Besigheim Steg über die Enz vorerst vom Tisch

Von Heike Rommel
Der Gemeinderat behält sich die weitere Realisierung der Pläne für die Brücke noch vor.  Foto: /Oliver Bürkle

Der Gemeinderat hat die Umsetzung der landschaftsarchitektonischen Plänen zunächst auf Eis gelegt und keine Bauarbeiten vergeben.

Club L 94 Köln wird beauftragt, die Ausführungsplanung des vorgelegten Entwurfs zu erstellen“. Planen darf der Landschaftsarchitekt für den Nordpark weiter – mehr aber auch nicht. Das hat der Besigheimer Gemeinderat am Dienstagabend in der Stadthalle Alte Kelter beschlossen. Die Brücke für Fußgänger und Fahrradfahrer ist damit erst einmal vom Tisch.

Der Sitzung ging eine einstündige Bürgerfragestunde voraus, in der sich Menschen aus der Mitte des Arbeitskreises Enzufer fragten, ob der Gemeinderat im Ernst ein Projekt in dieser Dimension weiterhin vorantreiben wolle, denn bei knapp über vier Millionen Kosten für den zu wenig naturgemäßen und zu wenig nachhaltigen Nordpark würde es ja nicht bleiben.

Boule und Bike-Station

Professor Burkhard Wegener, Gründer des Landschaftsplanungsbüros Club L 94 Köln, ging nach der Vorstellung seiner bereits bekannten Entwürfe mit dem Mikrofon in die Nähe der Bürger und erklärte, mit einer Brücke vom Nordpark in den Südpark wolle er Bewegung in die Verbindung der Besigheimer Stadtgesellschaft bringen. Der Nordpark solle ein großer, stadtnaher Erholungspark werden auch für Feste, zu denen Radtouristen den Weg in die Altstadt finden könnten. Wegener zeigte Entwürfe von Blumenwiesen unterhalb einer Baumkante als „Rücken“ für die Wiesen und Uferstauden an der Enz als Ergänzung zu dem, was sowieso schon wachse. Offene Rasenflächen habe er als Freispielraum für Kinder und Jugendliche und nicht nur als Hundeausführflächen gedacht. Natürlich würden sich schon wieder einige darüber aufregen, dass sich Jugendliche einen Stuhl nehmen und an den von ihm geplanten Treffpunkt unter der B 27-Brücke namens „under-the-bridge“ setzen könnten, führte Professor Wegener weiter aus. An der angedachten Badestelle mit historischem Bezug zum Flößersteg könnten es eben dann nicht die 90-Jährigen sein, die in die Enz springen. Es gäbe dann ja auch noch ein Kneipp-Becken. Auf der Parkterrasse Boule spielen, eine Bike-Station für Radler und Gelegenheit für eine Pause im Biergarten: So stellt sich Wegener den Nordpark auf Inklusion und Zusammenführung aller Generationen Besigheims vor.

„Nicht naturnah genug“

„Der kleine Bruder Nordpark des Südparks ist mir nicht naturnah genug“, meinte Manfred Hiller (Fraktions-Bündnis) während der Debatte über den Nordpark im Gemeinderat. „Zu wenig Natur, zu viel Struktur und zu viele Kosten“, kritisierte er. „Man merkt, dass die Planung schon über zehn Jahre alt ist“, meinte Hiller, den geplanten Keltersteg halte er nicht mehr für zeitgemäß. Friedrich Köhler (FWV) regte an, erst einmal die Straßenverkehrslage Besigheims zu prüfen, bevor der Bus- und Autoverkehr für den Nordpark dicht gemacht wird. Helmut Fischer (BMU) kam auf die von Wegener genannten aktuell etwa 3,4 Millionen Kosten für den Nordpark zu sprechen, die plus 20-prozentiger Kostensteigerung ja bereits bei 4,08 Millionen Euro lägen. „Wir müssen ohne Brücke (Keltersteg) mit mehr als fünf Millionen Euro rechnen“, sagte Fischer, beim Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung in Sachen Vergabe von Bauarbeiten für den Nordpark müsse er „leider die Spaßbremse betätigen“.

Planung auf Eis legen

Politik, so Fischer weiter, beginne beim Betrachten der Realität und die Bürger könnten nicht einfach so tun, als gäbe es kein Morgen. Er plädierte dafür, die weiteren Nordpark-Planungen auf Eis zu legen und nur noch noch den Übergang vom Süd- in den Nordpark umzusetzen. Auch er könne einer von der Stadtverwaltung favorisierten Ausschreibung von Bauarbeiten nicht zustimmen.

Bürgermeister Steffen Bühler hielt mit 60 Prozent Fördergelder für einen Keltersteg dagegen und stellte weitere Fördergelder in Aussicht. Er halte es für falsch, zu sagen, „wir verzichten auf Stadtqualität wegen der Weltlage“.

„Krieg vor der Haustür“

„Wir haben einen Krieg vor der Haustüre“, schaute Dr. Anne Posthoff (BMU) voraus, dass sich auch Besigheim für die Flüchtlinge aus der Ukraine zu engagieren habe. Posthoff fragte: „Wo ist das Problem, zu sagen, wir frieren den Bau des Nordparks jetzt erst einmal ein?“ In diesem Sinne erging dann auch schließlich der Beschluss des Besigheimer Gemeinderats, der sich über die Realisierung der Pläne Burkhard Wegeners weitere Beratungen vorbehält.  Heike Rommel

 
 
- Anzeige -