Bürgermeistergespräch in Ingersheim „Es muss klar sein, wer die Entscheidungen trifft“

Von Jörg Palitzsch
Ingersheims Bürgermeisterin Simone Lehnert. Foto: /Martin Kalb

Ingersheims Bürgermeisterin Simone Lehnert hat im neuen Jahr viel vor. Unter anderem das Gemeinde-Entwicklungskonzept mit offener Bürgerbeteiligung.

Im abgelaufenen Jahr wurde in Ingersheim viel gebaut. Die Ortsdurchfahrt ist saniert, es gibt einen neuen Kreisel bei der katholischen Kirche, und im Wohngebiet „In den Beeten II“ kann die Bebauung starten. Bürgermeisterin Simone Lehnert treibt im neuen Jahr die weitere Entwicklung im Ort voran. Auf dieses Thema müsse man heute ganz neu schauen, sagt sie im Jahresgespräch mit der BZ.

Das Jubiläum 50 Jahre Ingersheim ist zu Ende – was nehmen Sie mit?

Simone Lehnert: Vor allem, dass es die Bevölkerung gemeinsam gemacht hat und die Veranstaltungen so viele Vereine vorbereitet haben. Zum einen die Präsentation der Vereine zur Jahresmitte, aber insbesondere das Gemeinschaftskonzert hat allen Beteiligten viel Spaß gemacht. Viele Zuhörerinnen und Zuhörer sind im Nachhinein auf mich zugekommen und haben sich sehr positiv geäußert. Ich glaube auch, dass es nach Corona an der Zeit war, etwas gemeinsam zu machen. Vor allem auch in der jetzigen Zeit, die von Krisen geprägt ist.

Bürgerbeteiligung ist Ihnen sehr wichtig. Was bekommen Sie in Ihren Sprechstunden zu hören?

Eigentlich alles. Es kommen Einwohner, die sich über eine bestimmte Parkplatzsituation ärgern oder Probleme mit dem Nachbarn haben. Manche wollen einfach auch nur einen Rat. Als es um die Kinderbetreuung ging, waren es Mütter und Väter, die ihre speziellen Probleme ansprachen. Oder auch Einwohner, denen im Ort etwas auffällt und die dies in einem Vier-Augen-Gespräch ansprechen möchten. Man macht sich auch Sorgen, wie sich das Thema Erneuerbare Energien weiterentwickelt, wie das Nahwärmenetz funktioniert, oder was die Gemeinde tun kann, um eine Solaranlage auf dem eigenen Dach zu bauen. Einfach alles, was die Menschen bewegt.

Der Arbeitskreis Kinderbetreuung war auch eine Art der Bürgerbeteiligung. Dort wurden Sie gegen Schluss jedoch mit immer neuen Forderungen konfrontiert.

Man ist im Arbeitskreis an einem gewissen Punkt angekommen, wo man der Realität ins Auge blicken musste. Natürlich gibt es Themen, wo man letztendlich keinen Kompromiss findet, weil einfach widersprüchliche Interessen vorhanden sind. Dann gilt es aber auch zu sagen, jetzt muss eine Entscheidung her, und dann müssen die Gremien entscheiden, die demokratisch gewählt sind. Das war für mich das Schwierige in dem Arbeitskreis, zumindest gegen Ende hin, dass es immer wieder hieß, die Elternschaft hat die und die Meinung, aber der Gesamtelternbeirat hat eine andere Meinung. Das hat dann irgendwann nicht mehr zusammengepasst. Das Fazit ist für mich, dass man sich bei der Bürgerbeteiligung klare Strukturen geben muss, an die man sich auch hält. Am Ende muss immer klar sein, wer die Entscheidungen trifft.

Die Sanierung der Ortsdurchfahrt ist so gut wie abgeschlossen, nur bei Edeka scheint es nicht richtig voranzugehen.

Mir geht es ähnlich, dass es sich zieht wie ein Kaugummi und man keinen Schritt vorwärtskommt. Es liegt nun ein leicht verändertes Baugesuch vor, das auch genehmigt wird, weil es nur geringfügige Änderungen sind. Jetzt könnte man starten und meine Info ist, dass der Edeka im Februar abgebrochen wird. Dann soll zuerst der Parkplatz gebaut werden. Ich bin aber immer nur der Überbringer der Nachrichten, weil die Gemeinde nicht wirklich involviert ist. Trotzdem dränge ich immer wieder darauf, dass es dort vorangeht.

Zur Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes wurde bereits vieles formuliert. Aber es hängt wohl an einem Klimamanager oder einer Klimamanagerin?

Die Stelle durften wir noch nicht ausschreiben. Zuerst mussten wir das Klimaschutzkonzept beschließen, und dann kann man den Klimaschutzmanager mit der Förderung beantragen. Erst wenn wir diese Förderzusage haben, können wir die Stelle ausschreiben. Dies kann in den nächsten Wochen kommen oder noch dauern, weil es viele Anträge gibt, die dort bearbeitet werden müssen.

Beeten II wird bebaut, was bietet Ingersheim den Neubürgern?

Zum einen sind es ja viele Ingersheimer, die die Grundstücke der Gemeinde erworben haben und dort bauen. Und die wissen genau, was sie erwartet. Eine Gemeinde, die gute Betreuungsplätze bietet, auch für Schulkinder, und die eine gute Anbindung an Bietigheim-Bissingen, Freiberg und Ludwigsburg hat. Wir sind klein, aber nah an der Stadt. Ingersheim bietet viel örtliche Infrastruktur im Sinne von Vereinen, Kultur und Sportangeboten. Dazu kommt eine schöne Landschaft.

Im neuen Jahr startet nach einer Fragebogenaktion das Gemeinde-Entwicklungskonzept mit offener Bürgerbeteiligung. Wie soll diese Beteiligung aussehen?

Zunächst ganz klassisch in der Gemeindehalle, wo die Ergebnisse präsentiert werden. Wer nicht kommen kann, für den gibt es eine Ausstellung, für die die Ergebnisse aufbereitet werden und die man einfach besuchen kann. Alle sind dazu aufgerufen, sich an diesem Verfahren zu beteiligen, was auch online möglich sein wird. Mit einer Beteiligung bei der Fragebogenaktion von über 40 Prozent glaube ich, dass im Anschluss dann auch viele bei der offenen Bürgerbeteiligung dabei sind. Zu diesen Formaten werden dann noch Workshops angeboten. Man muss heute auf die Gemeindeentwicklung ganz neu schauen.

Sie haben die Partnerschaft mit Ingersheim im Elsass wieder aufleben lassen. Wie wird es weitergehen?

Ich bin jetzt mal auf den Neujahrsempfang gespannt, wie die Resonanz im Elsass ist. Natürlich wünsche ich mir, dass das Ganze noch etwas mehr Lebendigkeit bekommt. Und vielleicht auch noch mehr Interesse in der Bevölkerung weckt.

Der Haushalt 2023 steht noch aus. Was ist finanziell zu befürchten?

Ich glaube, zu befürchten haben wir gar nicht so viel, weil die Steuereinnahmen nicht so schlecht sind, wie wir es dieses Jahr angenommen haben. Bei der Einkommenssteuer und auch bei der Gewerbesteuer haben wir mehr Einnahmen als gedacht. Natürlich haben wir auch hohe Ausgaben. Allein für die Oscar-Paret-Schule in Freiberg sind 1,1 Millionen Euro fällig. Dann rechnen wir bei unserer Ortsdurchfahrt noch mit einer Kostensteigerung. Ansonsten sind wir sehr vernünftig bei allem, was wir planen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
 
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