Bietigheimer Traditionsgaststätte verkauft Im Schiller endet eine Ära

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Das Hotel und Restaurant Friedrich von Schiller: Ein Eigentümerwechsel steht an.⇥ Foto: Helmut Pangerl

Regine und Burkhard Schork haben das Hotel und Restaurant „Friedrich von Schiller“, das sie seit 1988 betreiben, verkauft. Ihr Nachfolger will im Spätsommer/Frühherbst starten.

Im Restaurant Schiller am Bietigheimer Marktplatz werden dieser Tage Kisten gepackt. Regine und Burkhard Schork sind dabei auszuräumen. Bis Ende des Monats wollen sie draußen sein. Das Traditionsgasthaus und Hotel ist verkauft.

 „Eigentlich hätten wir jetzt den 100. Geburtstag“, sagt Burkhard Schork. Im Jahr 1921 waren die Großeltern von Regine Schork, Eugen und Karoline Reinhardt, nach dem verheerenden Stadtbrand dieses Jahres in das Gebäude am Marktplatz 5 gezogen. Regine (58) und Burkhard Schork (63) hatten den Betrieb 1988, nach ihrer Rückkehr von der Wanderschaft, übernommen. Dass diese Traditionslinie nun endet, erfülle sie einerseits mit Wehmut, anderseits sind sie froh, dass ihr Lebenswerk fortgesetzt wird, auch wenn es nicht in Familienhand bleibt.

Ihre vier Kinder hätten andere Berufe ergriffen, sagt Küchenchef und Metzgermeister Burkhard Schork, deshalb hätten sie seit etwa vier Jahren nach einem geeigneten Nachfolger Ausschau gehalten. Dieser sei nun gefunden, bereits im Juni sei der Verkauf notariell besiegelt worden. „Wir übergeben in junge Hände.“ Den Namen des neuen Schiller-Inhabers wollen sie noch nicht verraten. Nur so viel: Dieser wolle im Spätsommer/Frühherbst an den Start gehen. Hotel und Gastronomie sollen weiterbetrieben werden, wobei der Nachfolger seine eigenen Ideen verwirklichen könne.

Wie Burkhard Schork betont, sei die Corona-Pandemie nicht der Grund für den Verkauf gewesen, es sei aber jetzt der richtige Zeitpunkt, um den Wechsel einzuleiten. Das Restaurant war zuletzt coronabedingt geschlossen, stattdessen wurde ein Abholservice eingerichtet. „Wir haben das Haus am Leben gehalten“, so das Ehepaar Schork.

Die drei Auszubildenden seien bereits in andere Ausbildungsverhältnisse vermittelt worden. Ob die übrigen sieben Mitarbeiter übernommen werden, entscheide der neue Inhaber.

Die Schorks blicken zufrieden auf das Erreichte zurück. Als sie anfingen, sei in Bietigheim-Bissingen kulinarisch noch nicht so viel los gewesen, sagt Burkhard Schork. Sie hätten das auf der Wanderschaft im In- und Ausland Gelernte verwirklichen wollen – mit Erfolg. Das Haus werde immer noch unter den 300 besten Restaurants in Deutschland gelistet. Inzwischen gebe es mehrere gute Betriebe in der Stadt.

Viele Jahre beim Pferdemarkt

Es gab mehrere Umbauphasen, bis das Gebäude seine heutige Form erhalten hatte. Auch der stillgelegte, historische Eiskeller wurde reaktiviert. Hinzu kam das Catering. Elf Jahre habe das Restaurant Schiller unter dem Titel „Beim Schork“ beim Bietigheimer Pferdemarkt bewirtet, erzählt Regine Schork. Anfangs mit einem Stand beim Krämermarkt, dann in einem Zelt. „Das war eine sehr schöne Zeit, es gab viele interessante Begegnungen.“

Auch das Hotel (15 Zimmer), das sich anfangs in der Farbstraße 9 befand, habe sich etabliert. Zum Teil machten weitgereiste Gäste hier Station. Die Stadt Bietigheim-Bissingen habe davon auch profitiert, sagt Regine Schork.

Wie es jetzt privat weitergeht? Die Schorks werden im privaten Teil des Gebäudes weiter wohnen bleiben. Zumindest vorerst. Ob sie auf Dauer hier ihren Lebensmittelpunkt behalten oder in die Nähe ihrer Kinder ziehen, werde man sehen.

Burkhard Schork will seinen Online-Handel weiter betreiben, in dem er unter anderem Saucen und Erzeugnisse aus der Wild- und Wurstküche anbietet. Auch an junge Menschen will er seine handwerklichen Erfahrungen und sein Wissen als Metzger- und Küchenmeister sowie als Jäger weitergeben. Etwa in Seminaren. Diesbezügliche Anfragen seien schon da.

 
 
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