Bebauung von Areal in der Besigheimer Bahnhofstraße Anwohner wehren sich früh

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Um dieses Gelände zwischen der Bahnhofstraße und den Reihenhäusern an der Steinbachstraße (links) geht es. Mit einem Bebauungsplan will die Stadt Besigheim die Bebauung regeln.⇥ Foto: Martin Kalb

Die Stadt hat unter Ausschluss der Öffentlichkeit einen Rahmenplan erarbeitet, der als Grundlage für einen Bebauungsplan in einem Areal an der Bahnhofstraße dient. Das schürt Ängste und Misstrauen.

Wir möchten den Gemeinderat und die Verwaltung davor warnen, einen nicht hinreichend bestimmten Bebauungsplan aufzustellen, um Investoren freie Hand zu lassen.“ Mit diesen Worten wenden sich Anwohner in der Besigheimer Bahnhofstraße gegen ein öffentliches Verfahren, dass die Bebauung des Areals zwischen Bahnhofstraße, Gustav-Siegle-Straße, Steinbachstraße und dem Enzweg regeln soll.  Wortführer sind Ulf Schülert und Reiner Pfitzenmaier, die darauf drängen, die Belange der unmittelbar angrenzenden Nachbarn zu berücksichtigen.

Anlass der Sorgen ist eine Bauvoranfrage eines Eigentümers vor etwas mehr als zwei Jahren, der wesentliche Teile des Areals besitzt. Darin sei im rückwärtigen Teil des Areals eine viergeschossige Bebauung bis auf die Grenze der Nachbargrundstücke vorgeschlagen worden, erinnert sich Schülert mit Schrecken. Die Folge: „Wir hätten eine Mauer vor uns gehabt.“

Diese Pläne stießen damals im Landratsamt auf Widerspruch, der angesichts des Ausmaßes einen Bebauungsplan anregte, erinnert sich Heike Eckert-Maier, Beigeordnete und Leiterin des Stadtplanungsamtes in Besigheim. Die Stadt reagierte darauf mit der Entwicklung eines Nutzungskonzepts, zunächst in Form  eines Rahmenplans, der jetzt als Grundlage für einen Bebauungsplan dienen soll. Den Beschluss, einen Bebauungsplan aufzustellen, fällte der Gemeinderat im März diesen Jahres. Das gesamte Areal ist Teil des Sanierungsgebiets „Stadtkern IV“, Investoren können also mit öffentlichen Zuschüssen rechnen, soweit es Sanierungen von Gebäuden betrifft.

Was die Anwohner stutzig macht und fürchten lässt, den Investoren werde „freie Hand“ gelassen: Der Rahmenplan wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten und verabschiedet. Der Plan zieht Baugrenzen in dem Areal, erlaubt eine bis zu dreigeschossige Bebauung und lässt Platz für Gemeinschaftsflächen und Spielplätze. An der Ecke Bahnhofstraße und Enzweg ist ein Hotel oder Wohn- und Geschäftshaus eingezeichnet. Im Bebauungsplanverfahren sollen die Fläche für Wohnen, Dienstleistung und Handel erschlossen werden und ein „angemessen nutzbares Freiraumangebot“ sichergestellt werden.

Der Rahmenplan sei unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten worden,  „um gerade keine Beeinflussung von Dritten, bzw. Investoren in das Konzept einfließen zu lassen“. So reagierte Bürgermeister Steffen Bühler schriftlich auf die Befürchtungen der Anwohner. Der Plan beruhe alleine auf städtebaulichen Gesichtspunkten, „die eine sinnvolle und verträgliche Nachverdichtung ermöglichen sollen“, so der Bürgermeister.

Ihren offenen Brief und die Forderung nach angemessener Beteiligung sehen die Anwohner vorerst als „reine Vorsichtsmaßnahme“, sagte Ulf Schülert im Gespräch mit der BZ. Aus Vermessungsarbeiten auf dem Gelände ziehen sie den Schluss, dass der Eigentümer, der die Bauvoranfrage gestellt hatte, gemeinsam mit einem zweiten Grundstücksbesitzer „gemeinsame Sache“ machen.

Schülert wundert sich über die Planungen einer Tiefgarage, während den Eigentümern der angrenzenden Einfamilienhäuser zur Steinbachstraße hin ein Keller aus Gründen des Hochwasserschutzes versagt worden sei. Er befürchtet auch Bauschäden an seinem Haus aus dem Jahre 1870 als Folge von Bauarbeiten in der Nachbarschaft. Alles andere als eine „faire Diskussion“ mit den Anwohnern würde „zu schwerwiegenden Abwägungsfehlern und zu einer unnötigen Verschiebung der Realisierung von Wohnungen führen“, sagen Schülert und Pfitzenmaier.

Infoveranstaltung folgt

Längst war eine öffentliche Informationsveranstaltung geplant, sie sollte am 2. April stattfinden, entgegnet Bürgermeister Steffen Bühler, doch dieser Termin musste wegen des Corona-Virus abgesagt werden. Der Bebauungsplan werde jedoch erst mit weiteren Entscheidungen des Gemeinderats fortgeführt, „wenn die Gespräche und der Meinungsaustausch mit den Anwohnern und Eigentümern stattgefunden haben“, versichert er.

 
 
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