4:3 nach Penaltyschießen: DEL-Neuling überrascht in Köln Steelers ziehen den Haien die Zähne

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Erstes Saisontor, zweiter Saisonsieg: Steelers-Stürmer Daniel Weiß schreit nach dem 2:2-Ausgleich seine Freude heraus. Benjamin Zientek (hinten) freut sich mit dem Teamkollegen.  ⇥ Foto: Revierfoto via www.imago-images.de

Ein Sieg für die Moral: Nach einem 0:2-Rückstand feiert der Neuling einen 4:3-Überraschungscoup in Köln. Debütant Brenner und Sheen teilen sich im Penaltyschießen die Matchwinner-Rolle. 

Verrückte Zeiten in der Karnevalshochburg: Die Bietigheim Steelers haben am Freitagabend bei den Kölner Haien einen 4:3-Überraschungserfolg gefeiert. Damit beendete der Aufsteiger seine Talfahrt mit zuvor drei Niederlagen in Folge. „Wir haben 60 Minuten durchgepowert und dagegengehalten. Darum haben wir uns den Sieg auch verdient“, sagte Alexander Preibisch. Der in Köln geborene SCB-Stürmer erzielte selbst sein erstes Saisontor – knapp fünf Jahre nach dem letzten DEL-Treffer, damals noch im DEG-Trikot. „Mit Düsseldorf habe ich das in fünf Jahren in Köln nicht geschafft – und mit Bietigheim treffe ich gleich im ersten Spiel hier. Es hat heute extrem viel Spaß gemacht“, freute sich Preibisch.

Für Cody Brenner, den DEL-Debütanten im Steelers-Kasten, begann seine Premiere im Oberhaus hingegen wenig spaßig: Bereits nach 57 Sekunden traf Sebastian Uvira mit einem harten, aber unplatzierten Schuss, der durch Brenners Schoner schlüpfte – das frühe 1:0 für den Favoriten. Beim zweiten Kölner Treffer war der 24-jährige Schlussmann aber machtlos. Dafür patzten die Vorderleute: Der von Trainer Daniel Naud in die Abwehr zurückbeorderte René Schoofs konnte in der eigenen defensiven Zone ein Zuspiel seines Nebenmanns Tim Schüle nicht kontrollieren, was sofort bestraft wurde: Patrick Sieloff passte scharf vors Gehäuse, und Landon Ferraro hielt die Kelle hin – das 2:0 (11.).

Frecher Bietigheimer Auftritt

Ironie des Schicksals: Eigentlich hatte der Neuling frech mitgespielt und lag bei den Torschüssen nach den ersten 20 Minuten sogar mit 13:3 klar vorne. Speziell der ins Aufgebot zurückkehrte Riley Sheen sorgte in der Offensive ordentlich für Betrieb. Pech hatte noch Kapitän Constantin Braun, dessen abgefälschter Fernschuss an den Innenpfosten krachte. 31 Sekunden vor der ersten Pause belohnte sich der SCB für seinen beherzten Auftritt: Preibisch nutzte einen Rückpass von Evan Jasper zum hochverdienten 1:2. Kurios: Justin Pogge hatte kurz zuvor seinen Schläger verloren – und keiner seiner Kölner Teamkollegen hatte diesen dem KEC-Goalie zurückgegeben.

Nach dem munteren Start verflachte das rheinisch-schwäbische Duell im Mitteldrittel. Kampf und Krampf dominierten nun die Szenerie vor den zugelassenen 11 400 Zuschauern – darunter etwa 150 Gästefans – in der damit ausverkauften Lanxess-Arena. In Überzahl roch es mehrfach nach dem 2:2, etwa als Sheen am Pfosten scheiterte. Gerade, als die Haie wieder vollzählig waren, schlug der vor dem Kasten lauernde Daniel Weiß gedankenschnell zu (34.). Für den aus Schwenningen gekommenen Neuzugang war es der erste Treffer für seinen neuen Klub. Zwei Minuten später kam es noch besser für den Außenseiter: Nach einer traumhaften Vorarbeit von Brendan Ranford vollendete der Ex-Kölner Norman Hauner zum Bietigheimer 3:2 (36.).

Brenner pariert zwei Penaltys

In den vergangenen drei Spielen war den Steelers stets das Schlussdrittel zum Verhängnis geworden. Und die Geschichte schien sich zu wiederholen. Nach der ersten Bietigheimer Strafzeit – raus musste Max Prommersberger – gelang Maximilian Kammerer mit einem Schuss aus der Drehung das 3:3 (45.). Doch mit letztem Einsatz kämpften sich die Schwaben noch in die Verlängerung – ein Bonuspunkt war ihnen damit sicher. Am Ende wurden es sogar zwei Zähler – weil Brenner im Penaltyschießen gegen Marcel Barinka und Andreas Thuresson parierte, während Sheen und Ranford ihre Versuche verwandelten. Die Bietigheimer Überraschung am Rhein war endgültig perfekt.

Yannick Wenzel geht – und Schwenningen kommt zum ersten Derby

Mit Stürmer Yannick Wenzel steht seit Freitag ein weiterer Abgang fest. Der 23-jährige Rechtsschütze löste seinen Vertrag bei den Bietigheim Steelers auf und wird zu einem DEL2-Klub wechseln, wie Geschäftsführer Volker Schoch im Gespräch mit der BZ bestätigte. Wenzel wurde bei den Starbulls Rosenheim ausgebildet und kam 2018 zum SCB. Für die Schwaben bestritt er 159 DEL2-Begegnungen, in denen er 41 Scorerpunkte sammelte (15 Tore, 26 Vorlagen). In der laufenden DEL-Saison kam er allerdings noch auf keinen Saisoneinsatz. „Mit der Rolle, für die er bei uns vorgesehen war, kam er nicht so gut klar, wie er gedacht hatte. Als junger Spieler will er natürlich spielen“, erläuterte Schoch und betonte: „Es gab keine bösen Worte. Wir gehen im Guten auseinander.“

Für das Prestigeduell am Sonntag (19 Uhr) gegen die Schwenninger Wild Wings werden die Steelers einen Zuschauerrekord im Oberhaus aufstellen. Bis Freitagvormittag waren bereits mehr als 2800 Tickets verkauft, 600 Karten haben sich davon Fans der Schwarzwälder gesichert. Schoch rechnet zwischen 3200 und 3500 Besuchern. Zur DEL-Premiere gegen Ingolstadt waren 2834 Zuschauer in die EgeTrans-Arena gepilgert. Die letzten Derbys zwischen den beiden Klubs hat es in der Zweitliga-Saison 2012/13 gegeben. Damals gewann Bietigheim auch die Playoff-Finalserie nach einem 0:2-Rückstand noch mit 4:2 und wurde zum zweiten Mal Meister. Als einziger Profi aus dem aktuellen Steelers-Kader war Rekordspieler René Schoofs mit von der Partie.⇥ae

 
 
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