Bietigheimer HTC steigt aus der Hallen-Bundesliga ab Showdown endet mit Abstieg

Von Andreas Eberle
Das Bundesliga-Abstiegsduell am Samstagnachmittag gegen Feudenheim war für das BHTC-Team um Kapitänin Greta Meissner (Mitte) eine frustrierende Angelegenheit. ⇥ Foto: Ralf Poller/Avanti

Die Damen des Bietigheimer HTC verlieren das Erstliga-Kellerduell gegen Feudenheim mit 2:3 und verpassen so den Klassenerhalt. Von Andreas Eberle

Der Jubelschrei, den die Hockey-Damen des Feudenheimer HC am Samstagnachmittag ausstießen, ging durch Mark und Bein – und war bis in den letzten Winkel der Gymnasiumhalle zu hören. Das Team aus dem Mannheimer Stadtteil hatte soeben das Abstiegsfinale beim Bietigheimer HTC mit 3:2 gewonnen und so das Tor zum Bundesliga-Verbleib weit aufgestoßen. „Wenn die sich mal nicht zu früh freuen“, sagte BHTC-Trainer Kristian Martens mit grimmiger Miene, als er dem feiernden Konkurrenten einen flüchtigen Seitenblick zuwarf.

Schützenhilfe bringt nichts

Schließlich stand am Sonntag erst noch der letzte Spieltag an. Theoretisch hätten die Bietigheimerinnen dem Abstieg da noch entrinnen können – mit einem Überraschungscoup beim Endrundenteilnehmer TSV Mannheim. Doch daraus wurde nichts: Trotz eines beherzten Auftritts verloren die Martens-Schützlinge auch gegen den Tabellenzweiten mit 2:5. Dass der Rüsselsheimer RK Schützenhilfe leistete und den Aufsteiger aus Feudenheim zur gleichen Zeit mit 4:3 bezwang, spielte keine Rolle mehr. Das Schlüsselduell am Samstag hatte wie erwartet bereits den Ausschlag gegeben.

Mit nur einem Sieg aus zehn Punktspielen schloss der BHTC die Hallenrunde der Gruppe Süd auf dem letzten Platz ab. In der Saison davor hatten sich die Schwäbinnen als Fünfter gerade noch so gerettet. „Es ist schade, wenn man sieht, was wir über Jahre hier in Bietigheim aufgebaut haben“, haderte Co-Trainer Jürgen Fili mit dem knapp verpassten Klassenerhalt. Er wollte dem BHTC-Ensemble aber nach der knappen Heimniederlage gegen Feudenheim keinen Vorwurf machen: „Wir haben keinen Druck auf die Mannschaft aufgebaut. Am Einsatzwillen hat es nicht gelegen, nur eben am Abschluss.“

Wobei sich in dieser Disziplin beide Teams im Kellerduell nicht mit Ruhm bekleckerten. Dafür liefen die Torhüterinnen zur Hochform auf: Bietigheims Lina Rönsch und ihr FHC-Pendant Leonie Weißenberger avancierten jeweils zur besten Akteurin ihrer Mannschaft.

Zuschauerrekord trotz 2G-Plus

Die rund 100 Zuschauer, die trotz der strengen 2G-Plus-Zutrittsregeln zum Bietigheimer Heimabschluss gekommen waren, bedeuteten einen Saisonrekord. Der Mehrheit der Fans gefiel das erste Tor des Tages freilich gar nicht: In der sechsten Minute besorgte Sophie Tiefenbacher das 1:0 für die Gäste. Umso lauter fiel der Jubel beim Ausgleich aus: Angreiferin Lilli Lang fing einen Pass des FHC im Aufbau ab und ließ Weißenberger mit einem Flachschuss keine Chance (36.). Ein Doppelschlag brach dem Heimteam im dritten Viertel das Genick: Carla Stober, die eine Strafecke nutzte (39.), und Luisa Höfling-Conradi (42.) schossen das bis dato sieglose Schlusslicht aus der Kurpfalz mit 3:1 in Front. In der Endphase gelang Torjägerin Greta Meissner nur noch das 2:3 (56.).

Vielleicht wäre das Abstiegsduell mit einer Ines Wanner im BHTC-Aufgebot anders gelaufen. Die spielstarke Topstürmerin hatte am Mittwoch beim Eckentraining einen abprallenden Ball voll aufs rechte Auge bekommen. Ein Cut sowie das dick angeschwollene Auge machten einen Einsatz beim Showdown unmöglich. „Sie ist eine Spielerin, die den Unterschied ausmachen kann“, bedauerte Coach Martens den Ausfall. Als Ausrede wollte Dina Fili das Fehlen von Wanner aber nicht gelten lassen: „Ines ist sicher eine ganz wichtige Spielerin für uns, aber wir sind eine Mannschaft, die so einen Verlust eigentlich auffangen kann“, stellte die 20-jährige Abwehrspielerin fest.

Stimmen zum Spiel und zum Bietigheimer Abstieg

Kristian Martens, Trainer des Bietigheimer HTC: Es war ein hart umkämpftes Spiel, mit dem glücklicheren Ende für Feudenheim. Wer drei Tore schießt und nur zwei kassiert, gewinnt eben. Wir haben ein ganz anderes Gesicht gezeigt als bei den hohen Niederlagen in den vier Spielen zuvor – gerade was das Spiel nach vorne, die Zweikampfführung und den Teamgeist betrifft. Die Chance am Sonntag war dann nur noch gering. Dennoch habe ich bis zum Schluss noch an den Klassenerhalt geglaubt. Die Mannschaft hat jedenfalls Gas gegeben. Schade, dass wir es nicht geschafft haben.

Christian Wittler, Coach des Feudenheimer HC: Für uns war es ein Endspiel. Solche Duelle machen Bock, dafür betreiben wir den Sport – und wenn es für einen gut ausgeht, ist es dann umso schöner. Das war der erste Sieg in der Ersten Hallen-Bundesliga in der FHC-Geschichte. Bisher haben wir dort nur einen Punkt geholt. Ich finde nicht, dass wir im Abschluss abgezockt waren, wenn ich an die vielen Chancen denke, die wir verballert haben. Lina Rönsch hat wieder mal sensationell gehalten und viele Bälle rausgefischt. Am Ende hatten wir ein bisschen mehr Glück als Bietigheim.

Dina Fili, 20-jährige Abwehrspielerin des BHTC: Das ist sehr bitter für uns. Wir haben alles gegeben, doch es hat einfach nicht gereicht. Gegen Feudenheim hatten wir genügend Chancen, diese aber nicht genutzt – im Gegensatz zu unserem Gegner. So ist nun mal der Sport. Ärgerlich war für uns, dass wir in den Spielen davor coronabedingt viele Ausfälle hatten. Vielleicht wäre es mit der kompletten Mannschaft für uns da besser gelaufen. In einem Abstieg liegt aber immer auch eine Chance. In der Zweiten Liga wollen wir es besser machen – und möglichst gleich wieder aufsteigen.

 
 
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