Abitur unter Pandemiebedingungen Ein besonderer Abi-Jahrgang

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Am Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasium wurde die Steinwand mit unzähligen guten Wünschen, auch mit Anspielung auf Corona, für die Abiturientinnen und Abiturienten beklebt.⇥ Foto: Martin Kalb

In den Gymnasien beginnen die Prüfungen mit dem Fach Deutsch. Seit Wochen bereiten sich die Schulen vor.

Corona-Abitur: Dieses – negativ besetzte – Wort geistert noch mehr als im vergangenen Jahr bei den Abiturprüfungen 2021 durch die Gymnasien. Wenn am Dienstag das Abi im Fach Deutsch beginnt, endet ein langes Pandemie-Schuljahr für die Abiturientinnen und Abiturienten, in denen sie zum größten Teil im Fernlernunterricht auf sich gestellt waren.

„Den Begriff Corona-Abitur würde ich eher positiv sehen, weil die Schülerinnen und Schüler viel mehr selbst leisten mussten“, sagt Achim Salomon, Schulleiter am Alfred-Amann-Gymnasium in Bönnigheim. „Sie mussten selbst lernen, sich selbst motivieren, ihr Lernen selbst organisieren, sich auf ihre Stärken fokussieren, den Stress alleine bewältigen“, sagt Salomon. Er findet, dass „seine Abiturientinnen und Abiturienten eine bewundernswerte Einstellung in dieser außergewöhnlichen Zeit gewonnen haben“.

Keiner macht einen Corona-Test

Insgesamt 51 Abiturienten sind es am Alfred-Amann-Gymnasium. Sie alle erhielten ein Testangebot vor jeder Prüfung – und alle lehnten ab. Aus einem Grund: Sie wollen alle unbedingt an diesem Dienstag mit den Prüfungen beginnen. Denn, so Salomon, wenn der Corona-Test positiv oder aber auch falsch-positiv wäre, müssten sie das Abitur nachschreiben und könnten dann nicht pünktlich mit Studium oder Ausbildung beginnen. ‚Aber alle Schülerinnen und Schüler waren ab 20. April in Quarantäne, machten in dieser Zeit auch mehrere Tests“, so Salomon.

Zudem erleichtert es die Organisation der Prüfungen für die Schule, dass alle Schüler die gleichen Voraussetzungen haben, sie können alle in einem Raum geprüft werden: Geschrieben wird in der Sporthalle, in der die Schüler drei bis vier Meter Abstand zueinander haben, mehr als verlangt.

Kein Abitur zweiter Klasse

„Das diesjährige Abitur ist kein Abitur zweiter Klasse“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann und Achim Salomon kann dem nur zustimmen. „Die Schüler  sind inhaltlich sehr gut vorbereitet, auch dieses Abitur ist kein Geschenk, da es ihnen ja auch optimale Studien- und Ausbildungsvoraussetzungen geben muss“, sagt Achim Salomon.

In den Ellental-Gymnasien in Bietigheim-Bissingen wird es einen räumlich getrennten Bereich für getestete Schüler geben, sagt Schulleiter Lutz Kretschmer.  „Für die Deutschprüfung wurden die Schüler bereits getestet, unmittelbar nach der Deutschprüfung findet die nächste Testung für die Physikprüfung am Donnerstag statt“, so Kretschmer. Seine Kollegin Nicole Stockmann hebt die individuelle Vorbereitung der 130 Abiturienten hervor, die sie im Fernlernunterricht leisten mussten. „Öffentliche Verunsicherungen, wie die Debatte, ob die schriftlichen Prüfungen stattfinden sollen, waren aber wenig hilfreich“, sagt sie. Auch die Bundesnotbremse habe zum mehr Verunsicherung geführt. Zudem litten die Schülerinnen und Schüler auch unter dem Wegfallen der Aktivitäten der Oberstufenzeit, wie Studienfahrten, Exkursionen, Kursfeste. „Ich finde, unsere ganze Gesellschaft darf ruhig einmal laut sagen, dass wir stolz und dankbar sind darauf, was diese Generation opfert – und das in unserer Wahrnehmung ohne viel zu jammern“, sagt Stockmann.

Die Abiturienten hätten sich nicht unterkriegen lassen und sogar die Situation aktiv mitgestaltet und verbessert. „Vielleicht ist dieser Jahrgang sogar besonders gut vorbereitet, da die Schülerinnen und Schüler bewiesen haben, dass sie sich selbstständig organisieren und strukturieren können und dass sie konzentriert und selbstbestimmt arbeiten können“.

 
 
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