79:73-Sieg in Cluj-Napoca Riesen stehen im Final Four

Von Andreas Eberle
Eine herausragende Defensive war die Basis für den Ludwigsburger Sieg in Cluj. Hier stören Ethan Happ (links) und Yorman Polas Bartolo mit vereinten Kräften Dustin Hogue. ⇥ Foto: Vlad Suheschi/Imago

Das Patrick-Team gewinnt das dritte Viertelfinalduell im Hexenkessel von Cluj mit 79:73. Nun geht es im Mai in Spanien um den Champions-League-Titel. Von Andreas Eberle

Die Atmosphäre war selbst für hartgesottene Basketballer extrem elektrisierend: Rund 10 000 Fans verwandelten die BT-Arena am Dienstagabend beim Champions- League-Viertelfinalspiel zwischen U-BT Cluj-Napoca und den MHP Riesen Ludwigsburg in ein Tollhaus. Hunderte Papierrollen flogen zur Begrüßung der Mannschaften aufs Feld und mussten erst mühsam wieder entfernt werden, weshalb sich der Spielbeginn verzögerte. Mit lauten Gesängen stimmte der Cluj-Anhang die Korbjäger auf das Do-or-Die-Duell ein. Doch die beiden Trainer spielten den Stimmungsfaktor im Vorfeld herunter. „Die Fans helfen uns, aber wir müssen es auf dem Feld richten“, sagte Mihai Silvasan, der Coach der Rumänen. „Das Publikum war schon in Spiel eins großartig, aber wir sind es gewohnt, vor einer großen Kulisse zu spielen“, stellte Riesen-Kollege John Patrick ungerührt fest.

Kühler Kopf im Hexenkessel

Am Ende behielten seine Schützlinge in dem Hexenkessel kühlen Kopf. Der Bundesliga-Tabellenvierte setzte sich mit 79:73 (37:23) durch und entschied die Best-of-Three-Serie mit 2:1 Siegen für sich. Damit schafften die Riesen zum zweiten Mal in ihrer Vereinsgeschichte den Sprung ins Final Four. Dort treffen sie am 6. Mai in Bilbao im Halbfinale zunächst auf den spanischen Klub BAXI Manresa – und, im Falle eines Weiterkommens, zwei Tage später auf den Gewinner der Partie Hapoel U-NET Holon und Lenovo Tenerife.

Eine herausragende Abwehrleistung war in der intensiven Begegnung der eine Erfolgsgarant – ganze 23 Punkte gestatteten die Mannen aus der Barockstadt dem Gegner in den ersten 20 Minuten. Der andere war die übliche Treffsicherheit von Jordan Hulls und Jonah Radebaugh, die mit 21 und 15 Zählern das Ludwigsburger Scoring anführten. „Das sind die Spiele, für die du lebst und spielst. Es gibt nichts Besseres“, schwärmte Radebaugh später nach getaner Arbeit.

Viele vergebene Freiwürfe

So ganz freimachen konnten sich allerdings weder Cluj-Napoca noch Ludwigsburg von der Gänsehaut-Atmosphäre. Dies zeigte sich zum Beispiel an den vielen vergebenen Freiwürfen: Die Rumänen verwandelten nur 14 von 26,  neun Fehlversuche erlaubten sich auch die Gäste. Radebaugh unterlief in der Anfangsphase gar das Missgeschick, drei Freiwürfe am Stück zu verdaddeln. Speziell die 25 Turnovers der Hausherren spielten den Riesen in die Karten. Cluj-Napoca wollte häufig mit dem Kopf durch die Wand und hatte in der ersten Hälfte mit miserablen Wurfquoten zu kämpfen. „Uns hat die Geduld gefehlt. Wir wollten zu oft Helden-Basketball spielen, aber das ist nicht das richtige Mittel, um solche Spiele zu gewinnen“, monierte ihr Coach Silvasan im Halbzeit-Interview.

Die Riesen behielten dagegen stets ihren Fokus. Mit einem Dreier sorgte Hulls für eine 16:11-Führung nach dem ersten Viertel. Bis zur Pause bauten die Gäste das Polster auf 37:23 aus. Zu Beginn der zweiten Hälfte brachte der serbische Nationalspieler Stefan Bircevic die Rumänen mit zwei Dreiern auf acht Punkte heran, sodass Patrick bereits nach 60 Sekunden eine Auszeit nahm. Danach war Ludwigsburg wieder voll da. Weil Justin Simon einen weiteren Distanzwurf verwandelte, lagen die Riesen in der 25. Minute komfortabel mit 50:31 vorne.

Riesen behalten die Nerven

Doch Cluj-Napoca gab noch nicht klein bei. Angetrieben von den enthusiastischen Fans verkürzte der Spitzenreiter der rumänischen „Liga Nationala“ mit einem 7:0-Lauf auf 51:58 (35.). Zwei erfolgreiche Freiwürfe von Simon und ein technisches Foul gegen die Bank des Gastgebers stoppten die Aufholjagd. Am Ende reichte es für die Riesen – auch weil diese in der hitzigen Crunchtime im Gegensatz zu ihren Widersachern die Nerven behielten. Das Ticket für Bilbao war gelöst.

„Wir sind glücklich, es dorthin geschafft zu haben. Das war unser Ziel in den letzten Monaten. Wir sind bereit“, sagte der euphorisierte Radebaugh.

So spielten sie

Cluj – Ludwigsburg 73:79 (23:37)
U-BT Cluj-Napoca: Richard (18), Hogue (15), Bircevic (14), Brown (10), Guzman (6), Stewart (6), Stipanovic (4), Grasu, Kuti.
MHP Riesen Ludwigsburg: Hulls (21), Radebaugh (15), Simon (12), Woodard (12), Darden (5), Polas Bartolo (5), Happ (4), Jacob Patrick (3), Wohlfarth-Bottermann (2), Johannes Patrick.
Viertel: 11:16, 12:21, 19:19, 31:23.
Schiedsrichter: Manuel Mazzoni, Saverio Lanzarini (beide Italien),  Martins Kozlovskis (Lettland).

 
 
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