Archäologie Sensationelle Funde aus der Steinzeit

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Archäologen der Universität Tübingen legen im April 2019 bei Hohenhaslach eine Plattenlage (Bildmitte) frei. An dieser Stelle lebten vor etwa 15 000 Jahren Steinzeitmenschen. ⇥ Foto: Martin Kalb

Bei Hohenhaslach haben Tübinger Archäologen im April 2019 so genannte Plattenlagen von Steinzeitmenschen gefunden. Die Wissenschaftler sind nach der Auswertung begeistert.

Im April 2019 hat ein Forscherteam der Universität Tübingen bei Hohenhaslach über 500 Fundstücke aus der Steinzeit ausgegraben (die BZ berichtete). Bereits damals war der Grabungsleiter Stefan Wettengl von der Fundstelle begeistert. Der Leiter des Forscherteams, Professor Dr. Harald Floss bestätigt nun, dass die Fundstelle bei Hohenhaslach für Süddeutschland einmalig ist.

Die Fundstücke können die Wissenschaftler mit großer Sicherheit auf das sogenannte „Magdalénien“ datieren, also auf die Steinzeit. Somit sind die Fundstücke rund 15 000 Jahre alt. Die Fundstelle ist nach Auskunft von Floss auch deshalb einmalig, weil aus dieser Zeit bislang hauptsächlich Funde aus Höhlen bekannt sind. Die Stelle bei Hohenhaslach sei als sogenannte Freilandfundstelle eine Rarität.

Es war der Zufall, der die Wissenschaftler nach Hohenhaslach führte:  Vermutlich förderten Wildschweine, beim Suhlen die uralten Zeitzeugen zutage. Diese fielen einem versierten archäologischen Sammler aus der Gegend beim Joggen auf. Er informierte die Wissenschaftler, die die Fundstücke begutachteten – und begeistert waren.

Rund zwei Wochen haben die Forscher im April 2019 den Waldboden penibel untersucht, die Fundstücke kartiert und mittlerweile zum Großteil auch ausgewertet. Die Funde sind mehr als vielversprechend.

Zu den Hohenhaslacher Fundstücken gehören eindeutig Feuerstein-Artefakte. Eine Sensation bei den Ausgrabungen, war, dass so genannte Plattenlagen entdeckt wurden. Die Steinzeitmenschen wollten in ihren Hütten oder Zelten nicht gerne auf matschigem oder lehmigem Boden leben und legten deshalb ihre Behausungen mit Steinplatten aus. Zwei solcher Plattenlagen in rundlicher Struktur können die Wissenschaftler nun bei Hohenhaslach nachweisen. Spannend ist, dass sie rund 50 Meter auseinanderliegen. Unklar ist momentan noch, ob die beiden Plattenlagen zusammengehören oder ob die Menschen sie vor rund 15 000 Jahren zu unterschiedlichen Zeiten nutzten. Die Wissenschaftler untersuchen derzeit, ob Fundstücke an den Plattenlagen eventuell sogar zusammengehören und somit einer Zeitschiene zugeordnet werden können. Falls dies der Fall sein sollte, könnte dies ein Indiz für eine steinzeitliche Siedlung an dieser Stelle sein. Das wollen die Archäologen klären und untersuchen die Fundstelle im kommenden Herbst weiter.

Die Stein-Artefakte stammen teilweise von der Schwäbischen Alb und aus der Oberrhein-Gegend bei Freiburg. Entweder haben die Menschen damals Handel mit diesen Regionen geführt oder die Gegenstände mitgeführt. Vielleicht war die Fundstelle bei Hohenhaslach früher ein Tauschplatz oder womöglich ein zentraler Platz, an dem sich die Menschen regelmäßig für Zusammenkünfte getroffen haben. All das hoffen die Wissenschaftler durch neue Funde klären zu können.

Mit Speerschleudern gejagt

Laut Harald Floss waren die Menschen zu dieser Zeit häufig in Familienverbänden in Gruppen von fünf bis zehn, maximal 20 Personen unterwegs. Das Leben in diesen Gruppen sei sehr strukturiert abgelaufen, schildert Floss. Die Steinzeitmenschen waren sehr gut organisiert und – selbst aus heutiger Sicht – nachhaltig im Umgang mit den natürlichen Ressourcen: Sie verwerteten zum Beispiel erlegte Tiere nahezu vollständig. Zähne, Sehnen und Fell wurden beispielsweise für Kleidung und Waffen verwendet.

Nach Aussage des Wissenschaftlers jagten die Menschen im Magdalénien-Zeitalter mit so genannten Speerschleudern.  Pfeil und Bogen wurden vermutlich erst später entwickelt. Diverse Werkzeuge fertigten die Steinzeitmenschen aus Geweihspitzen und Steinsplittern. Mit solchen Hilfsmitteln wurden unter anderem Tiere zerlegt, Felle gesäubert, Löcher gebohrt. Die Steinzeitmenschen stellten bereits Skulpturen und Schmuck her und bemalten Höhlenwände. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Steinzeitmenschen betrug rund 40 Jahre. Manche wurden sogar 70 Jahre alt. Die Steinzeitmenschen verfügten bereits über eine Bestattungskultur. Verstorbene wurden in der Erde begraben, teils sogar mit Grabbeigaben wie Schmuck und Steingeräten ausgestattet. Archäologen haben Gräber gefunden, bei denen Verstorbene unter einem Mammut-Schulterblatt lagen.

Das damals hier vorherrschende Klima in der Eiszeit beschreibt Floss als halbtrocken; teilweise vergletschert, mit Schnee und Regen, und eine offene Steppenlandschaft. Dies ermöglichte den Menschen eine schöne Aussicht ins heutige Kirbachtal, eventuell mit bestem Blick auf mögliche Beutetiere für die Jagd. Neben Fleisch ernährten sich die Steinzeitmenschen auch von Pflanzen und Beeren. Bevorzugte Beutetiere dieser Zeit waren das Mammut, Rentiere, Wildpferde, Auerochsen, Moschusochsen, Eisfüchse, Fische wie Forelle und Lachs.

Nun hoffen Harald Floss und sein Team auf weitere aufschlussreiche Funde bei den weiteren Grabungen im Herbst.

 
 
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