Diabetes-Welttag Vollgas trotz Krankheit

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Julian Kemmler aus Kleinglattbach ist seit sechs Jahren Diabetiker und macht trotzdem Leistungssport wie Mountainbiking oder Schwimmen. Das ist kein Problem mit einer Insulinpumpe.⇥ Foto: Kemmler

Julian Kemmler ist seit 2011 Diabetiker-Typ-1. Trotzdem oder gerade deswegen betreibt er Leistungssport, er schwimmt und nimmt an Mountainbike-Rennen teil.

Julian Kemmler aus Vaihingen-Kleinglattbach war elf Jahre alt, als er die Diagnose Diabetes bekam. „Das war schon ein großer Schock“, sagt der heute 19-Jährige. Er war im Leitungsteam des Schwimmvereins Bietigheim, machte viel und gerne Sport. „Zuerst denkt man, das ist nun alles zu Ende.“ Doch, so erinnert er sich, er sei zuerst einmal froh gewesen, dass der Grund für die Symptome, an denen er litt, klar war.

Sechs Kilo weniger

Denn Julian Kemmler hatte innerhalb einer Woche sechs Kilo abgenommen, wog nur noch 32 Kilo. Im Friedrich-Abel-Gymnasium Vaihingen schlief er im Unterricht ein, erzählt er, ohne Vorwarnung. Er trank mehr als sechs Liter Wasser pro Tag, hatte ein dauerndes Durstgefühl. Für den Arzt waren diese Symptome sofort das Zeichen, einen Bluttest zu machen. Er wurde nach der Diagnose sofort ins Ludwigsburger Krankenhaus zur Insulin-Einstellung eingewiesen.

Dort bekam der Junge nicht nur gezeigt, wie er sich selbst spritzt und den Blutzucker misst, er wurde auch genau aufgeklärt. „Am Anfang war das alles sehr verwirrend, wieviel muss ich mehr spritzen, wenn ich mehr Kohlehydrate zu mir nehme?“, so der 19-Jährige. Und es wurde ihm gesagt, dass er weiter schwimmen darf, wenn er eine Insulinpumpe trägt.

Seither hat er eine Art Gürtel mit Tasche, aus der je nach Bedarf Insulin durch eine Nadel injiziert wird. Ob Bedarf besteht, erfährt Kemmler durch die Blutzuckermessung, die er machen kann, wenn er denkt, es sei notwendig. Denn ihm wurde eine Art Chip namens Freestyle Libre 2 auf den Oberarm „genäht“, wie er sagt. Mithilfe seines Handys kann er jederzeit die Daten abfragen und manuell bei Bedarf die Insulinpumpe aktivieren. „Man lernt seinen Körper viel besser kennen, man lernt, was man sich zutrauen kann und was nicht“, sagt er.

Zwar war er schon immer sehr sportlich, auch mit dem Schwimmen hatte er schon lange vor der Krankheit angefangen, doch „jetzt mache ich erst Recht Sport, denn mein Blutzuckerspiegel ist viel besser und ich benötige beim und nach dem Sport viel weniger Insulin“, sagt er. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Sport bei Diabetes von Vorteil ist. „Ich musste zwar planen, wenn ich ein Rennen schwamm, dass ich rechtzeitig Insulin pumpte, aber das lernt man“, sagt er.

Nach dem Abitur musste er mit dem Leistungsschwimmen aufhören, weil es in seinem Studienort Tuttlingen keinen Schwimmverein gibt. Aber er geht auch dort zweimal die Woche schwimmen und drei Tage ins Fitness-Studio. Zudem war er Mitglied in einem Mountainbike-Team des Diabetiker-Bundes Baden-Württemberg, das bei Straßenrennen an den Start ging. „Unser Trainer sagte immer, jedes Team, das hinter euch ins Ziel fährt, ist gesund, also seht ihr, was ihr leisten könnt“, sagt Kemmler. Das Projekt soll signalisieren, dass Diabetiker auch Sport, sogar Leistungssport, machen können.

Das Steiner-Prinzip

Für ihn sei Diabetes „keine Krankheit, nur ein kleines Handicap“. „Was kann ich machen, ich muss damit leben, mein Leben lang, also versuche ich, mich zu arrangieren.“ Geholfen hat ihm, so sagt er, das Beispiel des Gewichthebers Matthias Steiner, ebenfalls Diabetiker. Steiner hat ein Buch, „Das Steiner-Prinzip“ geschrieben. „Das hat mir sehr geholfen“. Es brauche schon Disziplin und Selbstkontrolle, um nicht gesundheitlich in Gefahr zu kommen. „Man darf sich nicht immer über Diabetes ärgern, sondern einfach den Blutzucker messen und gut ist“, sagt er.

Julian Kemmler hat auch in Bietigheim eine Freundin, die wie er im Schwimmverein Bietigheim ist. „Sie kennt mich schon lange, hat meinen Insulingurt schon oft gesehen, es macht ihr nichts aus und mir auch nicht“, sagt der 19-Jährige.

Er hat aber ein Studium ergriffen, das mit seiner Krankheit zu tun hat: Als er ein Praktikum bei der Firma Roche in Mannheim machte, der Firma, die auch seine Insulinpumpe herstellt, entschied er sich dazu, Medizintechnik zu studieren, in Tuttlingen, dem Zentrum für diesen Studiengang. „Diabetiker wie ich profitieren von der Weiterentwicklung der Technik, das war schon ein Anreiz für mich, das zu lernen und zu helfen, dass Kranke es einfacher haben“, so Julian Kemmler.

 
 
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