Die Pandemie belastet die Kultur Kinos sind leer – Konzerte beliebt

Von  Von Gabriele Szczegulski
Nur wenige Besucher kommen derzeit in die deutschen Kinos laut dem Hauptverband Deutscher Filmtheater. ⇥ Foto: dpa STATISTISCH

Die Kinos bleiben leer, Kulturveranstaltungen werden entweder abgesagt oder nicht gut besucht, die Veranstalter hoffen auf staatliche Hilfen.

Zehn Gäste in zehn Kinovorführungen kamen am vergangenen Sonntag in die Central- und Union-Filmtheater in Ludwigsburg. „Es ist desaströs“, sagt Kinobetreiber Claus Wollenschläger. 80 Prozent weniger Besucher haben die Kinos derzeit, so Wollenschläger, der Mitglied im Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) ist. „Unsere Kinosäle bleiben leer.“

Den Kinos fehlen Besucher
und große Filme

Der Aufwand, sich für die 2G+-Regelung vor einem Kinobesuch testen zu lassen, sei zu groß für die meisten. „Aber auch geboosterte Stammgäste bleiben weg“, so Wollenschläger. „Ein Besuch ist immer mit Aufwand verbunden“. so Wollenschläger. Da blieben die meisten im Wohnzimmer und nutzten Streamingdienste.

Gerade jetzt, im Winter, so sagt Wollenschläger, in der traditionellen Kinozeit, sparen sich normalerweise die Kinos ein finanzielles Polster an, um dann durch den mageren Sommer zu kommen. „Mit zwei schlechten Wintern sind die Reserven aufgebraucht.“. Man müsse wieder auf die Coronahilfen, die wenigstens die Fixkosten ausgleichen, warten. Wollenschlägers Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.

Zudem sei Deutschland für die internationalen Kinoverleiher zu einem nicht profitablen Ort geworden, weiß Wollenschläger aus dem HDF. „Viele Blockbuster kommen momentan gar nicht hierher, weil es sich nicht lohnt.“ Fünf Filme, die bis Weihnachten hätten starten sollen, wurden storniert. Wollenschläger hofft nun, dass wenigstens der groß angekündigte Film „Spiderman“ in deutsche Kinos kommt. „Die Situation ist ruinös, noch halten die meisten Kinos es aus, aber wie lange noch?“, fragt er sich selbst.

Scala und Forum bieten
weiterhin Kultur

„Die Menschen brauchen gerade in dieser Zeit ein Ventil, deswegen bieten wir, bis es gar nichts mehr geht, kulturelle Veranstaltungen an und tun alles, dass sie stattfinden können. Das honorieren die Besucher mit ihrem Kommen“, sagt Edgar Lichtner, Geschäftsführer des Scala Ludwigsburg. Das Scala-Team achte „detailliert und sauber auf die Umsetzung der Regeln“, so Lichtner. Die 250 Besucher, die ins Scala kommen können, müssen vier Stationen beim Eintritt hinter sich bringen, um für die 2G+-Regelung Impfzertifikate, Personalausweis, Testnachweise und Adressdaten per App oder schriftlich abzugeben. Die Veranstaltungen sind, so Lichtner, gut besucht, da die meisten Karten der Konzerte schon im Vorverkauf gekauft wurden  oder wegen verschobener Termine noch gelten. „Wir sehen schon, dass die Leute Kultur wollen und deshalb auch kommen, der Vorverkauf läuft meist gut“, sagt er.

Ihn trifft mehr, dass viele Veranstaltungen gar nicht stattfinden, da die Künstler absagen, weil ganze Touren storniert wurden oder internationale Künstler derzeit wegen der aktuellen Corona-Situation nicht nach Deutschland kommen wollen. Die „Gorillaz“  aus Großbritannien sind so eine Band, das Konzert am 8. Dezember wurde abgesagt, genauso wie vier weitere Konzerte im Dezember.

Die erste Veranstaltung, die das Scala unter 2G+-Bedingungen durchführen wird, ist das Konzert mit Rebekka Bakken am kommenden Samstag, 11. Dezember, 20 Uhr. 190 Karten gingen im Vorverkauf weg, Lichtner hofft, dass auch die restlichen Tickets noch verkauft werden.

Seit Beginn der Pandemie, so Lichtner, gebe es einmal die Woche im Scala einen „finanziellen Check“. „Wir mussten schon eine Menge Faktoren einbeziehen, damit wir finanziell nicht in die Bredouille kommen, wir fragen uns ständig, was können wir uns noch leisten?“ Diese Faktoren seien Einsparungen in allen Bereichen und weniger Veranstaltungen. Aber auch die Hoffnung auf finanzielle staatliche Hilfen. „Aber die kommen für diese Welle erst im Frühjahr“, so Lichtner. Zudem beantrage das Scala Förderungen für Projekte. „Sparsamkeit, Streichungen, Hilfen und Kreativität bestimmen derzeit unser Handeln“, sagt Edgar Lichtner.

Auch im Forum in Ludwigsburg will man laut dem künstlerischen Leiter Lucas Reuter das geplante Programm durchführen. Die Vorführungen des Ballet du Grand Théâtre de Genève am 11. und 12. Dezember sind sogar schon seit einiger Zeit ausverkauft. Einzig das große Advents- und Weihnachtsliedersingen im Forum am 19. Dezember entfällt.

Veranstaltungen wurden
verschoben

Im Kulturprogramm der Stadt Bietigheim-Bissingen wurden alle Veranstaltungen des Dezembers laut Stadtsprecherin Anette Hochmut abgesagt und ins neue Jahr verschoben, da die Auslastung durch die reglementierte Zahl der Sitzplätze nicht mehr wirtschaftlich war, so Hochmuth. Ersatztermine wurden gefunden. Einziger verbliebener Termin ist der Tournee-Auftritt „The Outside Track“ am 17. Dezember in der Kelter. Da es eine Tournee ist, konnte kein Ersatztermin gemacht werden. Die Kelter wird nur zu 50 Prozent belegt, von 250 Plätzen sind bisher rund 100 verkauft, sagt Hochmuth. Einnahmeausfälle werde es aufgrund der Ersatztermine wenige geben. Dennoch wäre eine finanzielle Kompensation möglich, sagt Hochmuth, über den Coronasonderfonds des Bundes, bei dem die Stadt Zuschüsse beantragt hat.

 
 
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