Bahnstrecke Stuttgart-Karlsruhe S-Bahn oder doch Regionalzug?

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Ein Metropolexpress in Sachsenheim. "Ich habe vor Kurzem auch mal einen schönen neuen Zug gesehen", scherzte VCD-Landeschef Matthias Lieb.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Im Tender in Großsachsenheim erklärten und erörterten Matthias Lieb vom VCD und der Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen die Probleme auf der Strecke Stuttgart-Karlsruhe.

S-Bahn-Verlängerung bis Vaihingen oder doch lieber funktionierender Regionalverkehr? Auf diese Frage spitzte es sich am Dienstagabend im Tender in Großsachsenheim zu. Der Verein Ibisa hatte zur Podiumsdiskussion „Bummelbahn oder verlässlicher Schienenverkehr? – Lage und Aussichten auf der Linie Stuttgart-Sachsenheim-Karlsruhe“ geladen. Referenten waren Matthias Lieb, Landesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und Daniel Renkonen, Landtagsabgeordneter der Grünen.

Angesichts des Zündstoffs, den das Thema birgt, war das Interesse am prominent besetzten Abend eher gering: Nicht einmal 20 Leute kamen. Seit dem Betreiberwechsel von Deutsche Bahn auf Abellio beziehungsweise Go Ahead (Schnellverbindung Stuttgart-Vahingen) häufen sich Beschwerden und Pannen. Auch der neue Fahrplan steht in der Kritik. Entsprechend schnell wurde es hitzig in der kleinen Runde.

Viele Klagen

Matthias Lieb, eigentlich ja auf der Seite der Fahrgäste, konnte kaum seinen Vortrag zu Ende führen, wurde bei den vielen Klagen der Besucher fast zum Verteidiger für das kriselnde Schienennetz. „Das läuft alles nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagte er. Dass das vom VCD vor vielen Jahren ausgearbeitete City-Bahn-Konzept mit dem Metropolexpress zwischen Stuttgart und Pforzheim teilweise umgesetzt wird, hält er grundsätzlich für richtig. Mit Blick auf die Versäumnisse im Schienenverkehr der letzten Jahrzehnte sowie die Lieferschwierigkeiten und Pannen bei den neuen Zügen meinte er: „Vielleicht müssen wir noch ein bisschen Geduld haben.“ Denn grundsätzlich werde die höhere Anzahl an schnellen Zügen zwischen Karlsruhe und Stuttgart „gut nachgefragt“.

Seine Beobachtung, es werde langsam besser, teilten die Zuhörer nicht. „Man muss ja dankbar sein, wenn man nur zehn Minuten zu spät kommt“, schimpfte eine. Eine weitere berichtete von Türen, die sich nicht öffneten. Mehrmals sei sie so gezwungen gewesen, bis Vaihingen zu fahren: „Und dann habe ich auch noch ein Ticket wegen Schwarzfahrens verpasst bekommen.“ Lieb präzisierte seine Aussage: „Es ist auf einem niedrigen Niveau, aber es war anfangs noch schlimmer.“ Er verwies auch auf den Lokführermangel und attackierte den ehemalige Bahn-Chef  Rüdiger Grube: „Der hat vor drei Jahren gesagt, dass wir heute schon vollautomatisch fahren. Da hat natürlich kaum noch einer Lokführer lernen wollen.“

Renkonen  betonte bezüglich unterschiedlicher Betreiber auf dem Streckennetz: „Wir haben über 100 Schnittstellen. Da müssen wir ebenfalls ansetzen.“ Das mache sich zum Beispiel bei der Frage bemerkbar, welcher Zug wie lange auf welchen wartet, erklärte Lieb: „Früher hat DB Netze das koordiniert. Jetzt sollen die Unternehmen selbst entscheiden. Das funktioniert nicht.“

„Die Schnauze voll“

Ein Zuhörer wetterte: „Ich habe die Schnauze voll. Ich fahre nach Bietigheim ins Parkhaus und nehme von dort die S-Bahn. Die funktioniert.“ Genau darauf spitzte sich die Diskussion dann auch zu. Lieb stellte die Frage in den Raum: „Was wäre Ihnen den grundsätzlich lieber: S-Bahn-Verlängerung oder funktionierender Regionalverkehr? Er selbst halte den Regionalzug für die bessere Lösung. Da stimmten zumindest die wenigen Teilnehmer des Abends zu. Eine Dame meinte: „Ein schneller, funktionierender Zug ist die beste Lösung.“ Ein Zuhörer ergänzte: „Bis vor zwei Jahren hatten wir ein gutes System, auf das man sich verlassen konnte.“ Er befürchtete bei einer S-Bahn-Verlängerung neue Probleme.

Renkonen verteidigte seine Forderung nach einer S-Bahn-Verlängerung nach Vaihingen. „Ich bin der Meinung, dass das die Lösung ist. Das sollten wir politisch angehen und schauen, was da möglich ist. Das muss unser mittelfristiges Ziel sein. Dann hätten wir auf jeden Fall eine halbwegs verlässliche Verbindung.“ Zwar müsste man dafür Bahnsteige umbauen, bräuchte aber laut VVS nicht viele neue Fahrzeuge. Auch den neuen 15-Minuten-Takt hob er als positiv hervor. „Da muss ich gar nicht mehr auf den Fahrplan schauen.“ Allerdings blieb unklar, ob dieser Takt auch auf Abschnitten hinter Bietigheim gehalten werden könnte, auf denen teilweise weniger Schienen zur Verfügung stehen.

Verbesserungen im Fahrplan

Renkonen versprach auch Verbesserungen am Fahrplan. Eine Umstiegszeit von teilweise drei Minuten in Vaihingen hätte sich als nicht realisierbar herausgestellt. Auch Direktverbindungen von Stuttgart nach Karlsruhe werden wieder geprüft, ergänzte Lieb: „Wir haben eingesehen, dass das notwendig ist.“ Allerdings kommt das wohl erst Ende des Jahres, wenn die Schnellfahrstrecke zwischen Mannheim und Stuttgart saniert ist. Zunächst bringt das aber Einschränkungen auf der Residenzbahn mit sich.

Renkonen warnte: „Je schlechter wir über den Zugverkehr reden, desto mehr setzt sich das in den Köpfen fest.“ Für die Grünen sei das „eine Gratwanderung“. Denn: „Wir müssen auf die Bahn setzen, wenn wir die Klima- und Verkehrswende wollen. 50 Prozent des CO2-Ausstoßes im Land kommen vom Individualverkehr.“

 
 
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