Pflegeheim in Bietigheim-Bissingen Streit um Obst eskaliert – Mann stirbt

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Am Heilbronner Landgericht wird derzeit beraten, ob ein 57-Jähriger weiterhin in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht bleibt. Der Beschuldigte habe einen Bewohner eines Pflegeheims in Bietigheim-Bissingen geschlagen. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Ein 57-Jähriger schlug einen Mann, der infolge starb. Das Gericht entscheidet nun, ob er in eine Psychiatrie kommt.

Ein Streit um Obst eskalierte am 4. April 2020 in einem Bietigheim-Bissinger Pflegeheim derartig, dass einer der Bewohner dem anderen zweimal mit der Faust ins Gesicht schlug. Das 89-jährige Opfersoll durch die Schläge eine Hirnblutung erlitten haben, der Mann starb am 7. April letzten Jahres. Der mutmaßliche Schäger, ein 57-Jähriger, steht seit Donnerstag in einem Sicherungsverfahren vor dem Heilbronner Landgericht wegen Körperverletzung mit Todesfolge. In dem Prozess soll geklärt werden, ob die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus erforderlich ist.

Jahrelanger Alkoholmissbrauch

Die Staatsanwältin sagte in der Anklageschrift, dass der 57-Jährige „für die Allgemeinheit gefährlich ist“. Das liege am amnestischen Syndrom, an dem er leide. Dadurch sei er nicht in der Lage gewesen, die Tat und ihre Folgen abzuschätzen. Der gebürtige Ludwigsburger schweigt zur Tat, da er keine Erinnerungen mehr daran habe, so sein Verteidiger. Gedächtnislücken seien ebenfalls Symptome des Syndroms und des jahrelangen Alkoholmissbrauchs des Beschuldigten.

Seine Gedächtnislücken zeigten sich während der Befragung immer wieder. Seine Betreuerin erklärte, dass er 2003 zunächst in einer psychiatrischen Klinik in Ludwigsburg untergebracht war und dann in verschiedenen Pflegeeinrichtungen. Aus einem dieser Heime flog er, weil er einem Mitbewohner gegen das Schienbein getreten haben soll. 2018 kam er ins Bietigheim-Bissinger Heim. Nach dem Streit mit Todesfolge wurde der 57-Jährige erneut in eine Klinik nach Ludwigsburg verlegt, wo er einen Patienten gewürgt haben soll.

Eine Altenpflegerin aus dem Bietigheim-Bissinger Heim berichtet, dass er ihr gegenüber immer freundlich gewesen sei, doch irgendwann verweigerte er die Einnahme seiner Medikamente und wurde verbal aggressiv. Er sei unsicher und unzufrieden geworden, sagte die 40-Jährige. Sie beschreibt das Opfer als Einzelgänger, der schwer zugänglich gewesen sein soll. Die Tochter des Verstorbenen, der im Rollstuhl saß, bestätigte dies. Er sei ruhig gewesen, blieb meist in seinem Zimmer. Am 23. Februar geht es unter anderem weiter mit der Befragung der Polizisten.

 
 
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