Analyse der Kirchheimer Ortsdurchfart Ziel: „Grüne Welle“ bei Tempo 30

Von Jürgen Kunz
Die Fußgängerampeln an der B27 sind für die Verkehrssicherheit wichtig, bremsen aber den Verkehrsfluss.⇥ Foto: Oliver Bürkle

Mit optimiertem Verkehrsfluss sollen Schadstoffe in der Kirchheimer Ortsdurchfahrt/B 27 reduziert werden.

Täglich mehr als 20 000 Fahrzeuge in der Kirchheimer Ortsdurchfahrt belasten die Anwohner. Mit Tempo 30 konnte der Lärm reduziert werden, allerdings gibt es viele Fußgängerampeln, die den Verkehr immer wieder bremsen und durch das Anfahren der Autos einen höheren Schadstoff-Ausstoß bewirken. Idealerweise müsste man die Ampeln koppeln, um 30 Stundenkilometer fahren zu können ohne fünf Mal anhalten zu müssen, erklärt Rolf Riecker, Sprecher der Bürgerinitiative, im Gespräch mit der BZ.

Die Bürgerinitiative hat zusammen mit der Gemeinde Kirchheim eine Schadstoffmessung beauftragt, um zu untersuchen, ob es an der Ortsdurchfahrt der B 27 Überschreitungen der Grenzwerte für Stickstoffdioxid gibt. Untersuchungen der Landesanstalt für Umweltschutz hatten aufgezeigt, dass die derzeit zulässigen Grenzwerte an Stickstoffdioxid mit 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel zeitweise erreicht wurden. Die mit den Messungen verbundenen Verkehrszählungen können minutengenau ausgewertet werden, so dass eine Zuordnung der Schadstoffbelastung zu Wochentagen und Uhrzeiten möglich ist. „Verschiedenste Zählungen in den letzten Jahren haben dokumentiert, dass die Zahl von täglich mehr als 20 000 Fahrzeugen, darunter viele Schwerlastwagen, ein Dauerzustand ist. Das ist auch für eine Ortsdurchfahrt einer Bundesstraße ein überdurchschnittlicher Wert“, so Riecker.

In einer neuen Datenanalyse des derzeitigen Verkehrsflusses soll untersucht werden, um insbesondere Verbesserungsmöglichkeiten für eine Verstetigung des Verkehrs durch Pförtnerampeln und neue Ampelschaltungen auch für Fußgänger und Radfahrer zu finden. Wenn dies gelänge, wäre eine Reduzierung der Schadstoffbelastung an der Ortsdurchfahrt möglich.

Moderne Messanlage

Seit Juli 2021 steht eine moderne Messanlage in einer Kooperation mit der Firma Bosch an drei neuralgischen Stellen in der 6000-Einwohner-Gemeinde und dokumentiert akribisch, welche Spuren die tägliche Verkehrslawine dort hinterlässt: Die drei rund 60 mal 40 „Immission Monitoring Boxes“ (IMB), in denen neben verschiedenen Gas- und Partikelsensoren auch Feuchte-, Temperatur und Drucksensoren verbaut sind, zeichnen unter anderem die Partikelbelastung und die Werte für Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid und Schwefel, aber auch die Luftfeuchtigkeit und die Umgebungstemperatur auf und sendet sie an eine Bosch-Datencloud.

Die Schwachstellenanalyse mit der Bosch in der jüngsten Gemeinderatssitzung beauftragt wurde, wird voraussichtlich ein halbes Jahr dauern. Dann werden Verkehrsplaner , Gemeindeverwaltung und Bürgerinitiative mögliche Lösungsansätze beraten. „Es darf keine Gruppenbenachteiligung geben, es gilt abzuwägen zwischen Autos, Lkw, Radfahrer und Fußgänger“, so der Sprecher der Bürgerinitiative.

„Nicht gelöst wird allerdings die weiter steigende Belastung durch den Durchgangsverkehr. Nur eine Umgehungsstraße kann Kirchheim davon entlasten“, betont Riecker.

 
 
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