier der European League. Nach dem 29:23-Sieg beim Viertelfinal-Hinspiel in Frankreich gewann das Viadukt-Team auch das Rückspiel in der Ludwigsburger MHP-Arena. Beim 30:20-Sieg gegen ES Besançon Feminin begeisterte die SG 1481 Zuschauer.

Lange sah es nicht nach einem so deutlichen Sieg aus. Bietigheim tat sich gegen die sehr defensiv agierende ESBF-Abwehr schwer. Tore aus der Fernwurfzone fehlten und den Weg zum Kreis stellten die Französinnen mit großem Einsatz zu. So waren es zunächst vor allem Gegenstöße von Antje Lauenroth, Luisa Schulze und Einzelaktionen von Inger Smits, die für Bietigheimer Tore sorgten. Das reichte zwar nach einer Viertelstunde zur 7:5-Führung, beeindruckte die Gäste aber nicht. Die gingen, angefeuert von ihren lautstarken Fans, nach 22 Minuten beim 8:7 zum ersten (und einzigen) Mal in Führung.

Markus Gaugisch sah die Zeit gekommen, ins Spiel einzugreifen. Der SG-Coach brachte Veronika Malá und Kim Naidzinavicius. Die Tschechin glich von Linksaußen aus. Naidzinavicius traf, von Xenia Smits freigespielt, zum 9:8 und nach 27 Minuten zappelte ihr aus einer Kreuzung abgegebener Rückraumwurf zum 10:8 im ESBF-Kasten.

Die in Danick Snelders Abwesenheit als Kapitänin fungierende Naidzinavicius stand auch bei der letzten Aktion der ersten Halbzeit im Mittelpunkt. Ein nach dem Pausensignal von Besançon direkt abzugebender Freiwurf landete mitten in ihrem Gesicht. Statt der durchaus möglichen Roten Karte verzichteten die italienischen Schiedsrichter auf eine Bestrafung für die Werferin. Nicht die einzige Situation, in der sich die im ersten Durchgang ohne jede Linie leitenden Referees den Unmut der Fans und Mannschaften zuzogen.

Nach dem 12:10-Pausenstand erhöhten beide Teams das Tempo. Dank der beweglichen Clarisse Mairot hielten die Französinnen bis zum 16:15-Anschluss. Danach ging Besançon, im Bemühen den Sechs-Tore-Rückstand aus dem ersten Spiel wettzumachen, volles Risiko und ersetzte bei Ballbesitz die Torhüterin durch eine siebte Angreiferin. Darauf war die SG vorbereitet. Kelly Dulfer kam als vorgezogene Abwehrspielerin. „Wir wollten sie schonen, da sie einige Tage krank war“, erläuterte Gaugisch, „sie war nur für den Fall vorgesehen, dass Besançon sieben gegen sechs spielt.“

Szikora lobt ihre Vorderleute

Die Umstellung zahlte sich mit dem vorentscheidenden 6:0-Lauf von 16:15 auf 22:15 aus, danach erhöhte Bietigheim auf 29:19. Dabei hatte auch Melinda Szikora ihre Hände und Beine im Spiel. Die SG-Torhüterin trieb den Gegner zur Verzweiflung, meisterte 44 Prozent aller Würfe. „Das Geheimnis meiner Leistung ist die starke Abwehr, die wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben“, bedankte sich Szikora bei ihren Vorderleuten. „Dadurch konnte ich besser und besser werden.“

Auf Top-Niveau agierten auch Inger und Xenia Smits. Die Holländerin und die gebürtige Belgierin initiierten die meisten SG-Treffer. Am Tor des Tages waren sie jedoch nicht beteiligt. Aus dem Handgelenk schnippte Naidzinavicius die Harzkugel über die Abwehr. Der Ball schien unerreichbar hoch, doch mit ihrer enormen Sprungkraft angelte sich die von außen heranfliegende Mala den Ball und drehte ihn artistisch um Besançons Keeperin herum zum 30:20-Endstand ins Tor.

Stimmen zum Spiel und zum Einzug ins Final Four

Markus Gaugisch, Trainer der SG BBM Bietigheim: Wir haben uns am Anfang von den Schiedsrichtern etwas durcheinanderbringen lassen. Das darf nicht passieren. Wir müssen bei uns bleiben, wie wir es dann auch geschafft haben. Die zweite Halbzeit war super, auf Besançons sieben gegen sechs waren wir gut vorbereitet.

Sebastién Mizoule, Coach von ES Besançon Feminin: Wir wussten nach dem Hinspiel, dass es sehr schwierig für uns wird. Ich bin trotzdem stolz darauf, was die Mannschaft in dieser Saison erreicht hat.

Danick Snelder, verletzt fehlende Bietigheimer Kapitänin: Die Mannschaft hat das großartig gemacht. Vor allem die letzten 20 Minuten waren sehr gut – und natürlich Melinda Szikora, die, wie schon im ersten Spiel, überragend gehalten hat. Bis zum Final Four sind zum Glück noch sechs Wochen Zeit. Ich hoffe, dass ich bis dahin wieder fit bin und mit dem Team im Kampf um den Europapokal kämpfen kann. 

Gerit Winnen, SG-Sportdirektor: Das war Werbung für unseren Sport. Endlich wieder Handball mit vielen Zuschauern. Das macht Spaß. Nach bisherigem Stand ist die MHP Arena am Final Four-Wochenende 14./15. Mai belegt. Sollte sich das ändern lassen, bewerben wir uns um die Ausrichtung der Endrunde.

Natalie Nosek, polnische Rückraumspielerin von Besançon: Nach der guten ersten Hälfte konnten wir Bietigheim in der zweiten Halbzeit nicht mehr folgen. Es war für mich aber ein Erlebnis gegen Karolina Kudlacz-Gloc spielen zu dürfen. Bei uns in Polen ist sie eine große Persönlichkeit des Sports.⇥bzh

 
 
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