AKW Neckarwestheim Reaktionen auf Habecks Plan mit dem GKN

Von Frank Ruppert
Das endgültige Ende des GKN wird wohl noch eine Weile auf sich warten lassen. Foto: Helmut Pangerl

Bis April soll das AKW in Neckarwstheim als Notreserve zur Verfügung bleiben, wenn es nach dem Bundeswirtschaftsminister geht. In Neckarwestheim und Gemmrigheim geht man gelassen mit der Verlängerung um. Eigentlich sollte am 31. Dezember Schluss sein im GKN.

Die Ankündigung, das GKN bis zum Frühjahr als Notreserve zu erhalten, hat nicht nur bundespolitisch Reaktionen hervorgerufen sondern auch direkt vor Ort.

Neckarwestheim

Neckarwestheims Bürgermeister Jochen Winkler erklärt im Gespräch mit der BZ, dass er schon mit einer Entscheidung zur längeren Nutzung des Atomkraftwerks gerechnet hatte. „Ich bin allerdings von einem Streckbetrieb ausgegangen“, sagt Winkler. Einen normalen Weiterbetrieb über den 31. Dezember hinaus hätte er persönlich besser gefunden, weil man so das AKW weiter bezahle, ohne es zu nutzen. Für die Gemeinde ergebe sich kein großer Unterschied, allein man sei noch länger am Konzernergebnis der EnBW beteiligt. Die zusätzliche Summe bezeichnet er aber als nicht herausragend für die Gemeinde im Landkreis Heilbronn, zumal auch bei endgültiger Abschaltung noch Geld geflossen wäre.

Gemmrigheim

Auch in der Nachbargemeinde Gemmrigheim, die zum Landkreis Ludwigsburg gehört, ist man laut Bürgermeister Jörg Frauhammer „gelassen“. Auch er habe schon mit einer solchen Entscheidung gerechnet und findet die Lösung als Notreserve auch gut. Sicherheitsbedenken habe er keine. Für Frauhammer ist wichtig, dass „keine Maßnahmen getroffen werden, die neue Brennstäbe erfordern und damit die radioaktive Last vor Ort erhöhen“. Auch wenn er die Verlängerung der Nutzung des GKN durchaus gelassen sieht, mache er sich schon Gedanken, ob damit nicht ein Einfallstor für die weitere Nutzung der Atomkraft geschaffen werde. „Wir waren auf einem richtigen, wenn auch holprigen Weg aus der Atomkraft heraus. Ich hoffe, dass die aktuellen Ereignisse nicht zu einer Umkehr dieses Weges führen“, sagt der Gemmrigheimer Rathauschef. Man lebe Jahrzehnte mit dem Kraftwerk vor der Haustür, ob nun noch einige weitere Monate hinzu kämen, sei keine große Angelegenheit.

Kreishaus

Landrat Dietmar Allgaier hatte sich bereits im Vorfeld deutlich für eine Verlängerung der Laufzeit der AKW ausgesprochen, angesichts der Energiekrise. Nun sagt er, dass er die Entscheidung des Bundeswirtschaftsministers für einen Status als Notreserve bis April 2023 begrüßt. „Ich persönlich hätte mir vor dem Hintergrund der Versorgungssicherheit einen längeren Streckbetrieb gewünscht“, fügt Allgaier an. Die Notreserve-Lösung sei ein Mindestziel gewesen. Niemand wisse, wie sich der Krieg weiterentwickele und für die Menschen im Kreis und die Wirtschaft sei es wichtig, dass die Energieversorgung verlässlich bleibe. Ganz klar ist für Allgaier aber eins: „Im Gegensatz zu Herrn Söder bin ich nicht für einen Ausstieg aus dem Atomausstieg.“

AKW-Gegner

Bei den Gegner der Atomkraft sehen die Reaktionen auf die Regierungspläne weniger entspannt als in den Rathäusern vor Ort aus. In einer gemeinsamen Mitteilung kritisieren die Bürgerinitiativen an den drei AKW-Standorten Emsland/Lingen, Isar/Landshut und Neckarwestheim die Pläne für ein Weiterlaufen als Notreserve. Sie warnen vor einer faktischen Abkehr vom Atomausstieg. „Haarspaltereien über Begrifflichkeiten wie Streckbetrieb, Reservebetrieb oder Laufzeitverlängerung lehnen die Umweltinitiativen ab. Gefordert wird der Sofortausstieg“, heißt es in der am Dienstag verbreiteten Erklärung. Die nun beabsichtigte Regelung sei ein Wiedereinstieg in die Atomkraft durch die Hintertür.

Die Gegner weisen auch auf die Sicherheitsbedenken bezüglich der gefundenen Risse im GKN hin. Frank Ruppert

 
 
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