Ab Montag ist Click & Collect möglich Die Abhol-Option ist nur ein kleiner Trost für den Handel

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Die Bietigheimer Innenstadt ist wie ausgestorben. Auch in Sachsenheim und anderen Kommunen im Kreis sieht es so aus. Der zweite Lockdown trifft die Ladengeschäfte mit voller Härte, da ist die Option von Click & Collect nur ein Tropfen auf den heißen Stein. ⇥ Foto: Martin Kalb

Ab Montag ist dem Handel der Verkauf über Click & Collect gestattet. Die Innenstadtvereine im Kreis wünschen sich mehr Hilfen von der Politik.

Ich hatte bereits telefonische Kundenanfragen dazu“, berichtet Konrad Buck, der das „House of Jeans“, ein Bekleidungsgeschäft in Sachsenheims Innenstadt, betreibt. Auch ist er Vorsitzender des Bunds der Selbstständigen (BdS) Sachsenheim. Viele der Kunden wollen oder können nicht online bestellen, so seine Erfahrung, daher sei er froh, seinen Kunden ab Montag Click & Collect anbieten zu können.

Click & Collect ermöglicht den Kunden die Abholung der zuvor bestellten Ware vor Ort. Es kann beispielsweise online ausgewählt werden – diese Option bieten aber bei Weitem nicht alle Läden in Sachsenheims Innenstadt. „Die meisten bewerben ihre Waren über Whatsapp oder Facebook“, berichtet Buck. An der Tür wird dann die Bestellung übergeben und die Rechnung beglichen. Bei Waren wie Büchern oder Elektrogeräten mag das recht gut funktionieren, bei Kleidung oder Schuhen jedoch, wird das schon schwieriger. „Man gibt dann eine Auswahl mit und der Kunde kann alles, was nicht passt oder nicht gefällt, zurückgeben“, sagt Buck. Er habe auch schon einer Kundin seine Auswahl telefonisch beschrieben. Klingt nach großem Aufwand? Ist es auch, bestätigt der Geschäftsführer des Jeans-Fachgeschäfts. „Oft probieren Kunden zig Hosen an, bis die richtige gefunden ist.“

Verkaufen wird der Einzelhandel nicht annähernd so viel, wie wenn der Laden offen wäre, jedoch sei das zumindest ein Tropfen auf den heißen Stein, bestätigt auch Klaus Kittel, Geschäftsführer des gleichnamigen Modegeschäfts in der Innenstadt von Bietigheim-Bissingen sowie Vorsitzender der Werbegemeinschaft Innenstadt. Auch er bietet wie viele seiner Kollegen die Abhol-Option an. „Meine Kunden können per Mail oder Whatsapp bestellen, was sie im Schaufenster sehen“, sagt er. Die Ware werde dann mit der Rechnung übergeben. Umtauschen sei natürlich möglich. Der Service-Gedanke und eine Stärkung der Kundenbindung stehe im Fokus von Click & Collect, sagt Buck. „Es ist eine kleine Chance, einen Teil der Winterware abzuverkaufen“, so Kittel. Er sagt aber auch: „Der Lockdown ist aus Händler-Sicht eine Katastrophe. Der Handel wird völlig allein gelassen.“ Der erste Lockdown habe bereits gewaltige Löcher in die Kassen gerissen. Umso erschütternder sei dann die zweite Schließung gewesen. „Die Hygienekonzepte funktionieren nachweislich, trotzdem kam der zweite Lockdown“, sagt Kittel.

Auch komme dazu, dass keiner Bescheid wisse, es keine Antragsvorlagen für Hilfsgelder gebe. „Es ist eine völlig asymmetrische Belastung, die der Handel nicht verschuldet hat, aber ausbaden muss. Wir bringen Sonderopfer und wir bringen sie gerne. Die Gesundheit der Bevölkerung steht an erster Stelle. Aber dann sollte es Ausgleichszahlungen geben“, so der Bietigheimer Ladenbesitzer. „Wenn man dem Einzelhandel wirklich helfen will, dann müssen hier wieder unbürokratische Hilfen angewandt werden, ähnlich wie in der Gastronomie, nämlich nach Umsatzverlust berechnet“, sagt auch Konrad Buck, „dies müsste allerdings schnell gehen, denn ansonsten brauchen diese Firmen auch keine Hilfen mehr.“ „Ohne Hilfen wird das die Innenstädte ausradieren“, zeichnet Kittel ein düsteres Bild.

Der Zeitpunkt der zweiten Schließung war auch denkbar schlecht, sagen die beiden Ladenbesitzer. „Die zwei Wochen vor, aber auch die zwei Wochen nach Weihnachten sind die umsatzstärksten. Da können locker mal 20 Prozent des Jahresumsatzes fehlen“, schildert Buck.

Aufgeben jedoch kommt nicht in Frage, sind sich die Innenstadt-Sprecher einig. „Bis jetzt ist mir Gott sei Dank noch von keinem BdS-Mitglied berichtet worden, welches wegen den Maßnahmen das Geschäft schließen musste. Allerdings kämpft natürlich jeder so lange er kann und hält sich auch aus privaten Mitteln über Wasser. Wenn die Maßnahmen sich allerdings noch in die Länge ziehen, werden wir 2021 das Jahr der Insolvenzen haben“, sagt Buck. „Jeder kämpft solange er noch einen Silberstreif sieht“, sagt Kittel. Auch er kenne keinen in Bietigheim, der aufhört. Noch kämpfen alle weiter.

 
 
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