Barockschloss Restaurierung läuft auf Hochtouren

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Zur Zeit ist das Schloss eingerüstet. Auf dem Foto ist ein Blick auf die Südseite zu sehen. Im Inneren schreitet die dreijährige Restaurierung voran. ⇥ Foto: Oliver Bürkle

Aktuell ist das Ludwigsburger Residenzschloss eingerüstet. Neben den großen Restaurierungsarbeiten im Inneren des Neuen Corps de Logis, wird auch außen gearbeitet.

Am Mittwoch meinte es der Wettergott gut mit dem Kreis Ludwigsburg. Bei strahlendem Sonnenschein präsentierte sich das barocke Residenzschloss von seiner schönsten Seite – zumindest soweit es das aktuell kann. Denn zur Zeit werden Restaurierungsarbeiten im Inneren durchgeführt – nun ist der Prunkbau auch außen eingerüstet.

Dreijährige Umbaumaßnahmen

Zur Erinnerung: Statt wie geplant 2020, nach kurzer Umbauphase, wieder zu öffnen, gab die Schlossverwaltung bekannt, dass sich die Maßnahmen ganze drei Jahre, also bis in den Sommer 2023, ziehen werden (die BZ berichtete).

Der Grund: Ludwigsburg ist nicht nur das einzige Schloss in Europa, das vollkommen erhalten ist und nie zerstört wurde, sondern es sind auch Original-Mobiliar und Inventarlisten erhalten. Anhand dieser Listen können die Räume rekonstruiert und in den Originalzustand von vor 200 Jahren zurückversetzt werden. Bislang wurden die Objekte (Möbel, Gemälde, Kunsthandwerk und Porzellane) dekorativ im Schloss verteilt und zum Teil im Magazin eingelagert. Nach eingehendem Studium der Listen, weiß die Oberkonservatorin Dr. Patricia Peschel inzwischen, „wo nahezu jeder Blumentopf stand“. Die repräsentativen Wohnräume König Friedrichs I. von Württemberg und seiner Frau Charlotte Mathilde können daher wieder so hergerichtet werden, wie sie das erste württembergische Königspaar kannte. Vor allem die originale Ausstattung mit Textilien, wie Vorhängen und Möbelbezügen, werde laut Schlossverwaltung für einen authentischen Raumeindruck sorgen, denn früher waren nicht Gegenstände, sondern Textilien Ausdruck von Reichtum.

Durch Originale und Nachwebungen nach originalen Stofffragmenten bestehe die Möglichkeit, alle 56 Fenster in den 35 königlichen Räumen und eine Vielzahl von Polsterbezügen wieder vollständig rekonstruieren zu können. Eine wahre Besonderheit, Ludwigsburg werde dadurch zum Standard in Sachen Restaurierung, sagte Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, in einem Pressegespräch, als der überaus aufwändige und einzigartige Umbau angekündigt wurde. Aktuell liege die Hauptarbeit bei den Restauratoren. „Wir haben vor allem logistischen Aufwand“, sagt Peschel. Ausschreibungen, das Einholen von Angeboten und Vergaben stünden aktuell an. Vor allem der Transport der Original-Kunstwerke in die zum Teil externen Werkstätten sei ein wichtiges und heikles Thema. Im Schloss selbst laufe größtenteils Recherchearbeit, etwa wegen den Stoffen. „In jedem Raum gab es eine andere Fensterdekoration“, sagt die Oberkonservatorin.

„Wenn der Corps de Logis aktuell eh schon im Inneren restauriert wird, wollten wir auch gleich die notwendigen Arbeiten an den Fenstern erledigen lassen“, erklärt Stephan Hurst, Leiter der Schlossverwaltung, die derzeit eingerüstete Südfassade des Schlosses. Damit man nicht von außen anfange, wenn Innen bereits alles fertig sei. „Wenn die Fenstersanierung abgeschlossen ist, warten wir auf die Freigabe durch das Amt für Vermögen und Bau“, erklärt Peschel. Nach der Reinigung werde dann ein moderner Lichtschutz angebracht, auf diesen folgen Barchent-Rolleaus, eine Leinwandmischung, die im 19. Jahrhundert als Lichtschutz verwendet wurde. „Darüber sind wir sehr froh“, so Peschel, denn dadurch sei der moderne Lichtschutz von Innen nicht mehr sichtbar.

Das Budget für die Umbau- und Restaurierungsmaßnahmen beträgt 4,6 Millionen Euro.

 
 
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