Bönnigheim tritt Bürgergenossenschaft bei Würfelhäuser für das Schlossfeld?

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Die Würfelhäuser könnten an der Ecke Telemannstraße/Bob-Dylan-Weg im Bönnigheimer Schlossfeld entstehen. Die Stadt möchte das Grundstück in die Bürgergenossenschaft Wohnen des Landkreises einbringen.⇥ Foto: Martin Kalb

Die Stadt tritt der Bürgergenossenschaft Wohnen des Landkreises bei und stellt ein Grundstück in der Nähe des Familienzentrums am Bob-Dylan-Weg bereit.

Wohnungen sind nicht nur im Landkreis Ludwigsburg knapp und teuer. Aber jetzt wird hier etwas dagegen getan: Mit der am 22. April gegründeten Bürgergenossenschaft Wohnen sollen Mietwohnungen gebaut werden, die dauerhaft unter dem Marktpreis angeboten werden können. Der Gemeinderat von Bönnigheim hat am Freitag einstimmig entschieden, der Genossenschaft beizutreten. Die Stadt wird ein großes Grundstück im Schlossfeld in die Genossenschaft einbringen.

In der Bürgergenossenschaft Wohnen, der neben dem Landkreis bereits die Kommunen Affalterbach, Freudental, Hemmingen, Remseck, Sachsenheim und Schwieberdingen sowie die Wohnungsbau Ludwigsburg GmbH und die Kreissparkasse angehören, sehen Gemeinderat und Verwaltung von Bönnigheim eine Chance, preisgebundene Mietwohnungen zu schaffen. Bereits mehrfach war zuvor diskutiert worden, eigene städtische Wohnbauprojekte anzugehen. Doch dies war am fehlenden Geld und Personal gescheitert.

Zwei Baufenster

Jetzt hat sich die Situation verändert: Ende letzten Jahres konnte die Stadt ein Wohn- und Geschäftshaus an der Hauptstraße veräußern. Mit seinem Erlös finanziert sie einen Bauplatz mit zwei Baufenstern für Geschosswohnungsbau im Schlossfeld. Dieser ist knapp 1800 Quadratmeter groß und liegt in der Nähe des Familienzentrums am Bob-Dylan-Weg. Der Verkehrswert des Grundstücks liegt bei rund 1,25 Millionen Euro und wird nun als kommunale Einlage in die Bürgergenossenschaft Wohnen eingebracht.

Das Genossenschaftsmodell unterscheidet sich in wichtigen Dingen von privaten Investoren: Es orientiert sich nicht am Markt und strebt nicht nach Gewinnmaximierung. Vielmehr soll dauerhaft, nicht nur für wenige Jahre, bezahlbarer Wohnraum geschaffen und unterhalten werden. Für die Bürgergenossenschaft, die jedem offen steht, baut die Wohnungsbau Ludwigsburg.

Wie kann sie preisreduzierten Wohnraum errichten? Mit dem seriellen Bauen eines oder zweier Cube 11-Gebäude beispielsweise, so lautet ein genehmigungsfähiger Vorschlag der Wohnungsbau Ludwigsburg. Neue Qualitätsstandards für den ökologischen und energieeffizienten Wohnungsneubau in Holzbauweise mit kurzen Planungs- und Bauzeiten könnten so verwirklicht werden. Würfelförmige Module mit einem Grundmaß von elf auf elf Meter werden auf drei Geschossen errichtet und erfüllen die Anforderungen eines KfW 55- Effizienzhauses.

Innerhalb von nur dreieinhalb Monaten wurde das inzwischen zertifizierte Pilotgebäude in Ludwigsburg errichtet. Der Charme dieser Bauweise liegt weiter in ihrer Flexibilität. Zwölf Wohnungen mit unterschiedlichen Größen finden in jedem Würfel Platz, die wahlweise miteinander verbunden werden können.

Alternativen prüfen

Am Standort im Schlossfeld kämen zwei solcher Würfel in Frage. Dies missfiel Stadträtin Dorothea Bechtle-Rüster (SPD). Sie forderte, alternative Ideen zu prüfen. Bürgermeister Albrecht Dautel verwies darauf, dass gemeinsam mit der Stadt geplant werde. Das sei aber erst der nächste Schritt.

Für die UWG liegt die Würfel-Idee näher. „Können wir als Kommune auf unserem Grundstück, das ja in direkter Nähe zur Heizzentrale im Schlossfeld liegt, die Dachfläche oder einen Teil davon mit einer Fotovoltaikanlage bestücken und den Strom einspeisen?“, fragte Stadtrat Michael Gerdes (UWG). Sein Fraktionskollege Markus Stahl befand, Gas sei „out“ und man müsse unbedingt über Alternativen wie Strom vom Dach und eine Wärmepumpe für die Nahwärme nachdenken. Natürlich könne man das nicht außen vorlassen, stimmte ihm Albrecht Dautel zu. Aber das müsse untersucht werden. Vielleicht sei sogar eine Freiflächensolaranlage sinnvoll.

 
 
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