Bietigheim-Bissingen Von Klimaschutz bis Jugendpolitik

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BZ-Wahlforum zur OB-Wahl in der Kelter: Frage eines Zuschauers.⇥ Foto: Martin Kalb

Am Donnerstag in der Alten Kelter wurden die Kandidaten mit einer Reihe von Sachfragen konfrontiert.

Neben Fragen zur Persönlichkeit mussten sich Oberbürgermeister Jürgen Kessing und sein Herausforderer Stephan Muck für die OB-Wahl am 8. März beim BZ-Wahlforum am Donnerstag in der Alten Kelter mit einer Reihe von Sachfragen aus den Reihen des Publikums auseinandersetzen.

Klimaschutz Marcel Hoffmann, der Sprecher der Grünen in Bietigheim-Bissingen, wollte von OB Jürgen Kessing wissen, welche Impulse dieser für den Klimaschutz  bei einer Wiederwahl setzen wolle. Kessing antwortete, die Stadt habe bereits Schwerpunkte in dieser Richtung gesetzt. Er nannte als Beispiel den Preis für wildbienengerechtes Agieren, den Bietigheim-Bissingen erhalten habe.

Im neuen Baugebiet Bogenviertel sei geplant, dass die Stadtwerke nicht nur Wärme, sondern auch die Kühlung für die Gebäude liefern. Es werde mehr Fassaden- und Dachbegrünung geben, so der Oberbürgermeister. Aber auch die Stadtverwaltung gehe mit gutem Beispiel voran, so Kessing. Zehn Pedelecs seien bereits im Einsatz, zehn weitere würden beschafft. Für Flugreisen sei eine Kompensation durch Baumpflanzungen und Dritte-Welt-Projekte beschlossen worden. „Wir drehen an vielen kleinen Stellschrauben“, so Kessing, in der Summe sei das „eine ganze Menge“.

Herausforderer Stephan Muck führte an, dass er als Wengerter schon durch seinen Beruf von den klimatischen Veränderungen betroffen sei. Die Lese passiere immer früher, andererseits könne man „tolle Rotweine“ erzeugen. Auch er machte auf das aufmerksam, was für den Klimaschutz bereits geleistet wurde und nannte insbesondere die Blockheizkraftwerke der Stadtwerke, den Einsatz von Holzhackschnitzeln, Biogas und Fernwärme.

Auch die Zukunft des Steinbruchs Fink wurde beim BZ-Wahlforum thematisiert. Kessing sagte, der Steinbruch werde aufgefüllt, um künftig wieder Flächen für Landwirtschaft und Natur zu erhalten. Die Petition des Makadamwerks Schwaben auf Weiterbetrieb beim Petitionsausschuss des Landtags sei abgelehnt worden (die BZ berichtete). Mit Stephan Muck gab es in dieser Frage keinen Dissens.

Hochwasserschutz Michael Grießer brachte erneut das Thema Hallenbad aufs Tapet. Er hatte in der Vergangenheit einen möglichen Alternativstandort auf dem Ernst-Silcher-Platz ins Spiel gebracht, den die Stadt aus Gründen des Hochwasserschutzes ablehnt. Kessing entgegnete: „Da gibt’s keinen Sinneswandel.“ Es gebe klare Vorschriften, „die Aufsichtsbehörden würden uns zwischen die Hörner gehen“, würde man dorthin bauen. Außerdem sei ein Neubau im Ellental auch aus wirtschaftlichen Gründen besser. Das sieht im Übrigen auch Stephan Muck so, der in der Veranstaltung betonte, er habe die Diskussion bei den Stadtwerken – die für die Bäder zuständig sind – von Anfang an als Mitglied des Aufsichtsrats mit begleitet.

Jugendpolitik Christian Akgül stellte die Frage in den Raum, wie die Jugend besser einbezogen werden könne. Muck sagte, die Stadt sei bei Jugendangeboten „gut aufgestellt“. Er sei 15 Jahre Mitglied im Jugendausschuss gewesen, habe die Einstellung von Streetworkern mit initiiert. Gut wäre ein Jugendcafé mit schnellem Internet, so der OB-Kandidat. Er bemängelte, dass derzeit das Jugendhaus im Buch leerstehe und regte an, dieses vielleicht als Treffpunkt oder Partyraum zu nutzen. Kessing verwies in seiner Antwort auf regelmäßige Befragungen durch die Verwaltung. Auf Wunsch der Jugendlichen sei eine „Pump-Track“-Anlage gebaut worden, hinzu komme eine „Dirt Track“. Es gebe kostenloses W-Lan, und Bietigheim-Bissingen sei mittlerweile die „heimliche Rapper-Hauptstadt“. Außerdem höre er von Jugendlichen, dass diesen vor allem die Anbindung an Stuttgart wichtig sei. Zum Buch-Jugendcafé erklärte der Oberbürgermeister, dieses sei jahrelang nicht gefragt gewesen. Jetzt brauche man es wahrscheinlich für die Kinderbetreuung.

Wechselstimmung? Ein Zuschauer wollte von Stephan Muck wissen, warum man einen Wechsel an der Rathausspitze brauche, schließlich spiele die Stadt mit Jürgen Kessing in der Champions League. Der Herausforderer nahm den Ball auf und erklärte, dass auch im Sport nach Jahren mit dem gleichen Trainer eine Abnutzung eintrete. Er wolle neue Impulse setzen, es gebe, wie auch von der CDU beklagt, einen „gewissen Stillstand“ in der Stadt. Der Amtsinhaber hielt dem kurz und knapp eine andere Sportweisheit entgegen: „Never change a winning team“ (wechsle nie eine Mannschaft, die am Gewinnen ist).

 
 
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