Bean Market eröffnet in Löchgau Vom Kaffeeverweigerer zum Kaffeeröster

Von Gabriele Szczegulski
Zdravko Slemenseks selbst entwickelte und gebaute Kafferöstmaschine ist computergesteuert und energieeffizient.⇥ Foto: Martin Kalb

In der alten Nagelfabrik eröffnet am 4. Dezember die Kaffeerösterei Bean Market von Zdravko Slemensek.

Fast 30 Jahre lang trank der Löchgauer Zdravko Slemensek gar keinen Kaffee. Er vertrug ihn einfach nicht, bekam zittrige Hände und ihm wurde schwindlig. Also verzichtete der heute 56-Jährige einfach darauf. Aber seine Lebensgefährtin nicht. Ihr schenkte er sogar zum Geburtstag vor einigen Jahren eine teure und qualitativ hochwertige Kaffeemaschine. Und als Informationselektroniker und Informatiker ging der Löchgauer sehr akribisch vor, auf der Suche nach der optimalen Maschine. Damit begann die Wandlung Slemenseks vom Kaffeeverweigerer zum Kaffeeröster.

„Nachdem ich die richtige Maschine hatte, merkte ich, dass es auch auf den Kaffee ankommt und dass ich vor allem industriell gerösteten Kaffee nicht vertrage“, sagt Slemensek. Also machte er sich auf die Suche nach dem idealen Kaffee. „Ich bin einfach so, bei mir wird alles recherchiert, untersucht, ausprobiert, bis ich das für mich richtige Ergebnis habe“, sagt er.

Er fand heraus, dass vor allem die Art der Röstung und anschließende Mischung der Kaffeebohnen den Ausschlag macht, ob und wie ein Kaffee schmeckt, ob er bitter ist oder nicht, ob er sehr viel Säure hat oder nicht. Der Löchgauer wurde innerhalb von drei Jahren zum Kaffeespezialisten. 2017 machte er dann eine Ausbildung zum Kaffeeröster, fing mit einem kleinen Röster an. Und auch hier legte er Perfektionismus an den Tag: Er baute seinen eigenen Kaffeeröster, erst einen kleinen, dann einen, in dem bis zu acht Kilo Bohnen geröstet werden können. „Ich entwarf den Kaffeeröster, jedes Blech, jede Schraube brachte ich an“, sagt Slemensek. Alles, was er in seiner Rösterei benutzt, sogar die Waagen, werden computergesteuert und sind auf das Miligramm genau. „Wozu bin ich schließlich von Beruf Informatiker“, so Slemensek.

„Das war der Moment, in dem ich die Entscheidung traf, dass aus dem Hobby eine Profession und in der Rente ein Standbein werden könnte“, so Slemensik, der als Informatiker beim Regierungspräsidium Tübingen arbeitet. Nach unzähligen Experimenten und Röstdurchläufen war der Bean Market geboren. „Ich möchte Kaffee rösten und anbieten“, sagt er. Er fand in der Nagelfabrik ein kleines Büro, das er zur Kaffeerösterei umfunktionierte. Seither weht jedem, der in den Hof der Nagelfabrik läuft, ein Hauch von Kaffee und weiter Welt entgegen, wenn Slemensek Bohnen aus Ecuador, Brasilien, Honduras oder Bolivien röstet.

In seine Röstmaschine kommen aber nur biologisch und nachhaltig angebaute Bohnen von kleinen Kaffeefarmern, die dem internationalen Verbund Direct Coffee angehören. „Kaffee muss um die halbe Welt fliegen, damit wir ihn bekommen, das ist nicht sehr nachhaltig,  deswegen ist es mir wichtig, dass er am Herkunftsort ökologisch angebaut wird.“ Slemensek verwendet nur natürliche Bohnen, die an der Sonne getrocknet sind und kaum gewaschen wurden, so also wenig Wasser verbraucht haben.

Derzeit verwendet er die drei Kaffeesorten Arabica, Canephora und Liberica aus verschiedenen Anbaugebieten. Aus diesen produziert er bisher sechs Sorten Kaffee, die es ab 4. Dezember bei ihm zu kaufen gibt. Später sollen es bis zu 15 Sorten werden, auch Kaffeepads soll es geben. Gemahlen werden die gerösteten Bohnen erst kurz vor dem oder beim Verkauf. So bleibe der Geschmack erhalten.

„Bei mir ist alles Handarbeit. Um genügend Kaffee für die Eröffnung zu haben, habe ich mir extra Urlaub genommen“, sagt Slemensek, der sein Wissen auch gerne weitergibt. Seine Bohnen werden bei 240 Grad Hitze zwölf bis 16 Minuten, je nach Geschmack, geröstet, Espressobohnen maximal 25 Minuten. Industriell verarbeiteter Kaffee wird nur ein paar Sekunden bei 650 Grad geröstet. Die schnelle Röstung überdeckt den Bitterstoff- und Säuregeschmack, aber beides ist noch drin und „sorgt bei mir für zittrige Hände und Übelkeit“, so Slemensik.

Kaffee testen und verkosten

Die Qualität hat ihren Preis. So kosten das Kilo Kaffee im Bean Market zwischen 23 und 40 Euro. Slemensik verkostet auch vor Ort seinen Kaffee mit den Kunden. In seinem kleinen Geschäft hat er eine Kaffeemaschine, sowie weiteres Zubehör, um guten Kaffee zu machen. Was sagt der Experte: Wie gefertigt schmeckt der Kaffee am besten? „Immer noch mit einem Porzellanfilter und richtig guten Filtertüten oder einem nachhaltigen Edelstahlfilter, der keine Tüten benötigt“, sagt Slemensik. Und immer erst kurz vor Zubereitung gemahlen. Doch es gebe auch sehr gute Maschinen, sogar für Pads, die „erstklassigen Kaffee machen, wenn der Kaffee gut ist“, sagt er und bietet in seinem Laden an, die verschiedenen Möglichkeiten zu testen.

Info Zdravko Slemensek eröffnet am Samstag, 4. Dezember, 9 bis 13 Uhr, seinen Bean Market in der Besigheimer Straße 1, in der Nagelfabrik, in Löchgau. Die Öffnungszeiten sind danach immer freitags, von 13 bis 19 Uhr, und samstags, von 8.30 bis 13 Uhr.

www.beanmarket.de

 
 
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