BZ-Aktion unterstützt Caritas Bietigheim-Bissingen Das Familienzentrum hilft, wo es nötig ist

Von
Im Familienzentrum in Bietigheim-Bissingen ist es im November viel ruhiger als gewöhnlich. Die Anfragen bleiben dennoch nicht aus.⇥ Foto: Martin Kalb

Alle, deren Geldbeutel sowieso schon schmal und deren Job unsicher waren, treffen die Folgen der Pandemie besonders hart, wissen die Mitarbeiter des Familienzentrums der Caritas Bietigheim-Bissingen.

Seit vielen Jahren gehört unter anderem das Familienzentrum der Caritas Bietigheim-Bissingen zu den Spendenempfängern der BZ-Aktion Menschen in Not. Doch was genau macht das Zentrum überhaupt? Petra Tolksdorf, Leiterin der Existenzsicherung und Integration bei der Caritas, spricht mit der BZ über ihre Arbeit.

Im Familienzentrum in Bietigheim-Bissingen ist es im November viel ruhiger als gewöhnlich. Die Kinderwagen, die sonst im Eingangsbereich dicht gedrängt stehen und das Stimmengewirr der jungen Mütter fehlen. „Leider müssen alle Kurse im Familienzentrum corona-bedingt ausfallen.“ Doch die Beraterinnen der Allgemeinen Sozialberatung sind vor Ort. Die zahlreichen Anfragen werden von der Kollegin im Sekretariat koordiniert und die Hilfesuchenden erhalten zeitnah Termine. Unter Einhaltung der Hygieneregeln finden die Beratungen weiterhin persönlich statt. Für Menschen mit erhöhtem Risiko gibt es aber auch die Möglichkeit einer Telefonberatung. Zudem gibt es die lokale Online-Beratung der Allgemeinen Sozial- und der Migrationsberatung, deren Zugang auf der Homepage der Caritas zu finden ist.

Alle, deren Geldbeutel sowieso schon schmal war, deren Lohn schon zuvor kaum zum Leben gereicht hat oder deren Job unsicher war, treffen die Folgen der Corona-Pandemie besonders hart, sagt Petra Tolksdorf. Wie Frau B., die bis zu ihrem Renteneintritt im Februar als Verkäuferin gearbeitet hat. Ihre Rente reicht nicht zum Leben und sie erhält ergänzend Grundsicherung. „Sie ist eine sparsame Frau und als sie die Gutschrift vom Vermieter über eine Nebenkostenabrechnung der Heizung erhält, unterstützte sie damit ihren Sohn, der als selbstständiger Musiklehrer seit März nicht mehr unterrichten konnte.“ Die Gutschrift wird ihr jedoch als Einkommen vom Sozialamt angerechnet und ihre Leistungen deshalb gekürzt. „Damit hatte Frau B. nicht gerechnet, sie kam verzweifelt in die Beratung.“ Die Beraterin erklärte ihr den Grundsicherungsbescheid und half mit einer Beihilfe zur Überbrückung. „Frau B. ist froh, auch für die Zukunft in der Beraterin eine Ansprechpartnerin zu kennen“, kann Tolksdorf berichten.

Leider seien nicht alle Anfragen so schnell zu lösen. Vermehrt kommen Ratsuchende mit multiplen Problemlagen, bei denen eine längere Begleitung notwendig sei. Sehr häufig verbergen sich hinter den finanziellen Anfragen weitere Themen wie psychische Probleme und gesundheitliche Beeinträchtigungen, Beziehungsschwierigkeiten, prekäre Wohnverhältnisse, Schuldenproblematik oder Vereinsamung. So kam Frau M. vor zwei Monaten in die Beratung und bat um Unterstützung beim Ausfüllen von Anträgen. Die 38-Jährige ist gebürtig aus Kamerun und lebt seit drei Jahren in Deutschland. Sie hat zwei Schulkinder und arbeitet als Reinigungskraft. Der Mann, mit dem sie zusammen lebte, hatte sie während des Lockdowns im Frühjahr körperlich angegriffen und Frau M. habe all ihre Kräfte mobilisiert, um sich zu trennen, so Petra Tolksdorf. „Im Gespräch stellte sich heraus, dass Frau M. mit der Situation als Alleinerziehende überfordert ist und deutlich mehr Unterstützung benötigt.“

Durch die Trennung sind Mietschulden entstanden und auch anderen Forderungen konnte Frau M. nicht nachkommen. Die Beraterin stellt gemeinsam mit Frau M. die nötigen Anträge auf ergänzende Leistungen beim Jobcenter und nimmt Kontakt mit dem Vermieter auf. Zur direkten Überbrückung erhält Frau M. Lebensmittelgutscheine. Neben der finanziellen Existenzsicherung benötigt Frau M. psychosoziale Unterstützung durch aufbauende Gespräche und Begleitung, um eine eigenständige Alltagsbewältigung zu ermöglichen.

Die massiven Schwierigkeiten mit dem älteren Sohn kamen erst im Laufe der Beratungen zur Sprache und die Beraterin half, einen Termin bei der Erziehungsberatungsstelle zu bekommen. In komplexen Fällen wie diesem, der die Hilfe auf verschiedenen Ebenen notwendig macht, sei die Zusammenarbeit im sozialen Netzwerk unerlässlich, so Tolksdorf. Denn die Kolleginnen im Familienzentrum könnten nicht für alle Bereiche die richtigen Ansprechpartnerinnen sein. „Aber sie sind gut vernetzt und kennen die sozialen Hilfesysteme in und um Bietigheim.“

Die Zahl der Menschen in akuten Notsituationen, die Hilfe benötigen, habe gerade in diesem Jahr deutlich zugenommen. Mit ihren verschiedenen Angeboten im Familienzentrum, der Allgemeinen Sozialberatung, der intensiven Hilfe durch das soziale Alltagsmanagement, der Migrationsberatung und der Schwangerschaftsberatung durch den Sozialdienst Katholischer Frauen orientiert sich die Caritas an den Nöten der Menschen in Bietigheim. „Doch unsere Arbeit im Familienzentrum wäre nicht so erfolgreich, gebe es die Unterstützung durch die Leserinnen und Leser der Bietigheimer Zeitung nicht.“ Die Spenden tragen dazu bei, da wo es nötig ist, schnell zu handeln und zu helfen, sagt Tolksdorf. „Für diese Solidarität mit den Menschen in Notsituationen möchten wir uns sehr herzlich bedanken.“

Info Zum 44. Mal sammelt die BZ-Aktion Spendengelder für Menschen in Not. Spendenkonto: Kreissparkasse Ludwigsburg, DE82 6045 0050 0007 0300 04

www.caritas-ludwigsburg-waiblingen-enz.de

 
 
- Anzeige -