Drei Häuser in Ingersheim werden abgerissen Der nächste Schritt zur „Neuen Mitte“

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Bei den drei Häusern in der Tiefengasse 2, 4 und 8 (von rechts nach links bis einschließlich Backsteingebäude) kann der Abbruchbagger anrücken. Geplant ist an der Ingersheimer Ortsdurchfahrt eine Neubebauung. ⇥ Foto: Martin Kalb

Der Ingersheimer Gemeinderat hat dem Abbruch von drei Gebäuden an der Tiefengasse zugestimmt.

Mit der Zustimmung des Gemeinderats zum Abbruch der Gebäude 2, 4 und 8 an der Ingersheimer Tiefengasse geht die Gemeinde den nächsten Schritt in Richtung „Neue Mitte“. Ist die Abbruchfläche an der Ortsdurchfahrt neu bebaut, die Pläne dazu wurden bereits letztes Jahr im November vorgestellt, kann sich die Gemeinde an weitere Planungen machen. Ziel ist eine komplette Neuordnung des Areals zwischen der Tiefengasse, der Kirchgasse, der Pleidelsheimer Straße und dem Alten Friedhof. Im Zuge dessen soll auch der Hindenburgplatz als neuer Ingersheimer Dorfplatz aufgewertet werden.

Zügiger Abriss

In der Sitzung am Dienstag machte Bürgermeisterin Simone Lehnert nochmals deutlich, dass man den Abbruch der Gebäude an der Tiefengasse, die sich im Eigentum der Gemeinde befinden, zügig umsetzen müsse. Der Grund ist ein Landessanierungungsprogramm, das 2007 begonnen, einmal verlängert wurde und nun ausläuft. Um Rückzahlungen der Gemeinde in einer Höhe von mehr als 900 000 Euro zu vermeiden, müsse investiert werden. „Ohne Ausgaben keine Förderung“, so die Bürgermeisterin, die als langfristiges Ziel die Aufwertung des ganzen Areals im Auge hat. An der Tiefengasse gehe es auch um die Innenentwicklung, betonte Lehnert weiter. Bislang gibt es allerdings nur eine Machbarkeitsstudie, Beschlüsse liegen noch nicht vor.

Die drei Gebäude werden nach dem Beschluss komplett abgerissen, einschließlich der Kellerräume. Anschließend soll der Hang gegebenenfalls abgesichert und die Fläche eingeebnet werden. So kann man einem Investor eine lastenfreie Fläche anbieten, was sich positiv auf den zu erzielenden Kaufpreis auswirken könnte.

Prüfung des Denkmalamts gefordert

In der Sitzung wollte Karin Zimmer (WIR) diesen Weg nicht mitgehen. Sie forderte, man solle vor dem Abbruch für das Backsteingebäude Tiefengasse 8 beim Landesamt für Denkmalpflege den Schutzstatus des Bauwerkes prüfen lassen, weil die Bauweise nur noch selten zu finden sei. Außerdem würden sich im Gebäude historische Fotografien befinden, die man sichern müsse.

„Nicht nachvollziehbar“ sei für sie, so Zimmer weiter, warum man das Gebäude in der Tiefengasse 2 überhaupt abreißen müsse. Wenn man es saniere, könnte es in das Konzept der „Neuen Mitte“ integriert werden. Eventuell wäre es möglich, mit dem Gebäude sozialen Wohnraum anzubieten, nach einer Sanierung könnte es auch an privat verkauft werden.

Martina Spahlinger (MIT) sah sich auf einmal mit „neuen Gedanken“ konfrontiert und äußerte grundlegende Kritik. Zumindest das Backsteingebäude sei ortsbildprägend, nach dem Abbruch „Wohnungen hinzuknallen ist zu einfach“, so ihr Einwand.

Wenig Verständnis für Kritik

Im Gremium stießen die kritischen Töne auf wenig Verständnis. „Ich bin außer mir“, sagte Hanne Hallmann (FWG). Seit dem letzten Herbst seien die Pläne hinlänglich bekannt. Wenn es jetzt wegen einer Prüfung des Denkmalamtes zu Verzögerungen käme, laufe man Gefahr, die Fördergelder zurückzahlen zu müssen. „Der Zeitplan steht“, den Vorstoß von WIR bezeichnete sie als „Wichtigtuerei“. Ebenso harsch reagierte Fraktionskollegin Carmen Buchgraber. Wenn man in der Gemeinde vorangehen wolle, betreibe WIR eine „Verhinderungspolitik“.

Bürgermeisterin Lehnert wies darauf hin, dass keines der drei Gebäude unter Denkmalschutz stehe. Von Anfang an habe man die Absicht gehabt, die Gebäude abzureißen, der Kauf sei mit der Zustimmung des Gemeinderats erfolgt. Tiefengasse 2 habe man auch nicht erworben, um das Haus zu sanieren. „Dies ist nicht die Aufgabe der Gemeinde“, so Lehnert. Zu der von Martin Spahlinger eingeforderten Bürgerbeteiligung sagte Simone Lehnert, die Bürgerschaft werde mitentscheiden, „was an dieser Stelle passiert“.

Zimmer-Antrag abgelehnt

Ergänzend verwies Jürgen Fleischmann (FWG) auf ein Gemeindeentwicklungskonzept, das 2022 mit der Bürgerschaft auf die Beine gestellt werden soll.

Der Antrag von Karin Zimmer, den Schutzstatus des Backsteingebäudes Tiefengasse 8 überprüfen zu lassen, wurde mit zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen von WIR und MIT abgelehnt.

Der Zeitplan bis 2022

Die öffentliche Ausschreibung für den Abbruch soll Anfang Juni 2021 erfolgen, die Sichtung der Angebote am 28. Juni. Die Vergabe der Arbeiten ist für den 20. Juli geplant, die Bauarbeiten könnten dann ab Ende August 2021 erfolgen. Gerechnet wird mit einer Bauzeit von vier bis sechs Wochen.

Dazu muss die Bushaltestelle in der Tiefengasse verlegt werden, ebenso ist an der Baustelle eine halbseitige Sperrung der Durchgangsstraße nötig. 2022 soll die Ortsdurchfahrt saniert werden.

Die durch den Abbruch frei gewordene Fläche könnte dann für die umfangreichen Tiefbauarbeiten zur Baustelleneinrichtung dienen.

 
 
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