Bietigheim Steelers Volker Schoch im Interview: „Jetzt muss eine Reaktion kommen“

Von Andreas Eberle
Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch fordert von der Mannschaft ein anderes Gesicht als zuletzt. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch spricht im Interview über die aktuelle Misere, den Kollaps von Torwart Cody Brenner, das anstehende Comeback von Sami Aittokallio und die Leistung der Ausländer.

Nach den drei Pleiten gegen Iserlohn, Düsseldorf und Nürnberg sind die Bietigheim Steelers an diesem Dienstag (19.30 Uhr) im DEL-Kellerduell gegen die Augsburger Panther gefordert. Im Interview mit der BZ nimmt Geschäftsführer Volker Schoch das Team in die Pflicht und mahnt zur Gelassenheit.

Die wichtigste Frage vorneweg: Wie geht es Torhüter Cody Brenner?

Volker Schoch: Cody ist seit Montagnachmittag wieder zu Hause in Bietigheim. Im Krankenhaus in der Nähe der Nürnberger Arena ist er eingehend untersucht worden – kardiologisch und mit Ultraschall. Es wurde dabei nichts festgestellt. Über Nacht ist er zur Beobachtung in der Klinik geblieben. Schon nach seinem grippalen Infekt war er vor sechs Tagen hier bei uns untersucht worden – ebenfalls ohne Befund.

Was ist denn am Sonntagabend im Spielertunnel genau passiert?

Cody hatte einen Kreislaufkollaps, als sich das Team fürs Spiel aufgestellt hat und aufs Eis laufen wollte. Da ist er plötzlich nach vorne umgekippt und hat das Bewusstsein verloren. Die Sanitäter haben ihn sofort stabilisiert und hingelegt – und als er wieder bei Bewusstsein war, wurde er mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren. Der Vorfall hat alle schockiert. In so einem Moment ist es für die Spieler schwer, sich auf ein Spiel zu konzentrieren.

Drei Pleiten am Stück mit 21 Gegentoren – schrillen bei Ihnen jetzt die Alarmglocken?

Über unsere drei Siege unmittelbar zuvor hat man weniger geredet als jetzt über unsere drei Niederlagen. Mit den drei vergangenen Spielen ist keiner zufrieden, die Mannschaft am allerwenigsten. Wir stehen hinten drin wie viele andere Teams auch. Mit ein, zwei Siegen bist du schnell wieder bei der Musik. Die Tabelle ist immer nur eine Momentaufnahme, und die Runde ist noch verdammt lang. In der letzten Saison haben wir zehn Spiele in Folge verloren. Auch diese schwierige Phase haben wir damals gemeistert und am Ende vorzeitig den Klassenerhalt geschafft.

Aufstiegstrainer Daniel Naud sitzt also wie gehabt fest im Sattel?

Eine Trainerdiskussion führen wir aktuell nicht. Wenn es nicht läuft, gibt es immer mehrere Ursachen. Zum Beispiel darf man unser Verletzungspech nicht vergessen. Ein Constantin Braun etwa ist nicht nur ein Schlüsselspieler auf dem Eis, sondern auch in der Kabine sehr wichtig. Seine Ansagen auf dem Feld und auf der Bank fehlen natürlich. In diese Rolle müssen nun andere schlüpfen.

Nach dem 2:8 gegen Düsseldorf hat es erstmals seit langer Zeit ein Pfeifkonzert gegeben. Haben Sie Verständnis für die Reaktion der Fans?

Verständnis habe ich für unsere Fans immer, denn sie sind fair und stehen hinter uns – auch dann, wenn es nicht gut läuft. Das Düsseldorf-Spiel war eine traurige Vorstellung. Dass sich bei so einer Leistung Enttäuschung breitmacht, ist absolut nachvollziehbar. Was wir am Freitag gezeigt haben, ist nicht das, was wir sind und was wir sein wollen.

Was wollen Sie im Kellerduell gegen Augsburg vom Team sehen?

Kampf um jeden Zentimeter Eis, ein Spiel nach vorne mit viel Druck und Schüssen. Und nach den vielen Gegentreffern erwarte ich auch wieder eine solide Abwehrleistung. Jeder muss für jeden laufen. Der Gegner muss in jeder Sekunde spüren, dass die Steelers da sind. Jetzt ist die Mannschaft gefordert, es muss eine Reaktion kommen. Augsburg ist ein Gegner, den wir in dieser Saison schon geschlagen haben. Bei den drei Siegen in Folge haben wir gezeigt, dass wir es können. Da wollen wir wieder hin.

