Einige Nachholspiele während der WM geplant Spielausfälle stellen Zweite Liga vor große Probleme

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Erst sieben Spiele hat der Zweitligist SG BBM Bietigheim in dieser Saison coronabedingt austragen können.Kein anderer Klub in der Liga war häufiger von Spielausfällen betroffen.⇥ Foto: Avanti/Ralf Poller via www.imago-images.de

Dass die Saison der SG BBM Bietigheim im deutschen Unterhaus noch regulär zu Ende gespielt werden kann, wird immer unwahrscheinlicher.

Während das Leben in Deutschland seit Mittwoch wieder eingeschränkt ist, darf der Profisport wie gehabt weitermachen. Nach Informationen der Sportschau lief der Sport bei der Bund-Länder-Konferenz am Sonntag unter dem Radar und war kein Thema. Damit bleibt in den Ländern die Beschlussfassung vom 2. November in Kraft, dass unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiter gespielt werden darf. Gejubelt haben dürften bei der Entscheidung der Politik natürlich auch die Verantwortlichen der Handball-Bundesliga (HBL), die aufgrund zahlreicher coronabedingter Spielabsagen ohnehin schon erhebliche Probleme bei der Planung der restlichen Saison haben.

24 Spiele ausgefallen

„Die Luft wird immer dünner“, hatte HBL-Präsident Uwe Schwenker deshalb auch bereits vor wenigen Tagen den Kieler Nachrichten gesagt. Doch im Vergleich zur Zweiten Bundesliga steht das Oberhaus, auf das sich Schwenker im Interview in erster Linie bezogen hatte, noch gut da. Satte 24 Spiele in der 2. HBL fielen aus. Lediglich fünf Partien waren bis zum Wochenende nachgespielt worden. Zuletzt meldete der DJK Rimpar Wölfe mehrere Coronafälle, weshalb die nächsten drei Partien der Wölfe ins Wasser fallen. „Natürlich hat uns die schlechte Nachricht aus Rimpar das Wochenende verhagelt. Uwe Schwenker hat recht, wenn er sagt, dass die Luft dünner wird. Dazu reicht ein Blick auf die derzeitige Gesamtlage“, sagt auch HBL2-Sprecher Oliver Lücke auf Nachfrage der Bietigheimer Zeitung.

SG BBM besonders betroffen

Besonders von den Ausfällen betroffen ist die SG BBM Bietigheim. Erst sieben Saisonspiele hat der Tabellendritte der Vorsaison einschließlich der Nachholpartie vom Mittwochabend gegen den VfL Lübeck-Schwartau bislang bestritten. Kein Team hat weniger. Zum Vergleich: Der Dessau-Rosslauer HV hat bereits zwölf Begegnungen absolviert. Und dennoch gibt sich Lücke zumindest öffentlich optimistisch, dass die Spielzeit noch regulär beendet werden kann: „Wir halten es nach wie vor für möglich, dass es uns gelingen kann, alle Spiele dieser außergewöhnlichen Saison bis Ende Juni des nächsten Jahres zu absolvieren.“

Entscheidend werde dabei sein, „wie umfangreich die 2. HBL in den kommenden Wochen von weiteren Infektionen betroffen sein wird. Dies haben wir zumindest ein Stück weit in eigenen Händen. Wir müssen jetzt alles daran setzen, dass sich jeder einzelne direkt Beteiligte sich sehr genau an geltende Bestimmungen, insbesondere an unser detailliertes Hygienekonzept hält. Wenn wir das nicht tun, ist unser Spielplan wie ein nasses Stück Seife“, so Lücke, der dennoch für den Fall der Fälle auch einen Plan B in der Tasche haben will: „Zu einem Krisenmanagement gehört es auch, alternative Szenarien zu erarbeiten. Dies tun wir auch für die Fortsetzung der Spielzeit nach Ende der WM-Pause. Die Empfehlung der AG-Spielbetrieb hat beispielsweise dazu beigetragen, das wir uns entschlossen haben, den Spielbetrieb unabhängig von Zuschauern zunächst bis Weihnachten fortzusetzen“.

Diese Arbeitsgemeinschaft, in der mit dem Geschäftsführer des TSV Bayer Dormagen, Björn Barthel, auch ein Vertreter der Zweiten Liga sitzt, soll alternative Lösungen suchen. Eine mögliche Option, wie die Saison womöglich doch noch zu Ende gespielt werden könnte, könnte eine Auf- und Abstiegsrunde nach den 19 Spielen der Hinserie sein. Doch spruchreif ist das nicht. Konkret ist dagegen bereits, dass einige Vereine auch in der WM-Pause Nachholspiele bestreiten werden. Dies gilt laut Lücke allerdings nur für Klubs, die keine Nationalspieler abstellen müssen. So trifft die SG BBM am 29. Januar, Tag der WM-Halbfinals, auf den Aufsteiger TuS Fürstenfeldbruck.

Doch offenbar sind nicht alle Vereine überhaupt an einer Fortsetzung des Spielbetriebs interessiert: „Es ist so, dass bei einem Abbruch, gerade bei einigen Zweitligisten die Option Pause und Kurzarbeitergeld einen Großteil der Kosten decken kann. Denn viele Kosten wie die Hallenmiete oder die Ausgaben für die Corona-Tests fielen dann weg“, erklärte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann im Podcast „Kreis Ab“. Doch Bohmann setzt auf die Solidarität der Vereine: „Das kann für den Moment sicherlich bequem sein, aber das heißt auch, dass wir für die Restsaison weggeschlossen werden. Aber die breite Mehrheit der Vereine denkt nicht so. Sie wollen nicht klein beigeben“

 
 
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