525 Jahre Stadt Sachsenheim Eindeutiges Votum für Sachsenheim

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In der Kleinsachsenheimer Mehrzweckhalle wurde am 22. März 1972 der Eingliederungsvertrag  feierlich unterzeichnet.⇥ Foto: BZ-Archiv/ad

Im Februar 1972 stimmten die Kirbachtalgemeinden mit großer Mehrheit für eine Eingliederung zur Stadt Sachsenheim.

Die Zukunft der Kirbachtalgemeinden sollte sich Anfang 1972 entscheiden. Am 27. Februar waren 2220 wahlberechtigte Bürger der Kirbachtalgemeinden Hohenhaslach, Ochsenbach, Spielberg und Häfnerhaslach aufgerufen, im Rahmen einer Bürgeranhörung über das weitere Schicksal ihrer Gemeinden abzustimmen. Eine Tendenz für eine Eingliederung in die Stadt Sachsenheim zeichnete sich bereits bei der Bürgerversammlung ab.

Eindeutiges Votum

Die Abstimmungsergebnisse bei den Bürgeranhörungen am 27. Februar 1972 im Kirbachtal eindeutig: In Hohenhaslach gingen von 1226 Wahlberechtigten nur 541 zur Wahl. Dies entsprach einer Wahlbeteiligung von lediglich 44,1 Prozent. Davon stimmten 492 für die Eingliederung nach Sachsenheim, 49 stimmten mit Nein. In anderen Worten: 90,94 Prozent stimmten für Sachsenheim.

347 Häfnerhaslacher durften ihre Stimme abgeben. Die Wahlbeteiligung war in Häfnerhaslach mit 65 Prozent höher. 222 gingen an die Wahlurnen, davon stimmten 201 für die Eingliederung, 17 waren dagegen, vier Stimmen waren ungültig. Also waren 90,5 Prozent dafür.

In Ochsenbach waren 493 Personen wahlberechtigt. 259 gaben ihre Stimme ab (54 Prozent Wahlbeteiligung), 227 stimmten mit Ja, dies waren 87,64 Prozent, 29 votierten gegen Sachsenheim.

154 Spielberger waren stimmberechtigt, 76 gingen zur Wahl, dies entsprach einer Wahlbeteiligung von 49 Prozent. 69 stimmten für Sachsenheim (90,79 Prozent), 7 stimmten mit Nein.

Fasste man alle Wahlergebnisse der Kirbachtalgemeinden zusammen, ergab sich folgendes Gesamtergebnis: Von 2220 Wahlberechtigten gingen 1098 zur Wahl, dies entsprach einer Wahlbeteiligung von 49,46 Prozent. Davon stimmten 989 für die Eingliederung, 102 waren dagegen. 90,07 Prozent waren für die Eingemeindung nach Sachsenheim. Ein überwältigendes Votum für die Stadt Sachsenheim.

Vertragsunterzeichnung

Am Mittwoch, den 22. März, wurde in der Kleinsachsenheimer Mehrzweckhalle der Eingliederungsvertrag zwischen der Stadt Sachsenheim und den vier Kirbachtalgemeinden feierlich unterzeichnet. Bürgermeister Karl-Heinz Lüth begrüßte die Bürgermeister Helmut Hartstern aus Hohenhaslach, Erwin Schenk aus Ochsenbach und Horst Bildmann aus Häfnerhaslach mit ihren Gemeinderäten. Die Landtagsabgeordneten Lothar Späth (CDU) und Claus Weyrosta (SPD) sowie Landrat Dr. Ulrich Hartmann und der Vaihinger Landrat Erich Fuchslocher waren ebenfalls zugegen.

Lüth betonte, was vor 40 und 50 Jahren noch gut war, sei in der Zwischenzeit überholt. Man müsse den Dienstleistungsbereich den heutigen Gegebenheiten anpassen. Der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen zwischen der Stadt Sachsenheim und den vier Kirbachtalgemeinden spreche nun auch für den Weitblick der Gemeinderäte. Sie hätten den Zug der Zeit erkannt und seien bemüht gewesen, für ihre Einwohner das Beste zu erreichen. Sämtliche Verhandlungen seien getragen gewesen von gegenseitiger Achtung. Den anwesenden Bürgermeistern dankte Lüth für ihren Mut und das Vertrauen bei der Verhandlungsführung. Er erhoffe sich für die Zukunft eine gute Zusammenarbeit zum Wohle der gesamten Bürgerschaft der künftigen großen Stadt Sachsenheim mit ihren 13 000 Einwohnern.

Selbstständigkeit aufgegeben

Mit der Unterschrift zu diesem Vertragswerk, so Bürgermeister Helmut Hartstern aus Hohenhaslach, gebe Hohenhaslach seine 1170-jährige Selbstständigkeit auf. Man richte den Blick in die Zukunft und hoffe zuversichtlich, dass dieser Weg der richtige sein werde.

Bürgermeister Erwin Schenk, der Ochsenbach und Spielberg vertrat, bezeichnete diesen Tag als Meilenstein in der Geschichte seiner Gemeinden, weil man eine 800-jährige Selbstständigkeit aufgebe. Für die Verwaltung und die Bürger sei es keine leichte Entscheidung gewesen. Man habe dennoch Ja gesagt. Man begebe sich nun in die starken Arme der Stadt Sachsenheim, die ein fairer Verhandlungspartner gewesen sei. Der Häfnerhaslacher Bürgermeister Horst Bildmann betonte ebenfalls, dass man diesen Beschluss nicht mit großer Begeisterung gefasst habe. Doch sei man sich der Verantwortung gegenüber der Bürgerschaft für die Zukunft bewusst gewesen. Auch Bildmann betonte, dass die Verhandlungen mit der Stadt Sachsenheim immer in gutem Geist, fair und gleichberechtigt geführt wurden.

Mit der Unterschrift der Bürgermeister wurde offiziell besiegelt, dass die Kirbachtalgemeinden ab dem 1. Januar 1973 zusammen mit den Stadtteilen Großsachsenheim und Kleinsachsenheim eine Einheitsgemeinde bilden.

Nach der Vertragsunterzeichnung stellte Landrat Dr. Ulrich Hartmann fest, dass Sachsenheim mit 205,6 Hektar die größte Weinbaugemeinde im Kreis Ludwigsburg sei. Hartmann bezeichnete das Strombergebiet als Erholungszentrum. Es sei der Zufluchtsort für Menschen von Stuttgart bis Heidelberg. Daraus würden in den nächsten Jahren noch große Aufgaben zur Lösung anstehen. Man müsse die bestehenden Chancen nützen, um etwas daraus zu machen.

Zum Abschluss überreichten die Bürgermeister der Teilgemeinden Geschenke an Bürgermeister Lüth und an die Stadt Sachsenheim. Karl-Heinz Lüth bedankte sich mit den Worten: Alle würden in die Zukunft große Hoffnungen setzen. Er wünsche sich, „dass eines Tages alle Bürger der Stadt Sachsenheim sagen: Der Vertrag vom 22. März 1972 war richtig“.

Am 1. Januar 1973 veranstaltete die Stadt Sachsenheim in der Turnhalle der damaligen Burgfeldschule in Großsachsenheim eine Eingliederungsfeier. Lüth betonte bei dieser Veranstaltung, dass mit dem 1. Januar 1973 für alle Stadtteile der Stadt Sachsenheim ein neuer Abschnitt beginne.

Info Ein aktueller Blick auf die Stadt Sachsenheim beendet unsere Serie anlässlich des Stadtjubiläums „525 Jahre Stadt Sachsenheim“.

 
 
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