Wann kehrt Stammgoalie Sami Aittokallio in den Kasten zurück?

Am Dienstag gegen Augsburg kommt Sami definitiv zurück. Er hat ganz normal trainiert und alle Belastungstests bestanden. Dann haben wir auf der Torhüterposition wieder die Sicherheit, die das Team vielleicht auch braucht – auch wenn man von ihm nach seiner Verletzungspause sicher keine Wunder erwarten darf.

Und wie sieht es bei den anderen Verletzten Constantin Braun, Chase Berger und Joshua Atkinson aus?

Atkinson hat heute die letzten Tests gemacht und steigt jetzt wieder voll ins Training ein. Im besten Fall kehrt er sogar schon am Wochenende in den Kader zurück. Ähnliches gilt für Berger, der auch wieder trainiert. Sobald die Jungs wieder 100 Prozent geben können, gehen sie aufs Eis. Mit Braun rechnen wir spätestens nach der Deutschland-Cup-Pause.

Wie zufrieden sind Sie bisher mit den Leistungen der sechs neuen Kontingentspieler im Kader?

Durch die Abgänge von Riley Sheen, Brendan Ranford und Jalen Smereck haben wir zweifellos viele Punkte verloren. Wir sind aber überzeugt, dass die Spieler, die wir jetzt haben, ebenfalls gutes Eishockey spielen können und ihre Punkte noch sammeln werden. Wilkie und Lepaus haben am in Nürnberg getroffen, Wilkie hat schon acht Saisontore geschossen. Wir sehen bei den Spielern eine positive Tendenz und noch viel Steigerungspotenzial.

Bei den Löwen Frankfurt sorgen die Ex-Bietigheimer Brett Breitkreuz und Brendan Ranford für Furore. War es ein Fehler, die beiden Stürmer einst nicht weiterbeschäftigt zu haben?

Es passt nicht jeder Spieler zu jedem Team, zu jedem System oder zu jedem Trainer. Es kommt immer auch auf den Umgang untereinander in der Kabine an. Um Erfolg zu haben, muss das alles zusammenpassen. Dass diese Spieler Eishockey spielen können, steht außer Frage. Keiner weiß, ob ein Ranford oder ein Breitkreuz mit den heutigen Reihen und Nebenleuten bei uns genauso punkten würde wie derzeit in Frankfurt. Die Löwen haben ohne Zweifel viel Qualität. Sie haben aber auch mit knapp sieben Millionen deutlich mehr Budget als wir. Die Entscheidung, uns von den Spielern zu trennen, war zu jenem Zeitpunkt richtig. Das sind übrigens keine Entscheidungen, die ein Volker Schoch allein trifft.

Haben die Steelers noch finanziellen Spielraum, um personell nachzulegen? Ein Norman Hauner steht jetzt ja nicht mehr auf der Gehaltsliste.

Hauner war kein teurer Spieler. Das, was der Markt aktuell hergibt, ist nicht zu bezahlen und passt auch nicht zu dem, was wir brauchen. Vor der Länderspielpause wird personell nichts mehr passieren. Es muss sich aber niemand Sorgen machen, dass wir untätig herumsitzen und nur hoffen, dass ein Spieler zufällig vorbeikommt und fragt, ob er bei uns spielen darf. Wir schauen aktiv, was geht und was wir uns leisten können. Unsere Aufgabe ist es, dem Team zu helfen sowie unseren Fans und Sponsoren gutes Eishockey zu bieten.

Wie ist es generell um die wirtschaftliche Situation bestellt?  

Wir sind wirtschaftlich definitiv noch stabil unterwegs. Aber die steigenden Kosten – etwa für die Wohnungen der Spieler – treffen auch uns. Beim Sponsoring und den VIP-Karten haben wir zugelegt, bei den Dauer- und Tageskarten leider nicht. Das kann ich auch verstehen, denn die Leute brauchen das Geld fürs tägliche Leben – fürs Heizen oder das Schulmaterial der Kinder. Wir hoffen auf die Spiele im November und Dezember – und speziell auf jene in der Weihnachtszeit.

 
 
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