Bietigheimer Handballerinnen gewinnen zum Bundesliga-Auftakt SG BBM-Express überrollt Blomberg

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Die neue SG BBM-Kapitänin Danick Snelder (am Ball) war am Samstagabend im Spiel gegen die HSG Blomberg-Lippe mit sieben Treffern beste Werferin auf der Platte.⇥ Foto: Marco Wolf

Die Bietigheimer Bundesliga-Handballerinnen sind mit einem 33:19-Heimerfolg in die Saison gestartet. Die hochgehandelten Gäste aus Ostwestfalen sind chancenlos.

Es war ein rundum ungewohntes Bild, welches sich sowohl dem Publikum als auch den Spielerinnen am Samstagabend beim Gastauftritt der HSG Blomberg-Lippe in der Sporthalle am Viadukt bot. Auf der einen Seite droben auf der Tribüne endlich wieder die Fans –  273 an der Zahl –, die 60 Minuten lang fast ebenso Gas gaben, wie ihr Team unten auf der Platte. Auf der anderen Seite die Mannschaft der SG BBM Bietigheim, die im Vergleich zur Vorsaison beim Anpfiff kaum wiederzuerkennen war.

Mit dem brasilianischen Neuzugang Gabriela Moreschi im Tor und einem niederländischen Block um die beiden Neuzugänge von Meister Borussia Dortmund, Kelly Dulfer und Inger Smits, sowie Neu-Kapitänin Danick Snelder startete SG BBM-Coach Markus Gaugisch in die Saison 2021/22. Kim Naidzinavicius, Xenia Smits, Julia Maidhof, kurzum diejenigen Spielerinnen, die in der letzten Vizemeister-Saison ihren Platz in der Startformation sicher hatten, fanden sich jetzt auf der Bank wieder.

Und Gaugischs Schachzug, zunächst auf die geballte niederländische Olympia-Erfahrung zu setzen, sollte sich auszahlen. Vor allem ein Neuzugang bewies eindrucksvoll, warum ihn Gaugisch nach der Partie als wohl beste Bundesliga-Spielerin der Vorsaison adelte: Inger Smits. Die 26-Jährige war eine Klasse für sich. Smits schaltete, waltete und traf in der ersten Halbzeit wie sie wollte. Immer wieder klaute sie sich mit enormen Willen und Dynamik den Ball in der Abwehr und trieb ihre Mitspielerinnen unnachgiebig im Höchsttempo nach vorne. Vor allem spielte Smits im Rückraum mit Auge und setzte immer wieder Snelder am Kreis in Szene, die konsequent einnetzte. Die Folge: Nach dem 14:4 durch, na klar, Inger Smits, nahm Gästetrainer Steffen Birkner nach 19 Minuten bereits seine zweite Auszeit. Und in der wurde es aufseiten des Fünften der Vorsaison laut: „Ihr passt nicht auf“, fuhr Birkner seine Spielerinnen unter anderem an.

Und die Ansprache zeigte Wirkung. Vor allem die erst 19-jährige Malina Marie Michalczik, die zusammen mit der Ex-Bietigheimerin Ann Kynast (20) und Nele Franz (21) schon bald das Rückgrat der deutschen Nationalmannschaft bilden könnte,  drehte auf der Mitte auf und verkürzte mit zwei Treffern in Serie auf 14:6. Zugute kam den Gästen allerdings auch die pötzliche Abschlusschwäche der Bietigheimerinnen, die nach der Auszeit ihren niederländischen Stars eine Pause gaben und nun mit ihrem deutschen Block antraten. Ganze sechs Minuten dauerte es bis Kim Naidzinavicius den Bann brach – irgendwie bezeichnend per Strafwurf.

Birkner lässt Team schmoren

So entwickelte sich bis zur Pause doch noch ein Spiel auf Augenhöhe. Und dennoch ließ sich Trainer Birkner beim Stand von 18:9 beim Gang in die Kabine mächtig Zeit. Der HSG-Coach setzte anscheinend voll auf das große, eisige Schweigen als Motivationshilfe.

Im zweiten Durchgang setzte Gaugisch auf Melinda Szikora im Gehäuse, die am Ende mit mehr als 47 Prozent gehaltener Bälle ihre ebenfalls bärenstarke Konkurrentin Moreschi (40 Prozent)  sogar noch ausstach. Auch die Außenpositionen wurden mit den Neuzugängen Jenny Behrend, die nach dem Spiel noch vor der Halle den Fans Rede und Antwort stand, und Veronika Malá neu besetzt.

Letztere zeigte gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit einige Kabinettstückchen. Drei der ersten vier Bietigheimer Treffer gingen auf das Konto der aus Paris gekommenen tschechischen Nationalspielerin. Ein schöner Dreher nach einem Traumpass von Xenia Smits sowie ein weiteres Tor zum Zunge schnalzen, nachdem die Linksaußen ihre Mitspielerin auf dem berühmt-berüchtigten Bierdeckel ausgetanzt hatte.

Lediglich bis auf acht Tore ließ die Gaugisch-Sieben ihre Gäste wieder herankommen, (43.), bevor sie in der Schlussphase nochmal das Tempo anzog und vor allem über Karolina Kudlacz-Gloc und Kreisläuferin Luisa Schulze zu Torerfolgen kam.

Nervöser Trainer

Am Ende stand ein ungefährdeter 33:19-Heimerfolg zum Saisonauftakt, der auch Markus Gaugisch einen riesigen Medizinball vom Herzen plumpsen ließ: „Der Auftakt ist immer schwer. Ich war heute vor dem Spiel angespannter als letzte Woche beim Supercup“, gestand der Coach nach der Partie. „Meine Mannschaft hat den Schwung aus der Vorbereitung mitgenommen. Wir haben große Spielfreude gezeigt, eine hervorragende Laufarbeit und viel Aggressivität in der Verteidigung“, wollte Gaugisch explizit keine Spielerin herausheben. Angesprochen auf die herausragende Leistung von Inger Smits hatte Gaugisch dann aber doch noch ein Sonderlob parat: „Inger hat eine wahnsinnige Dynamik. Sie ist in der Lage, mit einer Aktion unterschiedliche Räume anzulaufen. Für mich war sie in der letzten Saison die beste Spielerin der Bundesliga“, sagte der Coach, nur um dann doch wieder zurück aufs Kollektiv zu kommen: „Es macht wirklich Spaß mit der Mannschaft. Und ich hoffe, sie feiert das heute noch.“

 
 
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