5:4-Triumph bei den Eisbären Berlin Steelers stellen dem Meister ein Bein

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Foto: Uwe Koch/Eibner Pressefoto

Der Favoritenschreck aus Bietigheim überrascht auch beim Spitzenreiter Eisbären Berlin mit einem 5:4-Erfolg. Stretch und Sheen machen im Penaltyschießen den vierten Sieg in Serie perfekt. Von Andreas Eberle

Langsam wird’s unheimlich: Nach den Überraschungscoups zu Hause gegen München und Mannheim haben die Bietigheim Steelers am Sonntag auch bei ihrem ersten DEL-Auftritt in der Mercedes-Benz-Arena eine Sensation geschafft. Sie gewannen beim Deutschen Meister und Spitzenreiter Eisbären Berlin mit 5:4 nach Penaltyschießen und verblüfften damit einmal mehr die Eishockey-Welt. Für Bietigheim war es der vierte Erfolg hintereinander – und die bisher längste Siegesserie in der noch jungen DEL-Geschichte des Vereins. „Ich bin unglaublich stolz auf die Truppe und darauf, wie wir uns als Aufsteiger präsentieren. Das ist unglaublich“, sagte der von den Eisbären ausgeliehene Kapitän Constantin Braun im Interview mit Magenta Sport. „Es macht zurzeit riesig Spaß.“

Stretch gelingt ein Traumtor

Bereits im ersten Drittel bahnte sich vor den 2000 Zuschauern eine Überraschung an. C.J. Stretch schoss den Außenseiter nach exakt zehn Minuten mit einem Traumtor in Front: Der 32-jährige US-Amerikaner schlängelte sich gegen die beiden Berliner Topverteidiger Jonas Müller und Morgan Ellis durch und verlud Goalie Tobias Ancicka mit einem Rückhandschuss. Das Zuspiel hatte sein kongenialer Sturmpartner Riley Sheen geliefert. Dabei hatte Stretch vor dem Duell genau die umgekehrte Arbeits- und Rollenverteilung gepriesen: „Ich bin der Vorbereiter und Spielmacher und Riley ist ein klasse Vollstrecker. Aber wir haben denselben Vibe auf dem Eis und genießen es einfach, zusammenzuspielen.“

Brenner ersetzt Aittokallio im Tor der Bietigheim Steelers

Zum zweiten Drittel liefen die Gäste mit einem anderen Torhüter auf: Cody Brenner, der schon bei den jüngsten Siegen in Düsseldorf und gegen Mannheim den Kasten bewacht hatte, ersetzte den Finnen Sami Aittokallio, der draußen blieb. "Er fühlte sich einfach nicht gut. Es ist keine Verletzung", teilte Geschäftsführer Volker Schoch auf BZ-Nachfrage am Montagvormittag mit.

Unbekümmert und selbstbewusst trat der Außenseiter auch im zweiten Durchgang auf. Der einzige Makel: Die Steelers nutzten ihre hochkarätigen Chancen nicht. Die Eisbären gaben dem SCB eine Lektion in Sachen Effektivität: Mit drei Treffern innerhalb von sieben Minuten drehten sie die Partie. Eine Kombination über Giovanni Fiore und Matthew White krönte Mark Zengerle mit dem 1:1-Ausgleich (29.). Vor dem 2:1 patzte Maximilian Renner, indem er einen Querpass mit dem linken Fuß unsauber stoppte und die Scheibe unfreiwillig Leonhard Pföderl servierte – der Stürmer eilte davon und überwand Brenner abgezockt (34.). Und 93 Sekunden später hatte der Favorit auch noch Dusel: Über Umwege landete der Puck bei Zengerle, der mit seinem zweiten Tor auf 3:1 stellte (35.).

Und schon wieder ein furioes Steelers-Comeback im Schlussdrittel

 Aber was bedeutet so ein Rückstand schon für ein Team wie die Steelers, dem Trainer Naud bereits nach dem Triumph am Donnerstag über Mannheim eine „Wadenbeißer-Mentalität“ bescheinigt hatte. Da hatte der SCB nach zwei Dritteln sogar schon mit 1:4 hinten gelegen und dann noch mit 5:4 gewonnen. Auch in Berlin zeigte der Underdog am Sonntagnachmittag Moral und Comebackqualitäten. Jeweils in Überzahl schossen Braun (46.) und Torjäger Sheen mit einem Doppelpack (52./56.) den Gast mit 4:3 in Führung. Doch diesmal hatte der Favorit noch mal eine Antwort parat: Pföderl fälschte einen Fernschuss von Kai Wissmann zum 4:4 ab (57.). Kurz vor Ende der regulären Spielzeit wurde Matt McKnight zum Pechvogel: Der Kanadier bekam die Scheibe voll ins Gesicht und musste in der Kabine behandelt werden.

Brenner pariert zwei Penaltys

Nach einer torlosen Verlängerung belohnten sich die Steelers im Penaltyschießen für ihren mutigen Auftritt an der Spree: Stretch und Sheen trafen, die Berliner White und Pföderl scheiterten dagegen an Brenner. Damit hatten die Mannen aus dem Ellental zwei weitere Zähler im Abstiegskampf eingesackt und einen perfekten Start ins Jahr 2022 hingelegt. „Die Jungs haben erneut an sich geglaubt. Die Punkte haben wir uns verdient, weil wir viel investieren, wahnsinnig hart arbeiten und sehr clever spielen“, sagte Trainer Daniel Naud. Der nächste Topgegner am Mittwoch (20.30 Uhr), die Kölner Haie, kann sich schon mal auf einiges gefasst machen.

 
 
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