Bönnigheim will das Kita-Angebot anpassen Acht statt 28 Betreuungsmodelle

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Im  Bönnigheimer Kindergarten „Villa Kunterbunt“ soll es künftig weniger Auswahl bei der Kinderbetreuung geben. Foto: Martin Kalb

Im Kindergarten Schlossfeld und bei der Krippe in der Villa Kunterbunt in Bönnigheim sollen die flexiblen Angebote „konzentriert“ werden. Die Eltern protestieren.

Die Ganerbenstadt Bönnigheim muss sparen. Deshalb empfiehlt der Verwaltungsausschuss dem Gemeinderat, den Rotstift auch bei der Kinderbetreuung anzusetzen. Die Empfehlung: Im Kindergarten Schlossfeld und bei der Krippe in der Villa Kunterbunt sollen die flexiblen Angebote von insgesamt 28 auf acht Modelle „konzentriert“ werden. Die Eltern wehren sich dagegen. Sie fürchten, dass sie bei geringeren Wahlmöglichkeiten für die Betreuung ihrer Kinder tiefer in die Tasche greifen müssen.

Haushalt im Griff behalten

Fachbereichsleiterin Alexandra Kindler bedauerte, dass die Verwaltung ausgerechnet in Corona-Zeiten diesen Vorschlag machen müsse. „Aber wir müssen den städtischen Haushalt im Griff behalten“, erklärte sie. „Die Einnahmen sind im Sinkflug.“

Bislang können die Eltern in den beiden Einrichtungen nicht nur zwischen Regelgruppe, verlängerten Öffnungszeiten oder Tagesbetreuung wählen. Vielmehr haben sie insgesamt 28 verschiedene Möglichkeiten für ihre individuell gewünschte Betreuungszeit. „Dieses Mischformmodell ist natürlich ein hoher Verwaltungsaufwand“, erläuterte Alexandra Kindler. „Und der Fachbereich Finanzen und Liegenschaften geht von geringeren Einnahmen von rund 10 000 Euro pro Jahr bei den Elternbeiträgen und von gut 19 000 Euro bei den jährlichen Zuweisungen aus“, sagte sie. „Bei rund 500 Kindern zwischen einem und sechs Jahren, die bei uns betreut werden, sind 21 von einer Abschaffung des Mischmodells betroffen“, ergänzte Bürgermeister Albrecht Dautel.

Verwaltung und Kindergartengesamtleitung haben ein reduziertes Angebot mit täglichen Betreuungszeiten zwischen fünf und zehn Stunden im Schlossfeld und zwischen sieben und zehn Stunden in der Villa Kunterbunt erarbeitet. Dabei seien auch Personalkapazität und gesetzliche Rahmenbedingungen berücksichtigt worden, so Kindler. Wegen des anhaltenden Personalmangels sei geplant, morgens um sieben Uhr statt um 6.45 Uhr zu öffnen und nachmittags um 17 Uhr statt um 17.15 Uhr zu schließen.

Platz für alle Kinder

Bürgermeister Albrecht Dautel betonte, dass derzeit alle Kinder einen Platz haben und die Stadt bereits einen Baubeschluss zur räumlichen Erweiterung des Betreuungsangebots gefasst habe. Außerdem habe man im Blick, dass es keine sozialen Verwerfungen geben solle. Inhaber eines städtischen Familien- und Sozialpasses erhielten eine Ermäßigung von 30 Prozent auf die Beiträge, betonte er.

Gemeinderat Dittmar Zäh (UWG) sagte: „28 Optionen sind zu viel.“ Er stellte sich hinter die Verwaltung: Der Gemeinderat habe um einen Sparvorschlag gebeten. Gemeinderätin Dorothea Bechtle-Rüster (SPD) schloss sich Zähs Vorschlag, die Veränderung erst zum nächsten Kindergartenjahr umzusetzen, an. Eine Umsetzung vor dem 1. März 2021, dem Stichtag für die Landesförderung, sei den Eltern nicht zumutbar. Karin Brenzke-Rösinger (Grüne) forderte Härtefallregelungen und eine gewisse Flexibilität. Christa Häußer (FWV/CDU) betonte, dass strikte Ausgabendisziplin gefordert sei. Die Empfehlung an den Gemeinderat zur Änderung der Betreuungszeitmodelle mit einer neuen Kostenkalkulation zum 1. September 2021 fiel einstimmig.

Elternbeiräte reagieren

Schnell und deutlich haben die Elternbeiräte der Villa Kunterbunt sowie Krippe und Kindergarten Schlossfeld reagiert.

In einem Schreiben an Bürgermeister Albrecht Dautel „widersprechen“ sie im Namen aller Eltern der Aufhebung des Mischformmodells. „Das aktuelle Modell ermöglicht eine flexible Handhabung, sodass Erziehungsberechtigte die Betreuungsangebote entsprechend ihrer familiären Situation und der beruflichen Verpflichtungen, buchen können“, heißt es darin.

Bis zu 100 Euro sparten Familien, die eine Ganztagesbetreuung oder verlängerte Öffnungszeiten nur nach Bedarf buchen könnten. Familien würden mit der Änderung gezwungen, zusätzliche Zeiten zu buchen, die sie nicht benötigten, und dafür höhere Beiträge zu bezahlen. Zudem würden Plätze unnötig belegt, die man dringend benötige.

„Gerade erwerbstätigen Müttern, Alleinerziehenden und Teilzeitbeschäftigten würde die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch den Wegfall des Mischformmodells erheblich erschwert“, schreiben die Elternvertreter.

In seinem Antwortschreiben wirbt Bürgermeister Dautel unter anderem um Verständnis für die Situation der Stadt. Dort sei man so flexibel in den Angeboten wie möglich. Leider könne man aber nicht sämtliche Lebenslagen abzudecken. Und: „Eine einheitliche Preisgestaltung bei den Elterngebühren, die rund zehn Prozent der tatsächlichen Betriebskosten decken, haben wir bislang schon nicht.“

Die Gebühren liegen bei den einzelnen Angeboten zwischen 2,20 Euro und drei Euro pro Stunde. Ermäßigungen würden gewährt und die Sozialhilfeträger übernehmen die Gebühren für bedürftige Familien ganz. ⇥rie

 
 
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