DEL2 - Bietigheimer Eishockey-Team in Kassel zum Siegen verdammt Was jetzt noch für die Steelers spricht

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Die Steelers hoffen auf die Rückkehr von Riley Sheen. Der Top­scorer fehlte zuletzt wegen einer Verletzung. ⇥ Foto: Avanti/Ralf Poller

Der SCB steht im DEL2-Finale gegen die Kassel Huskies kurz vor dem Aus, doch für ein Comeback gibt es einige gute Gründe.

Die Bietigheim Steelers liegen im Playoff-Finale der DEL2 nach den beiden Niederlagen gegen Kassel mit 0:2 hinten. Wie stehen die Chancen, dass sie in der Best-of-Five-Serie noch mal zurückschlagen? Und was spricht dafür, dass die Nordhessen mit dem ersten Matchpuck die Serie beenden und als Meister in die DEL aufsteigen? Die BZ beleuchtet vor Spiel drei an diesem Dienstag (19.30 Uhr/Live auf Sprade TV) die Aussichten.

Das spricht für Bietigheim:

► Die Steelers haben in den Playoffs bisher ihre beiden Do-or-Die-Duelle für sich entschieden und dabei Nervenstärke bewiesen. Im Viertelfinale gegen die Löwen Frankfurt lagen sie im entscheidenden fünften Spiel sogar schon mit 0:2 zurück, ehe sie die Partie im Schlussdrittel mit vier Treffern noch drehten und sich das Weiterkommen erkämpften. Im Halbfinale gegen die Wölfe Freiburg behielt das Team ebenfalls kühlen Kopf und setzte sich beim Showdown mit 4:2 durch. „Es ist nicht das erste Mal, dass wir in einer schwierigen Situation sind. Auch in der Hauptrunde haben wir viele Herausforderungen gemeistert – etwa, als wir nach der Quarantäne mit 13 Spielern antreten mussten“, sagt Trainer Daniel Naud. „Die Mannschaft war immer bereit und hat immer Charakter gezeigt.“

► Die zwei bisherigen Kräftemessen mit Kassel hätten durchaus auch andersherum ausgehen können. Das zeigt auch die Statistik. Bei den Torschüssen lag Bietigheim zum Beispiel mit 37:36 und 34:28 jeweils vorne. Die Chancenverwertung ist nach wie vor das Bietigheimer Manko. Wenn im Angriff der Knoten platzt, scheint alles möglich. Die Huskies verraten hingegen gravierende Mängel im Powerplay. Die Steelers überzeugten bisher in den Playoffs zwar bisher ebenfalls nicht in Überzahl. In der Hauptrunde waren sie in jener Kategorie aber mit einer Erfolgsquote von 24,2 Prozent hinter Freiburg das zweitbeste Team der Liga. „Die Statistiken sind ausgeglichen. Letztlich entscheidet die Tagesform“, konstatiert Naud.

► Selbst in Fankreisen glauben nur noch die kühnsten Optimisten an eine Wende und die fünfte Bietigheimer Zweitliga-Meisterschaft. Doch teamintern ist die Zuversicht ungebrochen, wie Naud zu berichten weiß. „Das Selbstvertrauen ist immer noch da. Die Jungs glauben fest an sich und den Sieg – und sie werden alles dafür geben“, sagt der Coach und betont: „Es gibt überhaupt keinen Grund, sich wie ein Hund mit eingezogenem Schwanz zu fühlen. Bei uns hat keiner Angst.“ Im Umkehrschluss fühlen sich die Schlittenhunde vielleicht schon ein bisschen zu sicher nach den beiden Siegen zu Beginn der Serie und geben im Gefühl des sich abzeichnenden Triumphs ein paar Prozent weniger – ein Verhalten, das auch Sportpsychologen immer wieder feststellen.

► Ein wichtiger Impuls könnte die Rückkehr von Topscorer Riley Sheen sein. Der 26-jährige Kanadier wurde am Freitag bei einer rüden Attacke von Ryan Olsen verletzt und versäumte darum Spiel zwei. „Bei ihm ist alles offen. Wenn er sich gut fühlt und das Gefühl hat, dass er der Mannschaft helfen kann, wird er spielen“, so Naud. Olsen ist dagegen nach seiner zweiten Disziplinarstrafe gesperrt, nachdem er am Sonntag mit einem weiteren Check gegen den Kopf und Nacken – diesmal war SCB-Kapitän Nikolai Goc das Opfer – erneut negativ aufgefallen war. Somit muss Huskies-Trainer Tim Kehler seinen Angriff neu formieren. Für den Kanadier Olsen wird wohl sein Landsmann Brett Cameron ins Kasseler Aufgebot rücken, der als überzähliger Kontingentspieler bisher unberücksichtigt blieb. „Es ist aber egal, wer beim Gegner aufläuft. Wir müssen das Spiel gewinnen. Punkt“, sagt Naud.

Das spricht für Kassel:

► Die Huskies haben in der ganzen Saison bisher erst einmal drei Spiele in Folge verloren: im März, gegen Ende der Hauptrunde. Den Titel würden sie nur noch aus der Hand geben, wenn sie nun erneut dreimal hintereinander patzen würden. Als souveräner Hauptrundensieger und nach den Ergebnissen in den Playoffs strotzt die Truppe von Trainer Tim Kehler vor Selbstvertrauen. Die Nordhessen wollen - auch mit Blick auf das Damoklesschwert Corona - unbedingt den ersten Matchpuck nutzen und den Sprung nach oben perfekt machen. Für sie würde sich so der Kreis schließen, denn bereits 2008 war Kassel der letzte sportliche Aufsteiger in die DEL. Hinzu kommt der Heimvorteil, der in Zeiten von Geisterspielen aber nicht so sehr ins Gewicht fällt wie zu normalen Zeiten.

► Die Kasseler Abwehr ist die mit Abstand stärkste der Liga und lässt im Schnitt nur 2,3 Gegentreffer pro Spiel zu. In den ersten beiden Finalduellen schossen die Steelers nur jeweils ein Tor. Kapitän Denis Shevyrin, Joel Keussen, Derek Dinger und Troy Rutkowski bürgen für viel Qualität in der Verteidigung. Und zwischen den Pfosten steht mit Gerald Kuhn (35) ein erfahrener Goalie der Extraklasse.

 
 
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